Reinhold Beckmann Ein Moderator sucht neue Wege


Reinhold Beckmann ist einer der bekanntesten deutschen Fernsehmoderatoren. Zu seinem 50. Geburtstag zieht er nicht nur Bilanz, sondern will sich auch weiterentwickeln - und das nicht nur im Fernsehstudio.

Der wohl wandlungsfähigste Moderator des deutschen Fernsehens wird 50: Reinhold Beckmann feiert am Donnerstag sein halbes Jahrhundert. Andere blicken an diesem Tag zurück und ziehen eine Zwischenbilanz. Nicht so Beckmann: Er denkt schon über neue Pläne nach, etwa eine völlig andere Art des Fußballkommentars. "Fußball ist bei uns eine humorfreie Zone. Warum nicht einmal andere Wege gehen? Etwa zwei Kommentatoren einsetzen, die bewusst Partei ergreifen. Das wäre neben der fachlichen Seite gute Unterhaltung. Ich würde das gerne versuchen", sagt er. Das ist Beckmann im Original: Nicht stehen bleiben, immer weiterlaufen, Neues ausprobieren.

Nachdem der Sportmoderator nach einer Verletzung das Joggen aufgeben musste, entdeckte er den Radsport und fährt Tagesetappen von 100 Kilometern oder mehr. Neben Johannes B. Kerner und Sabine Christiansen ist Beckmann einer der drei Könige der deutschen Talkshow. Doch während Kerner und Christiansen in Studios voller Publikum auftreten, hat sich Beckmann im Januar 1999 nach den ersten Sendungen anders entschieden: "Die Gäste sollen sich fühlen, als würden sie mit mir am Küchentisch sitzen." Beckmann sieht den Tisch vor sich nicht als etwas Trennendes, sondern als eine Verbindung zum Gast. Das zeigt auch seine typische Körperhaltung: eng an den Tisch gedrückt, den Oberkörper nach vorne über die Platte gebeugt, hin zum Gast. Ganz anders dagegen Konkurrent Kerner, der wie Beckmann mit seiner ZDF-Talkshow in Hamburg zuhause ist: Kerner sitzt weiter von den Gästen entfernt, hält Distanz.

Eine kurvenreiche Karriere

Der Weg zu einem der bekanntesten deutschen Talkmaster war für Beckmann kurvenreich: Der Mann aus einem kleinen Ort bei Bremen begann seine Karriere als Sportreporter in Köln beim WDR. Vorher hatte er Radio-, Fernseh- und Videotechniker gelernt, dann in Köln Germanistik und Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften studiert. Seine ersten Filmbeiträge drehte Beckmann 1983 für die "Aktuelle Stunde" des WDR. 1984 machte er eine Dokumentation über Heißluftballons für den traditionsreichen "Sportspiegel" des ZDF, 1986 bekam er die WDR-Sendung "Backstage" anvertraut. Außerdem kommentierte er Fußball, anderen Sport und gemeinsam mit Helge Schneider die "Off-Show" im dritten Programm des WDR.

Den großen Durchbruch brachte Beckmann der Siegeszug des Privatfernsehens: 1990 wurde er beim damals neuen Pay-TV-Kanal Premiere als Sportchef eingestellt. 1992 sicherte sich der Privatsender Sat.1 die Übertragungsrechte der Bundesliga und holte Beckmann als Sportchef. Er entwickelte und moderierte dort die Fußballsendung "ran", die wie ein Wirbelwind durch die Sportberichterstattung fegte: Liveschalten in die Stadien, schnelle Statistiken, rasante Berichte. "Beckmann hat aus Fußball eine Show gemacht", schrieb die "Bunte" damals. Anfang 1993 wurde der Sportchef wegen des Erfolgs zum Programmdirektor bei Sat 1 befördert. Doch nicht alles wurde zu Gold, was er anfasste: Die Talksendung "no sports" aus einem Kölner Großkino floppte nach wenigen Monaten. Außerdem wollte Beckmann als Programmdirektor nicht die meiste Zeit im Büro und in Konferenzen verbringen: "Für mich ist es immer wichtig, selbst aktiv Fernsehen zu machen", sagt er heute mit Blick auf den Schreibtisch-Job. 1998 kehrte Beckmann zurück zur ARD, wo er neben Jörg Pilawa der wohl profilierteste Moderator ist. Allerdings ließ er sich nicht anstellen, sondern gründete seine eigene Firma Beckground TV, mit der er seine Talksendung produziert. Insgesamt hat Beckmanns Firma inzwischen rund 20 Angestellte.

Moderator mit sozialem Engagement

Neben dem Fernsehgeschäft engagiert sich der TV-Moderator zusammen mit Pädagogen auch in dem von ihm mit gegründeten Verein Nestwerk e.V., der sich um Kinder und Jugendliche in sozial benachteiligten Hamburger Stadtteilen kümmert. Ab 2002 widmete sich Beckmann neben seiner Talkshow wieder mehr dem Sport, erst als Kommentator von Länder-, UEFA- und DFB-Pokalspielen, dann als Präsentator des ARD-Wochenendsports in der "Tagesschau". Im Jahr 2003 holte die ARD mit seiner Hilfe die Erstrechte an der Bundesliga zurück. Nach elf Jahren war die Fußball-Bundesliga damit wieder in der "Sportschau" zu Hause. Beckmann übernahm mit Gerhard Delling die Moderation. Vor dem 50. Geburtstag wollte der Moderator zunächst flüchten, erzählt er. "Aber dann dachte ich: Kneifen gilt nicht." Jetzt gibt es ein rauschendes Fest.

Claus-Peter Tiemann/AP AP

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