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Wegen Steuerhinterziehung verurteilt: Die eigentliche Frage des Prozesses: Was macht eigentlich Eva Herman?

Eva Herman hatte für 2010 keine korrekten Steuererklärungen abgegeben und zu wenig ans Finanzamt gezahlt. Bei ihrem Prozess ging es vielen aber um etwas ganz anderes: Was treibt die ehemals beliebteste Fernsehmoderatorin Deutschlands eigentlich so?

Eva Herman wurde in Hamburg wegen Steuerhinterziehung verurteilt

Eva Herman wurde in Hamburg wegen Steuerhinterziehung verurteilt

Kommt sie oder kommt sie nicht? Bis zur letzten Sekunde war nicht klar, ob Eva Herman denn auch selbst zu ihrem Prozess wegen Steuerhinterziehung am Hamburger Amtsgericht erscheinen würde. Hermans Auftritte in der Öffentlichkeit sind in den vergangenen Jahren selten geworden. Doch Journalisten mit Mikrofonen und Fernsehkameras vor dem Gebäude steht die Hoffnung auf die Stirn geschrieben. Vielleicht bekommen sie ja Bilder von einer sonst so unverfrorenen Person, die sich hier doch einmal etwas kleinlauter präsentiert; vielleicht können sie den Fall dieser längst nicht mehr beliebtesten Moderatorin Deutschlands noch einmal ganz aus der Nähe betrachten.

"Was für ein Empfang! So viel Presse hat sie ja schon lange nicht mehr gehabt", sagt ein Polizist vor dem Sitzungssaal im Amtsgericht Hamburg-Mitte zu seinem Kollegen. "Vielleicht wird das ja jetzt ihr Comeback!" Er lacht, die Umstehenden schmunzeln. Dann Blitzlichtgewitter, Reporter atmen auf. "Ich hätte ja nicht gedacht, dass sie kommt", sagen ein paar Kollegen.

Ja, sie kommt. In skinny Jeans, hohen Schuhen, mit perfekt geföhntem Haar - und dunkler Sonnenbrille, die sie so lange trägt, wie Kameras auf sie gerichtet sind. So stolziert sie an der Presse vorbei, zahnlos lächelnd, mit erhobenem Haupt, aber ohne jeden Blick nach links oder rechts. Unzufrieden, beschämt wirkt sie nicht. Selbst schlechte Presse ist ja gute Presse.

Um Steuern geht es hier gar nicht

Dabei hält sie von der Presse in Deutschland ja gar nicht mehr viel. Noch im Dezember hatte sie öffentlich über die "Tagesschau" gelästert, in einem Gespräch mit dem wenig bekannten Publizisten Michael Vogt. Sie hatte von "Medienmanipulation" gesprochen und davon, wie froh sie ist, "da raus" zu sein. "Ja, es tut mir wirklich leid, ich bin echt spät aufgewacht", sagte sie damals - ganz so, als sei sie freiwillig vom NDR geschieden und nicht aufgrund ihrer fragwürdigen Ideologie.

Eigentlich geht es in diesem Prozess am Amtsgericht Hamburg-Mitte um Geld. Herman hatte für 2010 keine Einkommenssteuererkläung und für ihr Medienbüro keine Umsatzsteuererklärung abgegeben. In der Folge hatte sie zu wenig ans Finanzamt gezahlt, "Steuern verkürzt", so heißt das, es geht insgesamt um knapp 40.000 Euro.

Doch der Fall ist für die dicht gedrängten Menschen im Zuhörerraum nur Nebensache. Ja, Herman hat zu wenig Steuern gezahlt. Diese Steuerschulden hat sie jedoch längst beglichen, keine Posten sind mehr offen - es ist ohnehin nur noch über die Höhe der Tagessätze ihrer Geldstrafe zu entscheiden. Und was die Öffentlichkeit hören will, ist sowieso etwas ganz anderes. Was hat Herman in letzter Zeit eigentlich gemacht? Hat sie einen Job, ist sie wieder gut im Geschäft oder am Boden?

