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Siebte Staffel "Germany's next Topmodel": Klums Kampf gegen die Flaute

Es steht schlecht um Heidi Klum und ihre Castingshow "Germany's next Topmodel": Die Ehe ist kaputt, das Interesse am Demütigungs-TV sinkt, die Konkurrenz muckt auf. Hat das Format überhaupt noch eine Chance?

Von Katharina Miklis

Man muss schon genau hinsehen. Wenn heute Abend die erste Folge der neuen Staffel von "Germany's next Topmodel" auf ProSieben läuft, ist Seal nur ganz kurz im Hintergrund zu sehen. Seinen großen Auftritt hat ProSieben nach der Trennung des Sängers von Heidi Klum rausgeschnitten. Schließlich soll kein Makel die schöne Welt des Scheins trüben, um die es in der Castingshow für Models schließlich geht.

Dabei ist das Liebesleben der Protagonistin wohl das kleinste Problem des Senders. Es steht nicht gut um die Modelshow, die vor sechs Jahren erstmals in Deutschland produziert wurde und zunächst verlässliche Quoten einfuhr. Nicht nur im Privatleben des Topmodels aus Bergisch-Gladbach sieht es nicht mehr rosig aus. Heidi Klum hat Konkurrenz gekommen: Eva Padberg und Karolina Kurkova präsentieren auf Vox seit einigen Wochen das Konkurrenzprogramm "Das perfekte Model", das Klums Show bis aufs Haar gleicht. Das ist zwar ein billiger Abklatsch vom Original, die schwachen Quoten lassen jedoch die Vermutung zu, dass das Interesse am Demütigungs-TV im Allgemeinen nachgelassen hat.

Deutschland wird castingmüde

Diese Entwicklung musste man in den vergangenen Jahren auch beim Original auf ProSieben beobachten. Die Quoten von Klums Castingshow enttäuschten in den vergangenen zwei Staffeln und sanken auf das Niveau der Premierenstaffel im Jahr 2006. Mit einem Marktanteil von 10,3 Prozent hatte das Format 2011 eher Mager- als Topmodel-Niveau.

Woran liegt das? Hat Deutschland die Überdosis klumschen Frohsinns satt? Oder wird Deutschland etwa doch noch castingmüde? "X-Factor", "Deutschland sucht den Superstar", "Unser Star für Baku" - alle Formate hatten zuletzt Verluste bei den Zuschauerzahlen zu verzeichnen.

Und dann ist da noch die Kritik an dem Format, die nicht abebbt: Unter anderem, dass auf die Gewinnerinnen der Show eh nicht die große Karriere wartet. Regelmäßig werden die Verträge, die die "Topmodel"-Agentur "OneEins" gemeinsam mit der ProSieben-Agentur "Redseven Artists" mit den Kandidatinnen abschließt, kritisiert und als Knebelverträge bezeichnet. Die Gewinnerin der letzten Staffel, Jana Beller, flog im vergangenen Jahr raus, weil sie sich dagegen sträubte, bei Pferderennen und Autohaus-Eröffnungen verheizt zu werden. Es war das erste Mal, dass sich eine Gewinnerin gegen das Imperium derart auflehnte, an dessen Spitze Papa Klum thront. Die Agentur mokierte sich über die fehlende Professionalität des Nachwuchsmodels. Die Resistenz hat jedoch Spuren hinterlassen: Mit neuen Verträgen will der Sender auf die "unberechtigte Kritik an Heidi" reagieren, die bei "GNTM" als Moderatorin und Co-Produzentin fungiert. In der siebten Staffel bekommen die Finalistinnen nun einen Zweijahresvertrag, der dem Nachwuchsmodel für diesen Zeitraum ein festes, monatliches Einkommen sichern soll.

Eine weitere Änderung in der neuen Staffel ist die Heidi-Cam, mit der sich die Modelrekrutin selbst filmen und noch mehr darauf konzentrieren wird, um was es in der Show eigentlich geht: sie selbst.

ProSieben hält an Heidi Klum fest

Bei ProSieben in München gibt man sich dieser Tage wortkarg. Die Konkurrenz auf Vox, der Quotendruck - dies alles sind Dinge, zu denen man sich nicht äußern möchte. Ohnehin hat der Sender gerade genug Stress mit dem Weggang von ProSiebenSat.1-Fernsehchef Andreas Bartl, der auf den Quotendruck reagierte und nun den Hut nahm. Ein Sprecher übt sich bezüglich "GNTM" dennoch in Gelassenheit: Für das kommende Jahr sei bereits die achte Staffel von "Germany's next Topmodel" geplant, versichert er. Und zwar – allen Gerüchten zum Trotz – mit Heidi Klum. Das manchmal jedoch alles anders kommt, als geplant, hat nicht zuletzt die unerwartete Trennung von Heidi und Seal gezeigt.