HOME

ARD und ZDF planen die Zukunft: Bastian Pastewka als Walter-White-Verschnitt

Bei den Öffentlich-Rechtlichen werden langsam die Konturen ihres neuen Programms erkennbar. Während die ARD ihren Krimi-Anteil reduziert, möchte das ZDF US-Serien wie "Breaking Bad" Konkurrenz machen.

Von Carsten Heidböhmer

Mehr und bessere Krimis, vor allem aber anspruchsvolle Serien: ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler hat im Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" einen Ausblick auf das künftige Programm des Senders gegeben. Und wartet mit einigen Überraschungen auf.

Die wohl aufsehenerregendste Neuerung: Das ZDF plant eine deutsche Antwort auf die amerikanische Erfolgsproduktion "Breaking Bad", die Miniserie "Morgen hör' ich auf". Darin betätigt sich ein arbeitsloser Grafiker als Falschgelddrucker - bis eines Tages die Mafia vor der Tür steht. Die Besetzung ist gewöhnungsbedürftig: Ausgerechnet Comedian Bastian Pastewka soll die Hauptrolle übernehmen und damit quasi in die Fußstapfen von Bryan Cranston treten. Anfang 2015 sollen die vier Folgen ausgestrahlt werden - an vier aufeinanderfolgenden Abenden, jeweils ab 22.15 Uhr nach dem "heute journal".

Krimiserie mit Jürgen Vogel geplant

Die gleiche Programmierung ist für eine weitere Mini-Serie geplant: "Die Lebenden und die Toten" (Arbeitstitel) ist ein Krimi mit Jürgen Vogel in der Hauptrolle. Daneben hat Himmler auch den Kauf neuer amerikanischer Serien angekündet. So will das ZDF noch in diesem Herbst "Ray Donovan" zeigen, eine Serie über einen "Problemlöser", der den schönen und Reichen in Los Angeles hilft. Liev Schreiber und Jon Voight spielen die Hauptrollen.

Mit "Die Abrechnung" ist ein Event-Mehrteiler über die Schlecker-Pleite geplant. Der Dreiteiler "Tannbach" erzählt über die ersten Nachkriegsjahre in einem bayrischen Dorf. Im Comedy-Bereich ist eine zweite Staffel von "Lerchenberg" geplant, erneut mit Sascha Hehn und Eva Löbau.

Lauterbach und Ochsenknecht gemeinsam vor der Kamera

Auch in der ARD tut sich was. So will der Senderverbund den Krimianteil im Vorabend künftig reduzieren. Die Serien unter der Dachmarke "Heiter bis tödlich" werden ab Herbst 2014 nur noch dienstags und mittwochs ausgestrahlt. Montags soll demnach weiter das "Großstadtrevier" zu sehen sein. Am Donnerstag bekommen Familienserien eine Chance, und der Freitag wird der Comedy vorbehalten sein. Neben Lizenzware plant die ARD auch eine Eigenproduktion. Rund 30 Jahre nach dem Filmerfolg "Männer" könnten Heiner Lauterbach und Uwe Ochsenknecht wieder gemeinsam vor der Kamera stehen. Offenbar denkt man darüber nach, den beiden eine eigene Serie zu geben.

Ansonsten scheint bei der ARD viel Selbstzufriedenheit vorzuherrschen. Kritik am eigenen Programm bezeichnet der "Tatort"-Koordinator Gebhard Henke in einem Beitrag im "Tagesspiegel" vor einigen Tagen als "ausgeprägten Selbsthass von Kritikern und auch Kreativen". Klagen über einen Mangel an guten deutschen Serien konterte er mit dem Verweis auf den "Tatort", den jüngere Zuschauer "wie eine Serie" rezipierten.

Immerhin: In einem Punkt ist man bei der ARD weiter als der ZDF-Programmdirektor. Denn während Himmler mit einem "Breaking Bad"-Verschnitt hausieren geht, formuliert Henke immerhin einen eigenen Anspruch: "Wir sollten nur nicht den Serien anderer Nationen nacheifern oder sie kopieren, sondern das Selbstbewusstsein haben, unseren eigenen filmischen Weg zu gehen." Jetzt muss er ihn nur noch beschreiten wollen.