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Radsport-Skandal: Fernsehen und Doping - vier Forderungen

Jetzt ist der Skandal da! Voller Abscheu und Empörung berichten auch die Sportredaktionen der öffentlich-rechtlichen Sender. Weitgehend ausgeblendet bleibt leider immer noch die eigene Rolle. Welchen Anteil hat das Mediengeschäft am gedopten Höchstleistungssport - und wie könnte man damit besser umgehen?

Von Bernd Gäbler

Ein Geständnis vorweg: ich bin befangen. Bereits im Frühjahr 1992 durfte ich - damals noch beim Hessischen Rundfunk (HR) - für die ARD einen Brennpunkt zum Thema "Doping" machen. Weil dies nicht zu googeln ist, ist das natürlich längst vergessen. Es war ein kritischer "Brennpunkt" - und für mehrere Jahre auch der quotenstärkste. Anlass war der Doping-Fall Krabbe, parallel fanden die Olympischen Winterspiele in Albertville statt. Es entstand in kurzer Zeit ein 45-Minuten-Film. Mein Kollege war der Filmemacher Kamil Taylan; die Chefredaktion war verantwortlich. Und eins war schon damals - also immerhin vor mittlerweile 15 Jahren - sonnenklar: der Sportchef sollte übergangen werden, auf keinen Fall reinreden dürfen oder mitmachen. Sein Name: Jürgen Emig.

Wie wäre es mit Journalismus? Später hat er über Jahre hinweg und stets mit besten Beziehungen zum aufstrebenden Team Telekom die Tour de France für die ARD begleitet. Hagen Boßdorf gab es damals noch nicht. Der ARD-Programmdirektor Dr. Günter Struve stöhnte damals noch, wie blöd es sei, dass kein deutscher Fahrer ordentlich die Berge raufkäme. Mit dem Team Telekom änderte sich das. Bald berichtete die ARD nicht nur stundenlang von der Tour de France, sondern setze sich selbst ins Bild. Wenn Jan Ulrich im Ziel jubelnd die Arme hochreckte, prangte auf seiner Brust auch der Schriftzug der ARD. Hagen Boßdorf, vom Radsport-Experten zum ARD-Sport-Koordinator promoviert, stellte die Berufs-Radfahrer der Telekom stets zu Jahresbeginn der Öffentlichkeit vor, betreute an Wochenenden die Telekom-Lounge im Stadion von Bayern München und sorgte für eine Schönschrieb-Version von Jan Ullrichs Leben. Wie wir heute wissen, erhielt Ullrich zusätzlich einen Spezialvertrag über rund 250.000 Euro.

Heute will ihn keiner mehr so genau gelesen haben. Tatsächlich war er sogar leistungsabhängig. Wenn der Sportler alles tat, um vorne zu sein, bekam er mehr Geld. Für ihn wäre es also eine sinnvolle ökonomische Kalkulation gewesen, einen Teil der aus unseren Gebühren finanzierten Summe in leistungssteigende Mittel zu re-investieren. Die ARD war so sehr verstrickt, dass bei der berühmt-berüchtigten Doping-Tour des Jahres 2001 erst dem WDR-Intendanten Fritz Pleitgen der Kragen platzen musste und er wiederum sportfremde, aus der Politik importierte Redakteure nach Frankreich schicken musste, bis ein halbwegs ausgewogenes Bild entstand und nicht nur die Radler ständig als Opfer einer durchgedrehten kommunistischen Sportministerin dargestellt wurden.

So war das. Jetzt beichten einige Sportler. Und plötzlich fordern Politiker: ARD und ZDF sollen doch einfach die Berichterstattung vom großen Radsport sein lassen. Absurd - wie aber wäre es mal mit Journalismus? Ist das nicht auch die eigentliche Aufgabe des öffentlich-rechtlichen Sendens, der Sinn der Gebühren - dass eben keine Abhängigkeit entstehen soll von den großen Geldgebern und Veranstaltern?

Man stelle sich vor: der Papst wird gewählt, aber ARD und ZDF ziehen ihre Kirchenredakteure ab, weil die "zu nah dran" seien. Man denke: es gäbe eine Krise der SPD, aber dazu solle das Berliner Büro lieber schweigen, weil da Redakteure doch selber die Finger mit im Spiel hätten.

Jeder würde den Skandal spüren. Aber warum soll das beim Sportjournalismus anders sein? Es gibt nicht nur die Alternative Event-PR oder Schweigen, sondern es gibt auch: Sportjournalismus. Und wenn manche Redaktionen den erst wieder lernen müssen, dann sollte man in ARD und ZDF spätestens jetzt schleunigst damit anfangen.

Realismus statt Verdammnis. Zu einer journalistischen Haltung zum eigenen Gegenstand gehören Selbstkritik und Realismus. Der jähe Umschlag vom Heldenlob gestern zur Kreuzigung heute ist plump und absurd. Denn: Was ist Doping? Doping ist in der Regel eine von Sportverbänden oder von Sportverbänden im Dialog mit der Gesellschaft getroffene Vereinbarung, wie die Grenze zwischen einer "natürlichen", durch menschliche Möglichkeiten hervorgerufenen Leistung und einer "künstlichen" zu definieren sei. Das ist oft Verhandlungssache, Konvention oder einfach Übereinstimmung. Die simple Illusion, dass es zwischen schwarz und weiß kein grau geben würde, nur entweder Heldentum oder Betrug, hilft der rationalen Debatte über die Zukunft des Sports nicht weiter.

