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"Tatort"-Check: Uff. Dieser Abschied fällt leicht

Schluss mit Klara Blum am Bodensee: Im letzten "Tatort" aus Konstanz zeigt der Krimi leider wieder all seine Schwächen. Da können selbst Fassbinders Musen nichts retten.

Tatort

Abschied vom Bodensee: Kommissarin Klara Blum (Eva Mattes) ermittelt in ihrem letzten Fall

Worum geht's?

Gute Frage. Eigentlich um einen ermordeten Neonazi-Prediger und Flüchtlingshasser. Dann aber wieder um einen Textil-Hersteller, der unter lebensbedrohlichen Bedingungen in Bangladesh produzieren lässt und gleichzeitig den herzensguten Clown für behinderte Kinder gibt. In der Schweiz will Kommissar Lüthi (Roland Koch) außerdem den Mord an einem Anlagebetrüger aufklären. (Eva Mattes) hat derweil eine Lebenskrise, drei weise Kräuterhexen treiben ihr Unwesen und Kommissar Perlmann (Sebastian Bezzel) darf minutenlang als Voyeur eine schöne Witwe beglotzen. Es ist der letzte Fall aus Konstanz nach 14 Jahren.

Warum lohnt sich der "Tatort"?

Für ein Wiedersehen mit drei der Musen des renommierten Regisseurs Rainer Werner Fassbinder: Die großen Schauspielerinnen Hanna Schygulla, Irm Hermann und Margit Carstensen - alle mittlerweile über 70 - sorgen für Atmosphäre und etwas Charme im ansonsten drögen Krimi.

Was stört?

Klara Blum war immer eine sperrige Kommissarin, die es dem Zuschauer nicht leicht machte, sie zu mögen. Gleiches gilt für ihren Kollegen Perlmann. Früher rieben sich die beiden in politischen Diskussionen, heute feinden sie sich meist ohne ersichtlichen Grund an - was beim Publikum die Nerven strapaziert. Zu oft gaben sich die Konstanzer keine Mühe, den Zuschauer abzuholen. Dabei gab es Ausnahmen, wie etwa die großartige Folge "Rebecca" von diesem Jahr. In "Wofür es sich zu leben lohnt" kommen noch handwerkliche Fehler hinzu: Es gibt viel zu viele Nebenschauplätze und Storys - aber keine von ihnen wird richtig verfolgt. Manche Szenen scheinen nachträglich speziell für die Gaststars geschrieben worden zu sein, bringen die Handlung aber nicht voran. Insgesamt ist der Krimi schlicht nicht spannend genug, um als Zuschauer am Ball zu bleiben. Schade.

Ein- oder ausschalten?

Wer aus Nostalgie-Gründen einschalten und sich vom Bodensee-Krimi verabschieden möchte - bitte! Aber sagen Sie nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt. Lieber stattdessen nochmal einen alten Fassbinder-Film vorkramen - die Zeit wäre besser investiert. Sorry , aber dieser Abschied fällt leicht.

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo