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RTL-Show "Mission Hollywood": Til Schweiger wird in den Nachmittag verbannt

RTL zieht die Reißleine und verlegt die Castingshow "Mission Hollywood" wegen schlechter Quoten kurzfristig ins Nachmittagsprogramm. Als Ersatz bringt der Kölner Sender nun eine andere Serie - allerdings nur in der Wiederholung.

Von Carsten Heidböhmer

Kritiker hatten an der RTL-Castingshow "Mission Hollywood" von Beginn an kein gutes Haar gelassen. Was jedoch schlimmer war: Die Zuschauer zeigten dem Format auch die kalte Schulter. Zuletzt erreichte die Serie nur noch 11,5 Prozent Zuschauer in der begehrten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen und lag damit deutlich unter dem Senderschnitt. Zu wenig für den Sender. Kurzerhand verlegte RTL die Show mit sofortiger Wirkung vom Montagabend auf den Samstagnachmittag. Von kommendem Montag, 20.15 Uhr, sind auf dem Sendeplatz Wiederholungen von "Rach, der Restauranttester" zu sehen. Die verbleibenden fünf Ausgaben von "Mission Hollywood" laufen ab dem 4. Juli an immer samstags um 15.45 Uhr.

RTL-Unterhaltungschef Tom Sänger sagte zur Begründung: "Es ist eine qualitativ hochwertige Produktion und Til Schweiger macht einen hervorragenden Job, doch 'Mission Hollywood' hat leider keine breite Zuschauerschaft angesprochen." Als Begründung für den ausbleibenden Erfolg sagte Sänger, der Markt zeige, "dass es Neustarts derzeit bei allen Sendern sehr schwer haben und die Zuschauer vor allem auf Bewährtes setzen."

Doch so einfach ist es hier nicht. Erfolgreich eingeführte neue Serien wie "The Mentalist" auf Sat.1 oder die Vox-Serie "Life" zeigen, dass die Zuschauer durchaus neue Formate annehmen - wenn sie denn gut gemacht sind. Und daran haperte es offenbar bei "Mission Hollywood". Die Reihe, in der sich mehrere junge Frauen für eine Rolle in der Fortsetzung des Films "Twilight - Bis(s) zum Morgengrauen" bewerben, war ursprünglich als Schauspieler-Casting gedacht. Doch besonders facettenreich waren die Aufgaben nicht. Immer wieder mussten die Bewerberinnen erotische Szenen nachspielen: Mal den vorgetäuschten Orgasmus aus "Harry & Sally", dann Kim Basingers Striptease aus "9 ½ Wochen", oder aber Tanzszenen aus "Dirty Dancing". "Sex für Quote - das ist alles", fasste Kim Moke, künstlerische Leiterin der Hamburger Stage School of Music, Dance and Drama, das künstlerische Konzept der Sendung zusammen.

"'Nathan der Weise' oder 'Faust' ist nun mal nicht das, was der RTL-Zuschauer sehen will", sagte eine Sendersprecherin zu den Vorwürfen der einseitigen Rollenauswahl. Doch die immer neuen erotischen Szenen wollte der Zuschauer offenbar auch nicht. Dass "Mission Hollywood" künftig weiterhin gnadenlos auf Sex setzen wird, ist daher unwahrscheinlich. Nach Senderangaben sind für die nächste Woche ohnehin ganz andere Filmszenen geplant.

Dass Til Schweiger seine Mädels künftig gute alte Schulklassiker à la "Nathan der Weise" nachspielen lässt - so weit wird es aber nicht kommen.