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"Tatort"-Check: Köln ist nicht Chemnitz - dieser "Tatort" ist dennoch hochaktuell

Die Silvesternacht 2015 hat das Land verändert. Wie sehr, zeigt diese "Tatort"-Wiederholung aus Köln. Ein Mord bringt die erhitzte Atmosphäre zwischen Bürgerwehr und Migranten zum Überkochen.

Tatort aus Köln: "Wacht am Rhein"

Szene aus der "Tatort"-Folge "Wacht am Rhein": Dieter Gottschalk (Sylvester Groth, l.) will mit seiner Bürgerwehr für Ruhe und Ordnung sorgen. Die Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, r) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) haben da aber noch ein paar Fragen.

Die ARD zeigt die "Tatort"-Folge "Wacht am Rhein" am Freitag, 31. August, um 22 Uhr als Wiederholung.

Worum geht's in diesem "Tatort"?

Köln ist seit der Silvesternacht 2015 kein schöner Ort. Bürgerwehren ziehen nachts durch die Viertel, observieren Dealer und schüchtern fremdländisch aussehende Menschen ein. Als ein Marokkaner eine Zoohandlung überfällt, sind sofort zwei Möchtegern-Sheriffs zur Stelle. In der unübersichtlichen Situation im Laden löst sich ein Schuss - und einer stirbt. Die ohnehin angespannte Situation im Viertel droht zu eskalieren. Ein marokkanischer Bürgerwehrler glaubt den Täter entdeckt zu haben - und foltert ihn in seinem Keller. Derweil geht der Wahnsinn draußen weiter.

Warum lohnt sich der Krimi?

Lange vor den Ausschreitungen in Chemnitz entstanden, zeigt die Folge "Wacht am Rhein" anschaulich, was passiert, wenn man die Eskalationsspirale immer weiter dreht. Wenn das Klima immer mehr vergiftet wird und Menschen auf Gewalt mit Gegengewalt reagieren. Dieser Fall zeigt eine Gesellschaft, in der Menschen einander misstrauen und nach dem Äußeren beurteilt werden. Dabei macht es sich der "Tatort" nicht einfach. Er zeigt, wie der Riss durch die Bevölkerungsgruppen geht. Wie Araber gegen Araber kämpfen, Deutsche gegen Deutsche. Es bleibt die ernüchternde Erkenntnis eines Marokkaners: "Seit dem Scheiß auf der Domplatte seht ihr uns nur noch als perverse Araber." 

Was stört?

Der Kölner "Tatort" leidet darunter, dass er oft politisch sehr korrekt rüberkommt und den erhobenen Zeigefinger nicht scheut. Das ist diesmal zwar nicht der Fall. Dennoch tut sich die Krimireihe nach wie vor schwer damit, zu zeigen, dass auch Migranten Kapitalverbrechen begehen können.

Die Kommissare?

Während Ballauf und Schenk gewohnt solide ihren Dienst verrichten, kommt diesmal ihrem Assistent Tobias Reisser (Patrick Abozen) eine besondere Rolle zu. In einer Szene halten ihn die Sheriffs von der Bürgerwehr für einen Ausländer und verprügeln ihn. Ein Polizeibeamter wird für kriminell gehalten, nur weil er einen dunkleren Teint hat - besser kann man die Idiotie der selbsternannten Ordnungshüter nicht versinnbildlichen.

"Tatort" ein- oder ausschalten?

Unbedingt einschalten. "Wacht am Rhein" zeichnet ein differenziertes Bild von der Situation im Lande. Und wer genau hinguckt, entdeckt sogar Klaus Doldinger, den Komponisten der "Tatort"-Musik, wie er lässig an der Mauer steht und ins Saxofon bläst.

Dieser "Tatort" wurde erstmals am 15. Januar 2017 ausgestrahlt.

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