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Kommentar

TV-Rechte: ARD und ZDF besiegeln das Ende von Olympia in Deutschland

Die langen Verhandlungen sind gescheitert. ARD und ZDF berichten bei den nächsten Olympischen Spielen nicht mehr live von den Wettkämpfen. Das Signal an den deutschen Breitensport könnte kaum fataler sein.

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Gemeinsames Olympia-Studio von ARD und ZDF: Ab sofort herrscht hier Sendepause

Es lag also am Geld. ARD und ZDF werfen dem Rechte-Inhaber Discovery nach den gescheiterten Verhandlungen über die TV-Rechte für Olympia überzogene finanzielle Forderungen vor. Sie würden bei Weitem über dem liegen, was verantwortet werden könne, so ARD-Sportrechte-Intendant Ulrich Wilhelm. "Wir sind Discovery bis an unsere Schmerzgrenze entgegengekommen", ergänzt ZDF-Intendant Thomas Bellut in einer Mitteilung.

Machen wir uns nichts vor: Über die Qualität der künftigen Olympia-Übertragungen müssen wir uns deshalb keine Sorgen machen - fachlich ist Eurosport, der ab sofort exklusiv sendende Spartenkanal, mit den Öffentlich-Rechtlichen mindestens auf Augenhöhe. Trotzdem könnte das Signal an den deutschen Sport nicht fataler sein, denn Olympia ohne ARD und ZDF bedeutet: weniger Aufmerksamkeit, weniger Sponsoreninteresse, weniger Geld für die Verbände. Und das vermutlich in einem Ausmaß, das sich im Moment nur Pessimisten vorstellen können.

Olympia: Vergleich zur Tour de France liegt nahe

Bestes Beispiel ist die Tour de France: Nach dem zwischenzeitlichen Ausstieg der ARD aus der Übertragung ab 2012 fand das größte Radrennen der Welt quasi unter Ausschluss der deutschen Öffentlichkeit statt, beim Wiedereinstieg des Senders in diesem Jahr blieben die Quoten hinter den Erwartungen zurück. "Das Interesse der Zuschauer hätte nach den ständigen Doping-Skandalen die weitere Live-Übertragung nicht gerechtfertigt", hieß es in der Erklärung zum Ausstieg 2012.

Dergleichen wird heute nicht als Grund angeführt - und trotzdem reicht ein Blick auf Twitter, um die polemische Grundhaltung vieler Deutscher gegenüber den Olympischen Spielen zu erkennen. Olympia sei seit Jahren eine Farce, heißt es da, nur gut, dass so was ab sofort nicht mehr bei ARD oder ZDF gezeigt werde. Geht es nach dem durchschnittlichen Twitter-User, scheint die olympische Idee zumindest für all die deutschen Durchblicker und Verschwörungstheoretiker so kaputt, dass es sich ohnehin nicht mehr lohnt, um sie zu kämpfen.

Und genau hier haben die Öffentlich-Rechtlichen es versäumt, ein Zeichen zu setzen: Anstatt Flagge für die Amateursportler (die nämlich im Gegensatz zu den meisten Tour-de-France-Fahrern eben nicht gedopt sind) zu zeigen, anstatt ein bisschen mehr Geld in die Hand zu nehmen, haben sie sich ins Abseits verhandelt. Dabei wären die Gebührengelder doch geradezu prädestiniert für die Rettung einer ursprünglich guten Idee in diesen zynischen Zeiten.

Ein weiterer deutscher Sargnagel für Olympia

So bedeutet dieser Tag bloß einen weiteren deutschen Sargnagel für Olympia nach dem gescheiterten Hamburger Olympia-Referendum vor einem Jahr - ganz zu schweigen davon, dass es mit einem deutschen Ausrichter ohnehin keinen öffentlich-rechtlichen Ausstieg aus den Verhandlungen gegeben hätte. Streng genommen ist das Ende von Olympia, wie wir es kennen, in Deutschland damit vorläufig besiegelt.

ARD und ZDF hätten es verhindern können. In einigen Artikeln zum Thema werden die gescheiterten Verhandlungen als "Schlappe" für die beiden Sender bezeichnet. Um eine "Schlappe" zu erleiden, muss man vorher allerdings wenigstens gekämpft haben.