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"Tatort" aus München Von Dolce Vita keine Spur - das miese Leben der Mafia

"Tatort" heute aus München
Im zweiten Teil der "Tatort"-Folge "In der Familie" reist der Dortmunder Kommissar Peter Faber (Jörg Hartmann, l.) nach München und unterstützt die Kollegen Batic und Leitmayr (Udo Wachtveitl, r.) bei ihren Ermittlungen gegen die Mafia.
© BR/WDR/X Filme Creative / ARD
Im zweiten Teil der "Tatort"-Doppelfolge "In der Familie" reist der Dortmunder Kommissar Peter Faber nach München. Dort sind zwei Mafia-Killer untergetaucht und fristen ein trostloses Leben.
  • 3 von 5 Punkten
  • War der erste Teil dieser Doppelfolge schon düster, so muss man die zweite Hälfte als depressiv bezeichnen. Das muss man aushalten können.

Worum geht's?

Die Folge schließt unmittelbar an den "Tatort" von vergangener Woche an: Restaurantbesitzer Luca (Beniamino Brogi) und seine Tochter Sofia Modica (Emma Preisendanz) sowie Mafia-Killer Pippo Mauro (Emiliano De Martinon) sind mittlerweile in München untergetaucht. Eigentlich wollen sie weiter nach Kalabrien, doch zunächst müssen die drei für den Mafia-Paten Domenico Palladio kriminelle Handlangerdienste ableisten. Dass ihr Vater ihre Mutter getötet hat, weiß Sofia nicht. Heimlich versucht sie, bei ihr anzurufen - und ruft damit den Dortmunder Ermittler Peter Faber (Jörg Hartmann) auf den Plan, der auf eigene Faust nach München reist.

Warum lohnt dieser "Tatort"?

Filme wie "Der Pate" oder "Goodfellas" zeichnen ein romantisches Bild von der Mafia. Zwar werden die Mafiosi als Ganoven dargestellt, die aber ein glamouröses Leben führen, einen strikten Ehrenkodex haben und immer gut für ihre Familien sorgen. Gegen die Glorifizierung dieser Verbrecherorganisation schreibt der Italiener Roberto Saviano seit vielen Jahren an. Auch dieser "Tatort" zeichnet ein anderes Bild von der Mafia: Als einen miesen Trupp von Kriminellen, der mit ständiger Einschüchterung arbeitet und auch den eigenen Mitgliedern das Leben zur Hölle macht.

Was stört?

So ehrenwert das Ansinnen dieses "Tatorts" ist: Das (erfundene) dramatische Leben der Corleones ergibt einen deutlich unterhaltsameren Filmstoff als die triste Realität der italienischen Mafiosi in Deutschland, die in dunklen Spelunken hocken und die immer gleichen miesen Erpressernummern abziehen. Dolce Vita sucht man hier vergebens. Das wird nicht jedem Zuschauer schmecken. 

Die Kommissare?

Peter Faber ist den Weg nach München allein angetreten, und ermittelt ohne Rückendeckung seines Kommissariats. Das stößt bei den Münchner Kollegen verständlicherweise auf wenig Sympathie. Doch dann raufen sie sich für die Ermittlungen zusammen.

Ein- oder Ausschalten?

Dass dieser "Tatort" die Mafia entglorifiziert ist verdienstvoll. Besinnliche Adventsstimmung mag angesichts der kriminellen Tristesse allerdings nicht aufkommen.

Lesen Sie hier die Kritik des ersten Teils von "Tatort: In der Familie"


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