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TV-Kritik

Let's Dance: "Es passieren Dinge mit meinem Körper, die willst du nicht wissen"

Bei "Let's Dance" stehen die Tanzduelle zwischen den Paaren an. Ein Tango elektrisiert die Jury ganz besonders. Und für einen Wackelkandidaten ist der Weg endgültig zu Ende.

Von Marie von den Benken

Bei "Let's Dance" verdrehten Julius Brink und Profi-Tänzerin Ekaterina Leonova der Jury den Kopf

Bei "Let's Dance" verdrehten Julius Brink und Profi-Tänzerin Ekaterina Leonova der Jury den Kopf

Es ist nicht die Woche des FC Schalke 04. Erst das Aus für die Teilnahme an der Champions League und dann fliegt Ulli Potofski raus. Als echter Gelsenkirchener eifert er seinem Lieblingsverein nach und verabschiedet sich pünktlich aus dem Wettbewerb, lange bevor es irgendetwas zu gewinnen gibt.

Für die Zuschauer eine Katastrophe und auch für mich als Autorin ein herber Rückschlag. Die unzähligen für die nächsten Wochen vorbereiteten "Ulli tanzt so wie..."-Vergleiche mit Flugzeugträgern, Dampfwalzen oder Bohrinseln sind jetzt nutzlos. Die Zeit der billigen Gags auf Kosten der charmanten Tanzikone Ulli ist vorbei. Aber der Reihe nach.

Jorge González mit neuem Styling bei "Let's Dance"

Daniel Hartwich lockert das Publikum erst mal mit dem Intro "Sie sehen heute sechs Tänzer, oder eigentlich: Fünf Tänzer und Ulli Potofski" auf. Was ihn aber sehr sympathisch macht: Anders als bei der von Fremdschäm-Koryphäe Oliver Pocher angeführten Armada von Moderatoren, die nie um einen schlechten Gag auf Kosten anderer verlegen sind, ist das Hauptziel seiner Sprüche für den Rest des Abends zumeist er selbst. Angenehm, wenn man auch mal kurz über sich selber lachen kann.

Apropos kurz: Sylvie erscheint in einem goldenen Kleid, das ihre Stylistin in der Kinderabteilung unter dem Motto "80's Disco" gefunden hat. Juror Jorge González erscheint mit neuer, sommerlicher Flechtfrisur und einem Outfit, das vermutlich aus dem Nachlass von Prince stammt. Sein Stehkragen sitzt so hoch, dass es von weitem immer so aussieht, als würde er eine Halskrause tragen. Soviel zu den optischen Highlights – kommen wir zu den Tänzen.

Vorbildlicher Neunjähriger: Chinesische Samba: Tanzen bis die Pfunde purzeln

"Das ist doch alles Porno"

1. Julius Brink knüpft an, wo er vergangene Woche aufgehört hat. Sex-Overload. Schon bei den Proben treibt ihm Ekaterina, die Victoria's-Secret-Beauftragte unter den Tanzprofis, mit einem koketten "Los, hau mir auf den Arsch!" die Schamesröte ins Gesicht. Fast schon schüchtern protestiert er mit "das ist doch alles Porno". Jualito in der Sexfalle. Motsi scheint es aber zu gefallen: "Die Kicks waren scharf."

Selbst Joachim Llambi, bei dessen Anwesenheit man normalerweise so gerne an Sex denkt, wie Vera Int-Veen an die nächste Gesprächsrunde mit der RTL-Programmdirektion, kann sich nicht halten: "Er steht wie eine Deutsche Eiche."

2. Ulli Potofski tanzt seine Rumba wieder mit der Leichtfüßigkeit eines Backsteins in einem Teller Linsensuppe. Dennoch fliegen ihm die Herzen zu. Einige junge Frauen im Publikum sehen in ihm scheinbar den neuen Justin Bieber und haben Transparente dabei. Aufgrund diverser Anfeindungen gegen Ulli in einschlägigen Internetforen hält Llambi anschließend ein flammendes Plädoyer für anständige Umgangsformen. 

