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"Polizeiruf 110": "Die Leiche liegt in der Gurke" - so wird der Sonntagskrimi

Vernachlässigung, Überforderung, traurige Zustände: Im "Polizeiruf 110" ermittelt Matthias Brandt alias Kommissar Meuffels diesen Sonntag im Altenheim. Leider will der Krimi nicht richtig zünden.

Polizeiruf

Claus Grübner (Ernst Jacobi) und Kommissar Hanns von Meuffels (Matthias Brandt).

Worum geht's?

Eigentlich hat Kommissar Meuffels (Matthias Brandt) schon Feierabend, doch als die verwirrte alte Dame Elisabeth Strauß (Elisabeth Schwarz) im Kommissariat auftaucht und von einem Mord berichtet, nimmt er sich ihr an. Tatsächlich ist in dem Münchner Altenheim, in dem Strauß lebt, gerade ein Mann verstorben. Schnell merkt Meuffels, dass er den Worten seiner Zeugin Glauben schenken kann. Doch Bewohner und Pfleger scheinen etwas zu verbergen.

Warum lohnt sich dieser "Polizeiruf"?

Weil das Grauen echt wirkt: Der Krimi spielt sich innerhalb einer einzigen Nacht in den beengenden Räumen des Altenheims ab, in dem die Bewohner ihre Zimmer nur noch anhand der Obst- und Gemüsebilder an der Tür erkennen. "Die Leiche liegt in der Gurke", heißt es da zum Beispiel lapidar. "Nachtdienst" zeigt die fatalen Folgen des Pflegenotstands in Deutschland und schafft vor allem zu Beginn eine beklemmende Atmosphäre. "Tot ist tot - warum soll ich mir den noch genauer ansehen?", schnauzt ein überforderter Pfleger den Kommissar an. Bitter, dass so das Ende vieler Menschen in Pflegeheimen aussehen könnte.

Was nervt?

Leider ist das Tempo auf Dauer zu langsam und die Charaktere sind nicht fesselnd genug, sodass der titelgebende Nachtdienst nicht nur für die Pfleger, sondern auch für den Zuschauer quälend lang erscheint. Sehr ärgerlich außerdem, dass der Krimi lediglich drei Frauenfiguren beinhaltet, die allesamt extrem wenig zu tun bekommen und höchstens den Kommissar anschmachten dürfen. Zwei von den drei dargestellten Pflegern im Altenheim sind männlich - ein Schnitt, der hart an der Realität vorbei geht. 2015 waren 85 Prozent aller sozialversicherungspflichtig beschäftigten Altenpfleger in Deutschland weiblich. Umso irritierender, dass das Drehbuch mit Ariela Bogenberger und Astrid Ströher von zwei Frauen geschrieben wurde. 

Der Kommissar?

Nur, weil Meuffels nicht locker lässt und der Demenz-kranken Dame glaubt, geraten die Ereignisse im Altenheim erst ins Rollen. Er gibt das Arbeitstier, das sich im Gegensatz zu den Kollegen die Nacht um die Ohren schlägt, um den Täter zu finden. Auch den Pflegern gegenüber tritt er moralisch überlegen auf: "Lassen Sie Ihre Leute immer alleine beim Sterben?", fragt er zum Beispiel - und bekommt prompt angeboten, mitanzupacken und Erbrochenes aufzuwischen. Brandt spielt Meuffels wie immer stark und mit vielen Nuancen.

Einschalten oder ausschalten?

Ausschalten. Selbst die sich überschlagenden Ereignisse in den letzten zehn Minuten können den langwierigen Rest nicht aufwiegen. Schade.

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