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"Polizeiruf"-Check: Überall Abschaum: So war der "Polizeiruf" aus Rostock

Statt dem Dortmund-"Tatort" sendete die ARD am Neujahrstag einen "Polizeiruf" aus Rostock - aus Rücksicht auf die Opfer vom Terroranschlag in Berlin. Doch auch dieser Krimi spiegelt einige aktuelle Nachrichten wieder.

Polizeiruf

Katrin König (Anneke Kim Sarnau) und Alexander Bukow (Charly Hübner) ermitteln in Rostock.

Worum geht's in diesem "Polizeiruf"?

In einem kleinen Dorf bei Rostock werden die Ermittler Katrin König (Anneke Kim Sarnau) und Alexander Bukow (Charly Hübner) zu einem besonders brutalen Mord gerufen: Eine obdachlose Frau wurde tot auf einer Parkbank sitzend vorgefunden, sie starb an den Folgen einer grausamen Vergewaltigung. Die Nachbarn sind schnell darin, die Schuld auf zwei erst kürzlich entlassene Straftäter zu schieben. Tatsächlich scheint vor allem der aggressive Kukulies (Markus John) gefährlich zu sein - doch Profilerin König unterschätzt das.

Warum lohnt sich der Krimi?

Es ist ein wenig ironisch, dass ausgerechnet dieser Film statt dem "Tatort" aus Dortmund gezeigt wird. Die ARD hatte den ursprünglich geplanten Krimi nach dem Terroranschlag in Berlin verschoben, da die Thematik zu ähnlich war. Doch auch die Rostocker müssen in einem Fall ermitteln, der aktueller denn je scheint. Im Kern geht es um den Mangel an Mitmenschlichkeit, um Menschenverachtung und die Verrohung der Gesellschaft. "Möchten sie so welche in der Nachbarschaft?", wird in der Dorf-Spelunke geschimpft. Jeder tritt nach unten, hetzt gegen einen selbstdefinierten "Abschaum" - genau wie man es in der Realität vor allem in den sozialen Medien verstärkt bemerkt. Der Tod der Obdachlosen wirkt jedenfalls nach den Nachrichten über die sieben Jugendlichen, die an Weihnachten einen schlafenden Obdachlosen angezündet haben, besonders grausam und geht nahe.

Was nervt?

Als Profilerin muss Katrin König ständig psychologisieren, manchmal die banalsten Dinge. Ihre Kollegen wirken daneben wie dumpfe Stammtisch-Sprücheklopfer - etwas unglaubwürdig. Auch will gelegentlich nicht wirklich Spannung aufkommen: Zu leicht ließen sich manche Gefahrensituationen eigentlich auflösen.

Die Kommissare?

Kommen sie sich nun näher oder nicht? Nachdem König und Bukow im vergangenen Fall nach einer gemeinsamen Saufnacht kurz vorm Kuss waren, bleibt nun wieder jeder auf Abstand. Da hilft auch der Champagner nichts, den König spendiert, weil sie ein Jobangebot aus Berlin hat. Nimmt sie es an und verlässt Bukow? Ein traumatisches Erlebnis könnte ihre Entscheidung beeinflussen.

Ein- oder ausschalten?

Einschalten. Aber nicht aufgrund von Silvestermüdigkeit zu früh einschlafen: Das Ende hat es in sich.