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"Tatort" mit Ulrich Tukur: High Noon in Hessen: Murot kämpft gegen Gangs - und um eine neue Liebe

Es wird geschossen, gezündelt und gemetzelt: Ein Tukur-"Tatort" ist oft ein "Tatort" mit vielen Toten. So auch in dem neuen Fall "Angriff auf Wache 08", der erstklassig besetzt und bis zum Schluss packend ist.

"Tatort: Angriff auf Wache 08" mit Ulrich Tukur

Felix Murot (Ulrich Tukur) verschanzt sich beim "Angriff auf Wache 08" im Polizeimuseum

  • 4 von 5 Punkten
  • Das Remake eines US-Thrillers als Western im Rhein-Main-Gebiet - eine willkommene Abwechslung zu vielen 08/15-"Tatorten"

Worum geht's?

Die ersten drei Leichen gibt es bereits nach vier Minuten: Polizisten erschießen bei einem Einsatz Mitglieder einer Straßengang, die mit Waffen und Drogen gehandelt haben. Aber Felix Murot (Ulrich Tukur) will davon nichts wissen. Er hat Urlaub - und den nutzt er, um seinen alten Freund Walter Brenner (Peter Kurth) zu besuchen. Die Männern kennen sich aus gemeinsamen BKA-Zeiten in den Achtzigern. Während es Murot zum Hauptkommissar gebracht hat, leitet Brenner ein Museum in einer alten Polizeiwache, irgendwo zwischen Frankfurt und Offenbach. Unterstütz wird er dabei von Verkehrspolizistin Cynthia Roth (Christina Große). Als Murot eintrifft, läuft alles im gewohnten Trott, doch wenig später überschlagen sich die Ereignisse: Ein Gefangenentransporter mit Schwerverbrechern und ein traumatisiertes Mädchen mit einem kurz zuvor abgefeuerten Revolver landen auf der Wache. Zudem nähern sich die bis an die Zähne bewaffneten Gangmitglieder, die ihre getöteten Kollegen rächen wollen. Der Showdown beginnt.

Warum lohnt sich dieser "Tatort"?

"Angriff auf Wache 08", so der Titel des neuen Murot-Falls, ist ein Remake des John-Carpenter-Thrillers "Assault - Anschlag bei Nacht" aus dem Jahr 1976. Der stand wegen seiner Brutalität bis 2005 in Deutschland auf dem Index und ist inzwischen ab 16 Jahren freigegeben. Der "Tatort" orientiert sich - mit einigen Abweichungen - an der Vorlage und spart entsprechend auch nicht mit Schießereien und Toten. Es sind aber vor allem die kleinen Anekdoten, die den Film sehenswert machen. So schwärmt der Fahrer des Gefangenentransporter in Western-Manier von der "legendären Wache am Rande von O-Town". Im Polizeimuseum sieht es aus wie in den Achtzigern: Es gibt Schreibmaschinen und Telefone mit Wählscheiben, aber kein funktionierendes Funkgerät, geschweige denn W-Lan. Und die Gangmitglieder, die im Dunkeln auf die Polizeiwache zumarschieren, gleichen einer Ansammlung von Zombies aus "The Walking Dead". Die Klammer für das bedrohliche Szenario bildet eine heraufziehende Sonnenfinsternis, die alle Beteiligten in komplette Dunkelheit hüllt.

Was stört?

Es gibt wenig zu kritisieren an diesem hessischen Western. Der Einzige, der etwas nervt, ist Schriftsteller Clemens Meyer, von dem das Drehbuch stammt. Er verpasste sich selbst die Rolle des schrillen Radiomoderators Eckie. Der bringt als Stimme aus dem Off immer wieder die Handlung voran, übertreibt es bisweilen aber. Murots Kollegin Magda Wächter (Barbara Philipp) sagt in einer Szene: "Dass der immer so ein Fass aufmachen muss." Recht hat sie.

Der Kommissar?

Murot und sein früherer Kollege schwelgen gemeinsam in alten Erinnerungen: vergangene Einsätze und gesundheitliche Leiden kommen da ebenso zur Sprache wie die große Liebe Brenners, die inzwischen auf Kuba lebt. Murot ist ebenfalls Single, hat aber ein Auge auf Verkehrspolizistin Cynthia Roth geworfen. Zwischen Kugelhagel und Stichflammen kommen sich die beiden näher. "Sehen wir uns mal wieder?", fragt Roth Murot. Seine Antwort: "Warum eigentlich nicht?"

Ein- oder Ausschalten?

Wer sich von bisherigen Murot-"Tatorten" mit zahlreichen Toten, kuriosen Dialogen und ungewöhnlicher Handlung nicht abschrecken ließ, darf auch diesen Fall nicht verpassen.