Eric Stehfest enttäuscht "Let's Dance"-Jury

3. Bei Jana Pallaske setzt sich die rührselige Lobhudelei fort. Llambi kommentiert den Quickstep mit: "In der Promenade hast Du den Kopf schön gehabt." Oder wie wir Tanzlaien sagen: "Hä?" Und die Konfusion bei allen Beteiligten geht weiter. Sylvie findet: "Das klang gerade als viele Punkte." Und sie behält Recht: 28.

4. Eric Stehfest hat seinen Fanclub dabei. Drei RTL-Promis von "GZSZ", angeführt von Janina Uhse, drücken ihrem Kollegen von den VIP-Plätzen aus die Daumen. Nach ersten Recherchen ist Janina Uhse übrigens nicht mit Beate Uhse verwandt, obwohl beide durch Sex bekannt geworden sind. Beate mit Spielzeug, Janina durch ihre inzestuöse Affäre mit ihrem Vater in ihrer Rolle bei "GZSZ". Llambi beeindruckt das nicht. Er sieht den bislang schlechtesten Standardtanz und gibt vier Punkte.

Sarah Lombardi begeistert bei "Let's Dance"

5. Victoria Swarovski hat die Choreografie zu ihrem Contemporary gemeinsam mit ihrem Profitänzer Erich Klann entwickelt. In einem Meer aus Trockeneis versuchen sie, sich gegenseitig den Himmel zu zeigen. Als "Show Me Heaven" langsam verhallt, gibt es immerhin 27 Punkte. 

6. Sarah Lombardi tanzt den Wiener Walzer und reißt die Zuschauer im Publikum von den Sitzen. Dennoch holt sie das 30-Punkte-Triple nicht. Heute Abend werden es nur 23.

Bei "Let's Dance" lieferten sich Sarah Lombardi und Jana Pallaske ein Tanzduell

Bei "Let's Dance" tanzte Sarah Lombardi gegen Jana Pallaske

"Let's Dance" hat Überraschungast

Bevor es zu den drei Duellen der Paare kommt, tanzt noch jemand außer Konkurrenz. Passend zum Thema "One Hit Wonder" bringt der frischgebackene "DSDS"-Gewinner Prince Damien seinen Nummer 1 Hit "Glücksmoment".Daniel Hartwich entlockt dem musikalischen Ziehsohn von Dieter Bohlen mit raffinierten Interview-Techniken anschließend einige Geheimnisse wie "einfach mega" oder "dieser Dancepart war so ein bissl aus meinem Kopf raus". 

Das erste Tanzduell zwischen Victoria und Eric endet mit Standing Ovations der Zuschauer. Eric gewinnt knapp. Dann liefern sich Ulli und Julius einen Tango-Battle. Motsi Mabuse ist elektrisiert. Ihr Urteil: "Es passieren Dinge mit meinem Körper, die willst du nicht wissen." Auch Llambi findet die Darbietung "maskulin und männlich". Wenig überraschend gewinnt Jualito.

Potofskis "Let's Dance"-Karriere endet abrupt

Zuletzt tritt Jana gegen Sarah an. Ein gemeiner Schachzug der Redaktion. Wie die beiden da so nebeneinander im gleichen Kleid stehen, sieht das schon so ein bisschen aus, wie Dirk Nowitzki neben Jeanette Biedermann. Hier setzt sich Jana recht deutlich durch. Ich hatte bei Llambi auf ein "feminin und weiblich" gehofft. Vergeblich.

Durch die heute besonders diskussionsfreudigen Jurymitglieder zieht sich die Livesendung hin; das Ende von Ulli Potofski kommt deshalb ziemlich abrupt. Keine dramatischen Worte, niemand zittert.

Natürlich wünscht man niemandem eine Verletzung, aber zur Dramaturgie der bisherigen Staffel würde es passen, dass sich als kleines Bonbon für alle Ulli-Hater einer der Kandidaten verletzt und freiwillig aussteigen muss - und Ulli Potofski nachrückt. Aus Protest, dass Ulli gehen musste, gucke ich jetzt nie wieder "Let's Dance". Zumindest bis nächsten Freitag.

Bis dahin: See you on the Dancefloor,

Eure Marie