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"Tatort"-Kritik: Zwei Entführungen und ein Krisenfall

"Keine Polizei", fordern Entführer und Erpresser meist. Das Kölner Ermittlerduo Ballauf und Schenk mischt sich in dieser "Tatort"-Wiederholung trotzdem ein und klärt gleich zwei Verbrechen auf einmal.

Von Dieter Hoß

Wann hat das eigentlich angefangen? Wohl bei jenem schicksalhaften "Klassentreffen" im Januar 2010, als der WDR die Kölner "Tatort"-Kommissare ins Ruhrgebiet schickte, um die damalige Kulturhauptstadt in Szene zu setzen. (Sie wissen schon: Kein Thema der Zeit, das der "Tatort" nicht aufgreift). Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) wurde damals mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert – inklusive der oft schmerzlichen Frage: "Was ist aus Dir geworden?" Seither ist der Kölner Kommissar für alle sichtbar in der Krise. Er hat verstanden, dass er viel mehr als seinen Job und seine engsten Kollegen im Leben nicht hat, und Partner Freddy Schenk schmiert ihm das allzu gern und allzu oft aufs Butterbrot. Er meint es sicher nur gut.

Noch ist es zu früh, einen Bruch des beliebten Kölner Ermittlerduos zu befürchten. Noch ist nicht genug passiert. Doch die Möglichkeit, dass es einmal soweit kommen könnte, schimmert doch langsam aber sicher am meist trüben Horizont der Domstadt. Auch der Fall in dieser Wiederholung vom Januar 2012 wurde von diesem Widerpart geprägt. Dort Ballauf, einsam und verdruckst, unfassbar hölzern im Umgang mit umworbenen Frauen - in Gestalt der von Juliane Köhler gespielten Polizeipsychologin ("Du bist ja keine Frau, Du bist ja 'ne Kollegin") - und als Ermittler in seinen Methoden und Schlussfolgerungen immer wieder haarscharf neben der heißen Spur. Hier Schenk, als junger Opa mit beiden Beinen mitten im Leben, zwischen zwei Ermittlungsgängen stets fähig, mal eben die Einkäufe zu erledigen, und dennoch in der Lage, selbst aus geringsten Hinweisen hellwach Ideen zu entwickeln, um den Tätern auf die Schliche zu kommen. Aus der klassischen Paarung "Good Cop/Bad Cop" wird hier "Schussel-Bulle/Durchblicker-Bulle".

"Ich hab' sie!"

Seinen Höhepunkt hatte dieses Motiv, als Schenk dem großen Showdown eigenmächtig fern bleibt, auf eigene Faust den Fall löst und dann seinen Partner mit einem einfachen Anruf einmal mehr schlecht aussehen lässt: "Was immer du da tust, blas' es ab und komm' hierher. Ich hab' sie!" Schenk – von Dietmar Bär wie meistens süffig gespielt – hält die Fäden in einem "Tatort" in der Hand, der trotz prominenter und gutklassiger Besetzung (Thomas Heinze, Katharina Wackernagel, Ulrike Grote) lange blutleer bleibt. Erst allmählich, beinahe zu spät, entwickelt "Keine Polizei", so der Titel der Wiederholung, seine vielleicht nicht wirklich spannenden, aber doch ungewöhnlichen Wendungen.

Im Kern geht es um zwei Entführungsfälle – einen aktuellen und einen einige Jahre zurückliegenden. Diese verlaufen derart nach gleichem Muster, dass ein Zufall ausgeschlossen ist. Sind also dieselben Täter am Werk? Im Laufe ihrer Ermittlungen schaffen es Schenk und Ballauf, die Kidnapper des alten Falls, in den die Polizei seinerzeit nicht eingeschaltet worden war, zu überführen. Das bedeutet aber gleichzeitig: Diese können nicht auch hinter der neuen Entführung stecken. Natürlich ist es Schenk, der die entscheidende Idee hat: Außer den Tätern kann nur das damalige Opfer die genauen Einzelheiten des Tathergangs kennen.

"Einmal nicht die Opfer sein ..."

Und so ist es auch: Elmar Schmitz-Thom (Oliver Bröcker), seit seiner eigenen Entführung psychisch gebrochen und durch die Zahlung des Lösegelds finanziell am Ende, steckt hinter der aktuellen Verschleppung. Das Motiv: Rache an dem einstigen beruflichen Konkurrenten Markus Wächter (Thomas Heinze). Dieser hatte beim Verkauf von Schmitz-Thoms Betrieb, mit dem seinerzeit das Lösegeld aufgebracht werden sollte, immer wieder den Preis gedrückt und die Familie so ruiniert. Nun wollten die Thoms mit gleicher Münze zurückzahlen und sich gleichzeitig sanieren. "Einmal nicht die Opfer sein ..." Dass der Entführte, Wächters Sohn Daniel (Janusz Kocaj), fliehen kann und dabei zu Tode stürzt, war nicht geplant.

Auch diesmal gibt es also kein Schwarz-weiß, auch diesmal zeigt jeder seine dunkle Seite. Dass die Zweischneidigkeit der Charaktere, die aufgesetzten Masken, die quälenden Zwangslagen glaubhaft und nachvollziehbar dargestellt werden, ist in den "Tatorten" allerdings längst keine Selbstverständlichkeit. Es darf daher Autor Norbert Ehry, Regisseur Kaspar Heidelbach und nicht zuletzt den Darstellern positiv angerechnet werden. Glaubwürdig macht die Geschichte zudem, dass auch der Einsatz der Polizei längst nicht jeden Entführungsfall zu einem guten Ende wendet.

Ballauf ein Burn-out-Kandidat?

Und Ballauf? Welches Ende es mit dem Kommissar in der Krise nimmt, muss sich zeigen. Die übliche Abschlussszene an der schon legendären Wurstbraterei scheint nur noch für ihn ein Highlight zu sein. Während Max seine Currywurst hastig und freudig genießt, kommt Freddy nur "auf eine schnelle Wurst" vorbei. Assistentin Franziska scheint eh außen vor und die umworbene Polizeipsychologin sucht lieber wortlos das Weite. "Deine Lebensweisheiten haben sie wohl verschreckt", stichelt Schenk. Im wahren Leben würde man vermuten, dass Ballauf auf ein ausgewachsenes Burn-out zusteuert. Das hier ist allerdings nur Fernsehen. Obwohl, Sie wissen schon: Kein Thema der Zeit, das der "Tatort" nicht aufgreift.

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo