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Krimi-Check: Brutal, böse, großartig: So wird der "Tatort" aus Bremen

Starker "Tatort" aus Bremen: Ein Psychopath macht mit einem Killer-Auto Jagd auf junge Männer. Die Kommissare Lürsen und Stedefreund haben schnell einen Verdächtigen - und der ist richtig unheimlich.

Tatort

Inga Lürsen (Sabine Postel) ist sich sicher, dass Kristian Friedland (Moritz Führmann) der Täter ist. Doch die Indizien reichen nicht aus.

Worum geht's?

Bei diesem Anblick kann selbst der Gerichtsmediziner das Mittagessen nicht mehr bei sich behalten: Ein Serienmörder tötet in Bremen junge Männer. Die Tatwaffe ist besonders abartig, denn die Opfer werden mehrmals kaltblütig mit einem Auto überfahren. Am ersten Tatort finden die Kommissare Lürsen (Sabine Postel) und Stedefreund (Oliver Mommsen) das Handy von Kristian Friedland (Moritz Führmann). Der Mann verhält sich seltsam und ist außerdem vorbestraft - hat allerdings ein Alibi. Als die Polizei beginnt, in Friedlands Umfeld zu ermitteln, stoßen sie auf Schweigen und Ablehnung. Vor allem Friedlands Eltern (Angela Roy und Rainer Bock) scheinen etwas zu verbergen.

Warum lohnt sich der Krimi?

Allein die Anfangsszene, in der ein Auto zu einem Tocotronic-Song von Blut sauber gewaschen wird, bleibt lange im Gedächtnis. "Nachtsicht" ist düster, unheimlich, brutal - und richtig gut. Es sind vor allem die Details, die den Krimi stark machen, etwa das perfekt zur Mordwaffe umfunktionierte Auto inklusive eines Sichtfensters im Boden - damit der Täter seinem Opfer beim Sterben zusehen kann. Dieser "Tatort" geht nicht nach dem üblichen Ermittlungs-Schema vor, sondern funktioniert als Psycho-Drama, das den Zuschauer auch dank der starken Schauspieler fesselt. Das Drehbuch stammt von Stefanie Veith und Matthias Tuchmann - letzterer war auch schon für den preisgekrönten Schweighöfer-"Tatort" mit dem Titel "Weil sie böse sind" mitverantwortlich. Leider starb er im vergangenen Dezember im Alter von nur 42 Jahren.

Was nervt?

Nicht viel. Ein bisschen verliert der Krimi gegen Ende an Spannung, aber die beklemmende Atmosphäre hält den Zuschauer in ihrem Bann.

Die Kommissare?

Machen den Zuschauern den Abschied nicht leicht. Postel und Mommsen werden nach über 20 Jahren der Krimireihe den Rücken kehren, die letzte Folge mit ihnen ist für 2019 geplant. Schade, denn in "Nachtsicht" beweisen sie wieder, dass sie ein eingespieltes Team sind: unaufdringlich, souverän und unterhaltsam. Schön auch, dass sie sich hauptsächlich auf die Ermittlungen konzentrieren - bis auf Stedefreunds obligatorische Knutscherei mit Kollegin Linda Selb (Luise Wolfram).

Ein- oder Ausschalten?

Unbedingt einschalten - wenn Sie starke Nerven haben. "Nachtsicht" ist ein brutaler Krimi, der stellenweise dick aufträgt, aber wirkt.

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