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Nominierungen für Deutschen Fernsehpreis Vorfreude der Branche und Langeweile beim Publikum


Die Nominierten für den Deutschen Fernsehpreis stehen fest. Während ARD-"Tatortreiniger" Bjarne Mädel gleich doppelt auf den Preis hoffen kann, flaut das Zuschauerinteresse immer mehr ab.

Wenn sich die Stars des deutschen Fernsehens am 2. Oktober zum Deutschen Fernsehpreis in Köln treffen, dann sitzt besonders viel ARD-Personal auf den Plätzen der Nominierten. Der Sender dominiert bei der Anzahl an möglichen Preisträgern. Allen voran ist "Tatortreiniger" Bjarne Mädel, der nicht nur in der Kategorie "Bester Schauspieler" sondern auch "Beste Serie" auf den Obelisken aus Kristallglas hoffen kann. Die Programmmacher hievten die schwarzhumorige Serie nach ihrer erfolgreichen Erstausstrahlung im NDR auf einen Sendeplatz im Ersten.

So erfolgreich die ARD im Unterhaltungssegment ist, so schwach ist sie in der Kategorie "Beste Information" vertreten. Kein einziger der zahlreichen Polittalks hat es in die Riege der Nominierten geschafft. Stattdessen treten "Maybrit Illner" (ZDF), "sternTV" (RTL) und "Der Tag" (Phoenix) gegeneinander an. Aufsehen erregte die Nominierung von Enthüllungsjournalist Günter Wallraff in der Kategorie "Beste Reportage", für seine RTL-Doku über Kurierdienste. Die später diskutierten "umstrittenen Recherchemethoden Wallraffs" hatten nach Jury-Angaben keine Rolle bei der Auswahl gespielt.

Es hatte langwierige Diskussionen gegeben, bis man sich auf die Liste der Vorschläge einigte. Ein wenig Innovation fehle den deutschen Fernsehmachern, kritisierte die neunköpfige Jury, was sich auch in der Nominierung altbekannter Formate andeutet. Mit der Produktion im Bereich Fiction, vor allem Fernsehfilm, sei man sehr zufrieden, ein bisschen mehr deutsche Serien dürften es aber ruhig sein.

Die Nominierungen im einzelnen

Eine Chance auf die Auszeichnung für die beste Einzelleistung als Schauspielerin haben in diesem Jahr: Barbara Auer und Ina Weisse (ARD, "Ende einer Nacht"), Sibylle Canonica (ARD, "Tatort: Borowski und die Frau am Fenster"), Anja Kling (Sat.1, "Hannah Mangold & Lucy Palm), Ulrike C. Tscharre (ARD, "Lösegeld") und Silke Bodenbender (ZDF, "Das unsichtbare Mädchen"). Letztere war kürzlich von Produzent Nico Hofmann für die Rolle der früheren First-Lady Bettina Wullf im Gespräch.

Bei den Männern sind neben Bjarne Mädel (ARD, "Der Tatortreiniger") auch Matthias Brandt (ARD, "Polizeiruf 110: Denn sie wissen nicht, was sie tun"), Misel Maticevic ("Lösegeld"), der zukünftige Hamburg-Tatortkommissar Wotan Wilke Möhring ("Der letzte schöne Tag") und Ulrich Noethen (ZDF, "Das unsichtbare Mädchen") nominiert.

Als beste Filme konkurrieren "Das Ende einer Nacht", "Hannah Mangold & Lucy Palm" und "Der letzte schöne Tag". Bei den Besten Serien sind es neben dem "Tatortreiniger" "Der letzte Bulle" (Sat.1) und "Borgia" (ZDF).

Wenig Zuschauerinteresse an der "Fernsehsause"

Wenn von der Preisverleihung am 2. Oktober die Rede ist, fällt schon im Vorfeld das Schlagwort von den "Deutschen Oscars". So viel Glamour und Aufmerksamkeit wie dieser Kosename anmutet, kommen dem Deutschen Fernsehpreis aber längst nicht mehr zuteil.

In der Branche beschwert man sich über die im August 2010 gefällte Entscheidung, die Kategorien für kreative Filmschaffende wie Drehbuchautoren, Kameramänner, Cutter, Kostümbildner und Regisseure abzuschaffen. Die Verantwortlichen des Deutschen Fernsehpreises flöteten vom "Werk- und Teamgedanken", vor allem der Verband der Drehbuchautoren schimpfte laut: Damit entwerteten sie "den Deutschen Fernsehpreis als ehemals wichtigen Branchentreff und Leistungsschau der Fernsehschaffenden. Er wird zum reinen Reklamespektakel".

Ausgerichtet wird die Veranstaltung von ARD, ZDF, SAT.1 und RTL, die die Gala auch abwechselnd übertragen. Was aber für keinen der vier Sender ein wahres Vergnügen zu sein scheint: Mit nur 2,41 Millionen Zuschauern fuhr RTL 2011 die schlechteste Reichweite seit 2009 ein. Bislang wurde die Verleihung einen Tag später im Fernsehen gezeigt, dem ZDF reicht dieses Jahr auch eine Ausstrahlung mit zwei Tagen Verspätung. Letztes Jahr gab es zudem eine 24-stündige Sperrfrist für Journalisten, nach deren Ablauf erst die Preisträger genannt werden durften. Die zweifelhafte Frist gibt es dieses Jahr nicht mehr, was die Zuschauerquote zusätzlich drücken dürfte.

juho/Teleschau/DPA DPA

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