Eva Herman ist frisch geschieden und klamm

Aktuell, so gibt Herman selbst an, arbeitet sie bei einem kleinen Verlag, erledigt dort - schwammiger könnte sie es kaum ausdrücken - "einige Verlagsarbeiten". 1055,97 Euro netto habe sie dadurch im Monat zur Verfügung - mehr nicht, keinen Unterhalt für sich oder ihr Kind. Von ihrem vierten Ehemann Michael Bischoff ist sie inzwischen auch geschieden, bis zum vergangenen Sommer hielt die Ehe. Das ist neu. 2005 hatte sie den Hotelier geheiratet; seinen Namen trägt sie bürgerlich noch heute. Im Prozess nennt sie ihren Ex-Mann immer wieder emotionslos "Herr Bischoff".

2007, so sagt sie, habe sich ihre berufliche Situation verändert, das ist bekannt. "Meine regelmäßigen recht hohen Einkünfte gingen relativ schnell auf Null", gibt sie an. In Folge habe sie ihre Lebensversicherung aufgelöst, um "weiter existieren" zu können. Dass es ihr finanziell schlecht geht, wurde öffentlich bekannt, als sie im Jahr 2012 Privatinsolvenz anmeldete. Dazu war es gekommen, so schildert sie jetzt, da "Herr Bischoff" eine hohe Rechnung von einer Bremer Brauerei bekommen hatte - 120.000 Euro, die er nicht zahlen konnte - und sie als Bürgin eingetragen war. Irgendwann stand die Gerichtsvollzieherin vor der Tür; ein Insolvenzverfahren wurde eingeleitet, jedoch nicht selbst beantragt. "Das lag alles in den Händen von Herrn Bischoff", sagt Herman mehrfach und betont danach jedes Mal: "Ich will das aber nicht abwälzen, ich hätte mich darum kümmern müssen."

Mit dem Insolvenzverfahren gehe es gut voran, eine Restschuldenbereinigung sei schon beantragt, es sehe gut aus. "Ich freue mich, wenn das abgeschlossen ist und ich wieder normal arbeiten kann", sagt Herman. Sie redet bedächtig und eloquent, verspricht sich nie, sie ist ja Profi. Die Augen der Journalisten kleben an Hermans Gesicht. Hat sie sich da etwa gerade eine Träne weggewischt? Eine Reporterin zückt schon den Stift - nein, falscher Alarm, der Pony fällt ihr eben manchmal ins Auge. Mensch, schade.

Wenig Geld, wenig Strafe

Wie sie still auf ihrem Stuhl sitzt, mit "Frau Bischoff" angesprochen wird; wie sie mal nicht vorprescht, wirkt es beinahe, als säße da eine ganz andere Frau. Schulden habe sie ansonsten keine mehr, sagt Herman ruhig, bloß "moralische Verpflichtungen", so formuliert sie. Denn dass sie ihre verkürzten Steuern zurückzahlen konnte, habe nur ihre Familie ermöglicht. Private Darlehen also, juristisch wenig interessant.

Herman hat also kaum Einkommen in ihrem nicht genannten Verlag. Auch, wenn die Staatsanwaltschaft da so ihre Zweifel hat. "So schlecht verdienen können Sie ja doch nicht, wenn Sie sich einen Anwalt leisten können, der aus Düsseldorf nach Hamburg gereist kommt", so der zynische Kommentar der Staatsanwältin Elke Eggers.

Dazu hat Herman einen unterhaltspflichtigen Sohn zu Hause, 18 Jahre alt, der vor seinem Freiwilligen Sozialen Jahr steht - also selbst nichts verdient. Deshalb wird ihre Geldstrafe heruntergesetzt. In der Anklageschrift war von 180 Tagessätzen von je 40 Euro die Rede, nun sind es 5400 Euro statt 7200, die Herman zu zahlen hat, in 180 Tagessätzen à 30 Euro. Die Vorsitzende Richterin unterstellt Herman keine Absicht bei der Steuerhinterziehung, immerhin aber billigende Inkaufnahme.

"Dann ist das für Sie erledigt", sagt die Richterin - das Urteil ist rechtskräftig. Das war's - Herman muss zurück durch die Reportermeute. Ist sie denn zufrieden? Wieder nur ein zahnloses Lächeln, Sonnenbrille wieder auf - danke auch.