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Schlag den Raab: Kieferchirurgin besiegt den Raabinator

Stefan Raab wurde zum ersten Mal von einer Frau geschlagen. Kandidatin Maria Kleinebrahm zeigte zwar eine durchwachsene Leistung, schnipste sich am Ende aber beim Spiel "Flohhüpfen" gekonnt zum Sieg.

Von Andrea Zschocher

Maria Kleinebrahm springt vor Freude fast an die Decke, als sie das vorletzte Spiel "Leitergolf" gewinnt

Maria Kleinebrahm springt vor Freude fast an die Decke, als sie das vorletzte Spiel "Leitergolf" gewinnt

Da glaubt man in dieser Show schon alles gesehen zu haben und dann wartet die 52. Ausgabe von "Schlag den Raab" mit einer Überraschung auf. Zum ersten Mal in der Geschichte der Sendung gewinnt eine Frau gegen den Moderator. Für ihren Sieg kassiert Maria Kleinebrahm, ganz nebenbei, auch noch 1,5 Millionen Euro Siegprämie.

Überraschendes Ende von "Schlag den Raab"

Über weite Strecken sah es während der fünfstündigen Livesendung nach dem altbekannten Ende aus. Die Kandidatin gewinnt ein, zwei Spiele, oft die mit niedriger Punktzahl am Anfang der Show, und Stefan Raab räumt das Feld dann von hinten auf. Diesmal aber war das anders. Die 27-Jährige Maria, Ärztin aus Hannover, gewann erst das dritte Spiel, als es darum ging Umzugskartons in einer Tonne zu entsorgen. Raab frotzelte frech "Ja, da sind Frauen einfach besser". Die junge Frau parierte nicht, was soll man darauf auch antworten.

Maria ließ sich von Raab sonst aber häufig aus dem Konzept bringen, wirkte schnell lustlos und vergab dadurch wertvolle Punkte. So ließ sie sich beim Fußballspiel "Freistoß" von mangelnder Technik entmutigen, beim Spiel "Sortieren" hörte sie nicht richtig zu. Das kostete sie wertvolle Punkte und verhalf Raab zum Ausbau der Führung. Die Nerven an einem solchen Abend sind vermutlich dünn, die Frau spielte immerhin um eine große Geldsumme und ein bisschen auch um die Ehre der Frauen. Denn niemand im Studio wurde müde zu betonen, dass die Bilanz vernichtend sei. Stefan Raab hätte noch jede Frau, die hier um den Sieg kämpfte, geschlagen. Und natürlich wollte Maria das ändern.

Aufwendige Spiele ohne Sport

Die Spiele waren diesmal nicht besonders aufsehenerregend, da hatten vergangene Shows deutlich mehr zu bieten. Aber sie waren anspruchsvoller. So mussten die Kandidaten bei "Sätze bauen" Sätze lesen und anschließend auswendig blind wiederholen. Gewonnen hatte Raab, aber nur, weil Maria öfter buzzerte, dann aber nicht fehlerfrei die Sätze referieren konnte. Größenwahn, der Stefan Raab sicher nicht fremd ist. Bei "Wo liegt was" konnte die Ärztin keinen einzigen Punkt ergattern, Raabs Geografiewissen war beeindruckend. Hovertrax, ein futuristisch anmutendes Gerät mit dem die zwei Kontrahenten einen Parcour abfahren sollten, gewann Maria bravourös, auch, weil sie mutiger war als Raab. Der zögerte, aus Angst vor Verletzungen.

"Das ist ja lebensgefährlich", kommentierte er seine Bekanntschaft mit dem Hovertrax. Daran zeigt sich auch, dass die Show endlich sein wird. Mit Mitte, Ende 50 wird auch ein Stefan Raab sich nicht mehr mit halb so alten Kandidaten messen können. Schon jetzt wird in den Vorstellungsrunden immer deutlicher, dass alle Kontrahenten dem 48-Jährigen sportlich haushoch überlegen sind. Und auch wenn Kommentator Frank Buschmann nicht müde wurde zu betonen, dass Raab mental immer stärker als seine Konkurrenten war, Sport ist Teil der Show. Entweder die Spiele bei "Schlag den Raab" passen sich dem Alter des Entertainers an oder es wird die Show irgendwann nicht mehr geben.

Zum Sieg geschnipst

Kandidatin Maria gewann diesen Abend vor allem durch Glück. Denn das alles entscheidende Spiel, das fünfzehnte des Abends, war "Flohhüpfen". Ein Kinderspiel, bei dem es darum ging mit einem Plättchen ein kleineres Plättchen in ein Ziel zu schnipsen. In der Sekunde, in der Raab Moderator Steven Gätjen noch fragte "Wenn sie jetzt trifft, dann ist es vorbei? Dann hat sie gewonnen?", traf die 27-Jährige. Sie besiegte den Raabinator, sie gewann als erste Frau "Schlag den Raab" und ließ sich das mit einer Siegprämie von 1,5 Millionen Euro versüßen.

Durchaus kein schlechter Schnitt für einen Abend, an dem sie auch oft auf die Unterstützung von Steven Gätjen und Frank Buschmann angewiesen war. Denn die beiden fungierten als eine Art Mentalcoach für die junge Frau, die, das war deutlich zu sehen, allzu oft bereit war, sich von ihren Gefühlen übermannen zu lassen. "Sie nimmt es nicht so ernst", brachte es Buschmann auf den Punkt. Erst ganz am Ende flammte ein Siegeswille auf. Das war bei Spiel 14, als sowohl Gätjen als auch Buschmann an sie appellierten, das Spiel nicht verloren zu geben. Sie berappelte sich und gewann "Leitergolf", ein Spiel, das für Stefan Raab bereits das Matchballspiel war.

Gewinnen ist Glückssache

Gekämpft haben beide, aber Raab hatte oft den deutlich längeren Atem. Der Mann kann sich unfassbar ärgern über einen vergebenen Punkt, besitzt aber die geistige Stärke sich sofort wieder zu beherrschen um die nächste anstehende Aufgabe zu meistern. Nicht so die junge Ärztin. Sie brauchte lange um aus einem Tief wieder herauszukommen.

Frank Buschmann attestierte der 27-Jährigen auch ein zu weiches Herz. "Sie ist so lieb, sie ist so nett, sie ist so freundlich." Das seien alles tolle Eigenschaften, mit der sich eine Show wie "Schlag den Raab" aber nicht gewinnen lasse. Beim Spiel "Tischtennis" traf die Kandidatin Raab mit dem Ball am Bein und entschuldigte sich ausführlich. Das wäre Stefan Raab nie über die Lippen gekommen, außer, er hätte eine klaffende Wunde verursacht. "Nicht entschuldigen, genießen", war daher auch der Tipp von Buschmann.

Egal. Alles vergeben. Denn sie hat es geschafft. Sie hat den Bann gebrochen, sie hat gezeigt, dass eine Frau sehr wohl den Raabinator schlagen kann. Hat sie mit Glück gewonnen? Vielleicht. Aber das hat Stefan Raab auch oft genug.