Unjournalistisch wäre es auch, plötzlich die Faszination, die von besonderer Leistung ausgeht, von der Willenskraft, doch noch den Berg zu bezwingen, von der Mannschaftsarbeit bei der Spurtvorbereitung oder beim langen Ausreißversuch zu leugnen. Beim Doping ist vieles in sich widersprüchlich. Das Gros der Sieger im Marathonlauf dürfte beim Skilanglauf wegen der jeweiligen Blutwerte nicht antreten. Tennisspieler werden bei Olympia anders getestet als beim Turnier von Wimbledon. Die Einnehmen von Kokain ist in manchen Profi-Sportarten üblich und sogar geduldet. Bei Olympia ist selbst beruhigendes Marihuana-Rauchen verboten. Als Medikament ist manches gestattet, was als Doping verboten ist.

Beim Endlauf einer durchschnittlichen deutschen Jugendmeisterschaft auf den Mittelstrecken ist deswegen etwa die Hälfte der Teilnehmer offiziell asthmakrank. Plötzlich gilt der Radsport als zutiefst unsauber, die mit dem Radsport am engsten verwandte Sportart, der Eisschnelllauf aber soll sauber sein? Natürlich sind Ärzte, die Doping verabreichen, zu verurteilen. Aber dies ist immer noch besser als weitere Fälle Birgit Dressel, Tom Simpson oder Knud Jensen. Es gab schon genug Tote - und das ist immer das schlimmste. Nein: Wir brauchen jetzt in der Berichterstattung nicht einen Populismus des Verdammens, sondern realistische Debatten über Leistung, Höchstleistung und die gewollte Rolle des Spitzensports in unserer Gesellschaft.

Wahrhaftigkeit der Mitarbeiter.

Was man allerdings - gerade als Gebührenzahler - schon verlangen kann: Aufrichtigkeit der journalistischen Akteure. Nun ist es üblich geworden, dass ehemalige Leistungssportler nach ihrer Karriere rasch ins journalistische Lager wechseln. Ihnen muss der Wechsel bewusst gemacht werden. Sie sind nicht länger einfach Lobbyisten ihres Verbandes, ihrer Sportart oder Kumpel der Sportler. Typisch ist ja zum Beispiel, dass Rolf Aldag, bevor er in die sportliche Leitung des Teams Telekom einstieg, ein Jahr lang als Experte der ARD agierte. Da hat er jedes Doping geleugnet, obwohl er es - wie wir heute gelernt haben - besser wusste.

Das ist auch eine Frage an den Sportjournalismus der ARD. Wer als Experte oder Journalist für ARD oder ZDF aktiv ist, also im Auftrag der Gesellschaft sendet, muss zuvor selber reinen Tisch gemacht haben. Mechanismen dafür müssen gefunden werden. Es kann eine Wahrheitskommission sein. Es geht um Glaubwürdigkeit, nicht darum, irgendwelchen Menschen die Existenzgrundlage zu rauben. Aber wenn Kristin Otto, die zigfache Schwimmweltrekordlerin im ZDF gequält die Doping-Nachrichten verliest, aber konsequent in der Haltung verharrt, sie selber sei allenfalls unbedarftes Opfer gewesen, dann bleibt da doch ein schaler Geschmack.

Wie gesagt: es soll nichts unterstellt werden, es soll niemandem nachträglich persönlich geschadet werden, aber mit den vielen ehemaligen Aktiven auf der Pay-Roll sitzen ARD und ZDF so sehr an der Quelle, dass da Wahrhaftigkeit zu fordern ist. Die Schwimmrekordlerinnen Kristin Otto und Franziska von Almsieck; die ehemaligen Eisschnellläuferinnen Franziska Schenk und Gunda Niemann-Stirnemann; die Radfahrer Marcel Wüst und Rolf Aldag; die Ski-Ausdauersportler Petra Behle, Peter Schlickenrieder und Sven Fischer - sie sollten jetzt die Gelegenheit ergreifen und ihren Redaktionen erzählen, was sie wissen bzw. energisch dazu aufgefordert werden, das zu tun. Jetzt nur mit dem Finger auf die Telekom-Radler zu zeigen - das ist eine Haltung, die sich die Sportredaktionen auf Dauer nicht werden leisten können.

Mal wieder ein ARD-"Brennpunkt"?

Es wäre mal wieder an der Zeit, einen kritischen ARD-Brennpunkt zum Thema Doping zu produzieren. Mit Hajo Seppelt hat die ARD ja einen Doping-Beauftragten, der sich auch redlich müht. Dieser "Brennpunkt" müsste natürlich eine selbstkritische Dimension haben - vielleicht auch schon mal die Finanzierung konkurrierende Boxställe durch Gebührengelder prophylaktisch ins Auge nehmen. Er müsste sich nicht nur mit dem Radsport beschäftigen. Auch die Manöver, mit denen es die neue Sportführung um Thomas Bach und Michael Vesper bisher geschafft hat, scharfe Gesetze gegen Doping zu verhindern, wären einer eingehenden Betrachtung wert.

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(