Nazi-Vergleich Eva Hermans letzter Freund


Der Journalist Peer Teuwsen verteidigt Eva Herman in der Schweizer Weltwoche - und vergreift sich schwer im Ton: Sie sei in eine Falle getappt. Und überhaupt: Schuld seien eigentlich die Feministinnen.
Von Kester Schlenz

Gerade war Ruhe eingekehrt. Eva Herman bedauerte öffentlich ihren Mutterkreuzzug. Die Empörung war zu Kopfschütteln geworden. Das Thema schien erledigt. Da meldete sich vor ein paar Tagen in der Schweizer Weltwoche ein Mann zu Wort, wirft sich vor die blonde Familien-Restauratorin, bagatellisiert ihre skandalösen Äußerungen und macht Herman zum Opfer einer Hetzjagd. Die allgemeine Empörung über Hermans Unsäglichkeiten wird mal eben kurzerhand zum Zickenkrieg erklärt. "Vor allem Frauen", schreibt Teuwsen, stürzten sich mit Genuss auf die Frau, die ohne Not und naiv in die Falle getappt war, die man ihr schon lange bereitet hatte, die Nazi-Falle.

Opfer des Feministinnen-Kartells

Was für eine perfide Verdrehung! Herman hat also im Grunde nichts verbrochen. Sie ist vielmehr arglistig in eine Falle gelockt worden. Und von wem? Da hat Teuwsen schnell eine griffige Formulierung zur Hand. Vom "feministischen Establishment", vertreten etwa durch die Autorin Thea Dorn oder die grüne Politikerin Renate Künast. Die Worte und Taten dieser Damen seien so heftig, spekuliert der vermeintliche Frauen-Kenner, dass die Gründe tiefer liegen müssten, "als ein paar holprige Bemerkungen zur Wertschätzung der Mutter im Dritten Reich".

Teuwsen glaubt eben diese Gründe zu kennen und haut sie als rhetorische Fragen raus, dass einem die Luft wegbleibt: "War Eva Hermann für diese Frauen eine solche Bedrohung, dass sie nach dem Fehltritt die Häme gleich kübelweise über sie ergießen mussten?" Was denn so schlimm daran sei, dass Herman "Fremdbetreuung und Ganztagsschulen" und die "Auswirkungen des Feminismus" kritisch betrachtete? Und schließlich: "War diese Frau kaltzustellen, weil sie wirklich eine Gefahr darstellte für ein paar Dogmen des feministischen Establishments?" In Teuwesen verquerer Vorstellungswelt existiert also ein Kartell mächtiger, vergnatzter Feministinnen, die "kalt stellen", "Häme ausgießen" und Eva Herman mit der "Nazi-Keule aus der Öffentlichkeit" entfernten.

Lieber Kollege, bevor Sie sich weiter in absurden Verschwörungstheorien verstricken, erinnern Sie sich bitte: Frauen sind in diesem Land längst noch nicht da, wo sie sein sollten. Sie verdienen immer noch weniger als Männer, sind in Führungspositionen unterrepräsentiert, tragen die Hauptlast der Kindererziehung und Pflege Angehöriger und müssen sich immer noch von Leuten wie Ihnen beleidigen lassen, wenn Sie ihre Interessen verteidigen. Ja, Frauen reagieren empfindlich, wenn eine blonde Restaurations-Walküre ihnen das Bisschen streitig machen will, das sie in vielen Jahren erreicht haben. Und das ist auch gut so.


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