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Ehemalige "Tagesschau"-Sprecherin Eva Hermans Kaffeefahrten mit braunem Ausschank

Eva Herman bei Johannes B. Kerner
Eva Herman bei Johannes B. Kerner. 2007 flog sie aus der Talkshow.
© DPA
Das neue Germania liegt in Kanada. Zumindest wenn man Eva Herman glauben möchte. Die preist nach Informationen des "Spiegel" Grundstücke auf der Insel Cape Breton an. Im Visier seien vor allem "deutsche Staatsbürger mit braunem Gedankengut" und Verschwörungsideologen.

Der 9. Oktober 2007 ist ein denkwürdiger Tag in der deutschen TV-Geschichte. In der Talkshow von Johannes B. Kerner kommt es zum Eklat. Mit seinen Gästen Senta Berger, Margarethe Schreinemakers, Mario Barth und Eva Herman diskutiert der Moderator über das Thema "Geschlechterrollen". Die ehemalige "Tagesschau"-Sprecherin, die kurz zuvor über ihre kontroversen Aussagen zum nationalsozialistischen Familienbild in die Kritik geraten war, wiederholt ihre steilen Thesen. Sie wird unter anderem den Satz sagen: "Es sind auch Autobahnen gebaut worden damals und wir fahren heute darauf." Als Senta Berger entnervt damit droht, die Sendung zu verlassen, handelt Kerner. Er schmeißt Herman aus seiner Show. Es ist ein Fernseh-Rauswurf für immer.

Knapp 13 Jahre später scheint Herman ihre neue Bestimmung gefunden zu haben. Wie das Magazin "Spiegel" berichtet, wirbt die 61-Jährige für Grundstückskäufe auf der Insel Cape Breton in der kanadischen Provinz Nova Scotia. Im Visier seien dabei vor allem "deutsche Staatsbürger mit braunem Gedankengut", wie das Magazin einen Geschäftsmann zitiert, und Verschwörungsideologen. Ziel sei es, eine "Kolonie von Gleichgesinnten" aufzubauen. Ein neues Germania mitten in der Wildnis.

Eva Herman fungiert als Lockvogel

Hunderte Deutsche hätten bereits zugegriffen, wie aus Kaufverträgen, Wertgutachten, Gerichtsakten, E-Mails der kanadischen Polizei aus Nova Scotia sowie Protokollen von Betroffenen hervorgehe, die aus Angst vor einer Revanche nicht namentlich genannt werden wollen. Der Erwerb von Grund und Boden auf Cape Breton, das etwa vier Mal so groß wie das Saarland ist aber nur 130.000 Einwohner zählt, werde von Herman, dem Verschwörungstheoretiker Andreas Popp und Grundstücksverkäufer Frank Eckhardt eingefädelt.

Eine "transatlantische Kaffeefahrt" nennt der "Spiegel" die Vorgehensweise des Trios. Auf der Insel würden Seminare angeboten, in denen der Zusammenbruch der europäischen Wirtschafts- und Sozialsysteme prophezeit würde. Einzige Rettung demnach: Seine Ersparnisse auf der angeblich krisensicheren kanadischen Insel anzulegen. Eifrig würden Herman, Popp und Eckhardt kurz darauf Grundstücke zum Kauf anbieten. Teilweise wohl zu überhöhten Preisen. Hermans Rolle sei der eines "Lockvogels". Sie nutze ihre Kontakte nach Deutschland, um möglichst viele Seminarteilnehmer zu akquirieren.

In einer Mitteilung auf ihrer Homepage reagierte Herman auf den Bericht des "Spiegel" und nennt ihn "diffamierend". Sie spricht von einer konzertierten Aktion der "Mainstreammedien", die sie, Popp und Eckhardt diskreditieren würden. "Die Vorwürfe halten keiner Prüfung stand", behauptet Herman und verweist darauf, dass der Autor des Artikels sich bei seinen Recherchen auf einen Betrüger stützen würde. Die Kaffeefahrten nach Kanada selbst bestreitet sie nicht. Auch nicht, dass es nach den Seminaren zu Grundstücksverkäufen kommt. 

Herman verbreitet krude Verschwörungstheorien

Die ehemalige "Tagesschau"-Sprecherin ist vor allem in AfD-nahen Kreisen beliebt. Sie verbreitet in einem Telegram-Kanal Schreckensnachrichten. Ihre 135.000 Abonnenten werden täglich mit neuen Verschwörungstheorien gefüttert. Sie schimpft über die angebliche Corona-Hysterie und die "globale Impf-Allianz von Bill Gates und Angela Merkel" und warnt vor der vermeintlichen "Invasion" Europas durch Migranten aus dem "arabisch-afrikanisch-asiatischen" Raum.

"Wo glaubst du, bist du in zehn Jahren?", hatte Kerner damals in seiner Talkshow gefragt. "Weiß ich nicht, kann ich jetzt, nachdem sich mein Schicksal relativ schnell geändert hat, nicht sagen. Aber nochmal: Es ist nicht so, dass ich mich unglücklich verkrieche. Ich sehe in solchen Änderungen auch immer eine Chance. Möglicherweise kann ich mich für dieses Thema noch intensiver einsetzen, als ich das vorher konnte", antwortete Herman und betonte, sie sei "kein Nazi". 13 Jahre später ist sie Kaffeefahrttante und schenkt ziemlich braune Brühe aus.

Quelle: Der Spiegel (kostenpflichtig)

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