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TV-Kritik

"Promi Big Brother": Diaspora der Doofen – außer Zlatko und Joey könnt ihr alle gehen

Einst war es ein cooles Experiment, heute ist es das abgefuckteste Format im deutschen Fernsehen. Bei "Promi Big Brother" aalen sich zwei Handvoll Asis, die nur Google kennt. Einzige Ausnahme: ein Autoschrauber und ein ehemaliger Dschungelkönig.

Von Mark Stöhr

Eine blonde Frau in grün gemustertem Bikini fasst sich mit der rechten Hand an den Po

Schwer zu sagen, wer am meisten weh tut in dieser Freakshow. Der gesichtstätowierte YouTube-Clown, der bei irgendeinem Trip mal hängengeblieben ist und jetzt dauernd "Digger" sagen muss? Oder die gebotoxte Sächsin, die sich für Schönheitschirurgie statt Logopädie entschieden hat und deswegen Wort für Wort untertitelt werden muss? Ziemlich weit oben auf der Skala der Schmerzen befindet sich auch Ginger Costello, die aktuelle Frau von Rotlicht-Rentner Wollersheim. Und natürlich Joey Heindle, der Gigant unter den Schwachköpfen. Aus Mitleid.

Ihr armen, armen Menschen. Was hat euch bloß so ruiniert? Ginger machte den Anfang. Ihre Geschichte handelte von miesen Tabledance-Schuppen, gebrochenen Nasen und leer geräumten Wohnungen. Nach den ganzen Scheißtypen heißt ihr Happy End nun Bert Wollersheim. Uff. Das war so traurig, so Digger-mäßig-mit-Pipi-in-den-Augen-sad, dass der Typ mit den Kritzeleien im Gesicht aufstand und erst einmal eine Rolle Klopapier holte.

Eine blonde Frau in grün gemustertem Bikini fasst sich mit der rechten Hand an den Po

"Das Schnuckelschen hat Beine wie ein Broiler"

Noch bevor Ginger ihre Lebensbeichte loswerden konnte, hatte ein Jürgen seinen ersten größeren Auftritt. Nie gesehen, nie gehört, Google sagt Privatdetektiv. Er bescheinigte der Wollersheim, die ja gelernte Stripperin ist und ihr Handwerk im Big-Brother-Camp freizeitmäßig ausübt, im Gesäßbereich eine "Dermopanniculosis deformans". Im Volksmund auch "Cellulite" genannt. Jürgen, seiner agrarischen Phonetik nach Rheinländer, brachte die Sachlage noch einmal anders auf den Punkt. "Die Fältschen da am Hintern", klaubte er die Silben mühsam unter seiner Zunge hervor, "würd‘ isch mir mal wegkärschern lassen." 

Digger. Das ist das Niveau, das in dieser Diaspora der entfesselten Dummheit herrscht. Und es geht immer noch lower. Als ein gewisser Tobi, so ein Riesenbaby mit kleinem Kopf und dicken Popeye-Armen, eine öffentliche Dusche nahm, kriegte sich die Sächsin mit dem Sprachschaden gar nicht mehr ein. "Guckt eusch mal das Schnuckelschen an", sexelte sie, "der hat Beine wie ein Broiler, in die könnt isch glatt reinbeißen." Beim Einseifen verglich sie den Adonis mit ihrem Hund und verkündete kurzerhand, dass sie gerade ihren Eisprung habe. Von hinten johlte der Privatdetektiv: "Na, dann immer druff!" Zwei Werbepausen später fragte ein Schlagersänger namens Almklausi eine Wahrsagerin namens Lilo: "Und was machst du so? Travestie?"

Großer Bruder Zlatko

Derweil machte es sich der zurzeit berühmteste Automechaniker des Landes im Luxusbereich bequem und trug seine exzentrischen T-Shirts auf. Zlatko ist der Freidenker unter den ganzen Fame-Suchern. "Ich komm‘ hier rein, und wenn‘s vorbei ist, geh‘ ich wieder raus", lautet sein Matchplan. Ein bisschen übertreibt er es mit der Tiefenentspannung, einige seiner Aphorismen wirken arg vorgestanzt ("Wenn ich ein Promi bin, dann ein Z-Promi. Z wie Zlatko"). Aber der Typ bringt den aufgeregten Hühnerhaufen mit seinem Buddhismus so richtig zum Hyperventilieren. Denn die Mehrheit der Mitkonkurrenten weiß überhaupt nicht, wer er ist.

Auch Joey nicht. Er war sieben, als Zlatko zum ersten Mal im BB-Container saß. Zwischen den beiden Männern deutete sich gestern der Beginn eines Großer-Bruder-kleiner-Bruder-Verhältnisses an. Der einzige nette Erzählstrang in diesem vulgären Inferno. "Kannst du mir helfen, eine Familienkutsche zu finden?", fragte der ehemalige Dschungelkönig den Autoschrauber. Und Zlatko antwortete mit einem milden Lächeln: "Ey, Schnucki, die findet doch jeder selber – aber ja, ich helf‘ dir."