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TV-Kritik

Der Einzug: "Promi Big Brother": Leck-Bananen, Pimmelohren und Kackterien

Bis zum Schluss wird nicht ganz klar, wie die Sendung eigentlich heißt: Big Brotter? Big Brasa? Big Bradder? Oder doch irgendwas mit Bachelor? Impressionen vom Auftakt im Promi-Container.

Von Ingo Scheel

Katja Krasavice bei "Promi Big Brother"

Cora hat eigentlich nur einen Wunsch: Dass die Zuschauer sie mal so kennenlernen, wie sie wirklich ist. Dass sie den Nachnamen Schumacher mittlerweile weglässt, macht es nicht eben leichter. "Just Cora" nennt sie sich jetzt, trägt pinke Zahnspange und möchte doch nur, dass man sie mal so richtig… aber das hatten wir schon. Drinnen im Container hapert es jedoch erst einmal mit der Erkenntnis. "Woher kennt man dich?" fragt Daniel Völz, als Ex-Bachelor-Schmierlapp selbst nicht unbedingt mit übermäßiger Prominenzität gesegnet. "Vom Motorsport", gibt sich Cora, die Daniel danach nur noch Caro nennt, eher halb-informativ. Das nun hilft Daniel, nach dem Bachelor-Ende nicht mehr ganz austrainiert, ebenso wenig auf die Sprünge. 

Promi Big Brother 2018 BB

Katja Krasavice mag Bananenen. Vielleicht ein bisschen zu sehr.

SAT.1

Auch Silvia Wollny kann nichts Erhellendes beitragen. Die TV-Mutter ist mit Wischmop eingezogen, erwartet im Container "die unterschiedlichsten Kackterien" und ist mental so gestählt, dass ihr selbst das übergriffige Haar-Gefummel von Moderator Jochen Schropp nichts anhaben kann.

Pimmelohr oder Banane?

Gegen derlei Annäherungsversuche hätten Katja Krasavice  oder Chethrin Schulze nach nur zwei Tagen im Baustellen-Bereich von Promi-Big-Brother wohl nichts einzuwenden. Katja, die leckwütige Youtuberin, hat vom letzten Schlagermove ihre Pimmelohren mitgebracht. Die wackeln nicht nur lustig am Kopf, sondern taugen im Notfall auch zur Selbstbeglückung im Schlafsack. Bis es soweit ist, muss jedoch erstmal die Banane herhalten. Gut, dass Onkel Tuca das nicht mehr erleben muss. 

Chethrin - noch so ein Name, von dem keiner weiß, wie er ausgesprochen wird oder was er bedeutet - löst schon nach wenigen Minuten ihre Beichte-Bons ein und gesteht, dass sie die letzten anderthalb Jahre immer nur betrunken gepoppt hat. Junge, Junge, das geht aber fix. Ein bisschen Vorspiel wäre ja schon ganz nett gewesen. Aber kaum hat man sich die Ohren mit Kernseife ausgewaschen, legt Katja schon mit ihren Geschichten vom Mitleids-Sex und den traurigen Jungs mit den kleinen Penissen nach, dass einem ganz schwindlig wird.

Alphatiere auf dem Trockenen

Nicht ganz so explizit, aber ebenso einnehmend auch die Selbstbezichtigung von Pascal Behrenbruch, der das Schicksal mit den meisten seiner MitbewohnerInnen teilt, nämlich dass ihn keiner kennt: "Ich bin interessant. Ein Alphatier. Genau mein Ding, im Rampenlicht zu sein. Ich liebe mich". Keine Viertelstunde später ist Behrenbruch, übrigens ehemaliger Leichtathlet, ein gebrochener Mann und hat die typische Lagerhaltung angenommen - zusammengesackt, mit hängendem Kopf, sich an so ziemlich jeden anderen Ort der Welt wünschend. Aber da muss er jetzt durch - und mit ihm noch so einiges mehr an Menschenmaterial.

Heinz von Sayn-Wittgenstein macht schon vor dem Einzug dem Immobilien-Business alle Ehre, als er versucht, sein Head&Shoulders-Shampoo hineinzuschmuggeln, raucht gefühlt chronisch zwei Zigaretten gleichzeitig und zieht am Ende gleich wieder aus, weil es nur Wasser zu trinken gibt. Johannes Haller scheint seine Wohnung aufgegeben zu haben und lebt mittlerweile ausschließlich im Fernsehen. Nach diversen Bacheloreien stapft der jungenhafte Springinsfeld jetzt durch den Promi-Container, und das mit dieser ihm eigenen pantoffeligen Selbstverständlichkeit und im Bewusstsein, dass er in der wirklichen Welt gerade eh nix verpasst.

Katja Krasavice bei "Promi Big Brother"

Gummiballons voller Liebe

Mike Shiva sieht aus, als hätte sich Oliver Kalkofe im Dunkeln für einen Sketch über das Wacken-Festival zurechtgemacht, zieht mit Kamm - um die Knoten rauszukämmen - und Bürste - für die Fülle - ein. Das Hellsehen liegt in seiner Familie, sagt der Schweizer Mentalmagier, und die Liebe, ja, die Liebe ist eine wunderbare Energie. Diese ganz besondere Energie hat Sophia Wollersheim, die sich jetzt Sophia Vegas nennt, in zwei Gummiballons abgefüllt und trägt sie als Brüstung um den Hals. Dass der Hals wiederum allzu ausgeleiert ist und das Doppelkinn beim Sprechen mitwackelt, bereit der Ex-Marienhoferin Nicole Belstler-Boettcher einige Sorgen. Kein Wunder, dass die Best Agerin mit dem rauchigen Lachen sich schon in der ersten Sendung einen kleinen Zusammenbruch gönnt. Hui, hier ist was los - Alphonse Williams, angeblich DSDS-Gewinner aus dem Vorjahr, hat das jemand zufällig gesehen? - lacht noch zerkratzter, hat alte Roberto-Blanco-Witze mitgebracht und glaubt an Tarotkarten.

Die anmutigsten Bilder aber bietet, wie so oft in dieser Art von Formaten, der Morgen danach. Wie Katja sich erst die Körpermitte reibt und dann an den Fingern riecht - das hätte es früher nicht mal auf Eisenpimmel-Plattencovern gegeben. Oder das Bild des Fürsten, der in grauem Shirtlappen und Bermuda-Shorts vom Hamburger Dom wirkt, als hätte ihn ein Zirkuswagen überrollt. Eine Impression nachhaltiger als die andere. Und vom Dixiklo, dem grün angetünchten Kackomaten, der schon nach einem Tag und einer Nacht randvoll ist und ausgepumpt werden muss, haben wir da noch gar nicht angefangen.