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"Polizeiruf 110" aus Frankfurt (Oder) Ein neuer Sheriff ist in der Stadt: Vincent Ross' Debüt mit Schottenrock und Kajal

"Polizeiruf 110" aus Frankfurt (Oder)
Bei ihrer ersten Begegnung wissen Kriminalhauptkommissar Adam Raczek (Lucas Gregorowicz, r.) und Kommissaranwärter Vincent Ross (André Kaczmarczyk, l.) noch nicht, dass sie künftig als Kollegen zusammenarbeiten werden.
© rbb/Hans-Joachim Pfeiffer / ARD
Dieser Ermittler ist erfrischend anders: Vincent Ross trägt einen Rock, schminkt sich und schert sich einen Dreck um Geschlechterrollen. In seinem ersten "Polizeiruf"-Einsatz bekommt es der junge Mann mit einem blutigen Erbschaftsstreit zu tun.
  • 3 von 5 Punkten
  • Einen solchen Ermittler gab's im Sonntagskrimi bislang noch nicht: Der erste Fall des mit Geschlechterrollen spielenden Vincent Ross (André Kaczmarczyk) lohnt sich, lässt aber noch Luft nach oben.

Worum geht's?

Den Einstieg in seinen neuen Job hatte sich Kommissaranwärter Vincent Ross (André Kaczmarczyk) sicher anders vorgestellt: Noch vor seinem ersten Arbeitstag wird er in eine Mordermittlung verwickelt. Über seiner neuen Wohnung in Slubice wird ein junger Mann ermordet. Kommissar Adam Raczek (Lucas Gregorowicz) staunt nicht schlecht, als sich der mit Kajal geschminkte Hausbewohner im karierten Rock als sein neuer Kollege entpuppt.

In ihrem ersten gemeinsamen Mordfall deutet vieles auf einen Erbschaftsstreit hin: Hilde Grutzke, die Großmutter des Toten, verwahrt in ihrem Haus gewaltige Summe an Bargeld in Tüten. Ihr Sohn Ulf wohnt auf der Straße, die Enkelin Emma, Schwester des Mordopfers, hat sich in eine Traumwelt geflüchtet. Die beiden Ermittler vermuten den Täter in der Familie.

Warum lohnt sich dieser "Polizeiruf 110"?

Einige Zuschauer werden sicherlich schäumen und empört "Gender-Gaga" rufen. Doch im Jahr 2022 sollte ein Ermittler, der die starren Geschlechterrollen aufbricht und mit Klischees spielt, längst eine Selbstverständlichkeit sein. Dass es so lange dauern musste wirft kein gutes Licht auf das öffentlich-rechtliche Fernsehen, das noch immer viel zu oft davon getrieben ist, es allen recht zu machen und niemanden vor den Kopf zu stoßen. Umso größer der Verdienst des RBB, sich endlich der Gegenwart zu stellen.

Was stört?

Der eigentliche Fall ist nicht besonders raffiniert: Die Ermittler klappern immer wieder die gleichen Orte ab, befragen die gleichen Personen aufs Neue. Das dabei sichtbar werdende menschliche und soziale Elend ist auf Dauer etwas ermüdend. 

Die Kommissare?

Verschiedener könnten sie nicht sein: Adam Raczek ist ein Macho der alten Schule, der sich Gefühle unter seiner harten Schale nicht eingestehen will und lieber auf Verdrängung setzt. Vincent Ross erkennt die Defizite bei seinem älteren Kollegen sofort. Liebe auf den ersten Blick ist es nicht - aber die beiden Herren raufen sich erstaunlich schnell zusammen. Da könnte eine wunderbare Freundschaft entstehen.

Ein- oder ausschalten?

Auch wenn der Fall nicht restlos überzeugt: Hier feiert ein spannender Ermittler sein Debüt - das sollten Sie nicht verpassen.

Adam Raczek ermittelte zuletzt in diesen Fällen:


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