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Team Wallraff bei Burger King: Burger mit bitterem Nachgeschmack

Zwischen Müllcontainern und Küche, zwischen Darmbakterien und ausgetauschten Haltbarkeitsetiketten: Die Undercover-Reportage über Burger-King schlägt einem auf den Magen – in jeder Hinsicht.

Von Stephanie Beisch

Der Altmeister des investigativen Journalismus hat wieder zugeschlagen: Günter Wallraff hat undercover bei Burger King recherchiert. Das Ergebnis seiner schauerlichen Enthüllungen strahlte RTL am Montagabend aus. Den Zuschauern dürfte die Sendung die Lust auf Whopper und Chili Chese Burger genommen haben.

Zu Beginn der Undercover-Recherche, die in fünf Filialen der Burger-Kette stattfand, hatte sich das "Team Wallraff – Reporter undercover" auf die von Mitarbeitern angeprangerten Arbeitsbedingungen konzentriert. Keine Frage, die Beschwerden sind gerechtfertigt, lautet ein Fazit der Sendung. Doch bei Burger King liegt noch viel mehr im Argen.

Satt Günter Wallraff selbst stieg diesmal Reporter Alexander Römer in den Ring und fand schlechte Arbeitsbedingungen und mangelnde Hygiene vor. Als "Tobias" wird er bei Burger King in Ratingen eingestellt. Die Filiale gehört der Yi-Ko-Holding GmbH an, die mit 90 Restaurants und 3000 Angestellten der größte Burger-King-Franchisenehmer in Deutschland ist. Für 7,71 Euro brutto pro Stunde darf er nun 30 Stunden in der Woche arbeiten. Gerne auch mit Überstunden, um so auf eine für den Arbeitgeber billige Vollzeitstelle zu kommen. Zuschläge wie Krankengeld oder Weihnachtsgeld, das gibt es nicht für geringfügig Beschäftigte. Und auch bei Vollzeitangestellten wird Krankheit bestraft. Auf das Gehalt muss dann gut und gerne einige Wochen gewartet werden, auch das zeigt diese Reportage.

Von der Toilette in die Küche

Zeit ist auch für den Undercover-Reporter am ersten Arbeitstag das große Thema. Die Zubereitung eines Burgers darf nur 20 Sekunden dauern, der Reporter braucht 41 Sekunden. Zuviel für die Restaurantleitern. Sie schickt ihn aus der Küche raus. Er darf jetzt in die Müllcontainer steigen, Müll mit den Füßen und in Küchenkleidung zerkleinern.

Nicht außergewöhnlich bei Burger King. Auch die Toiletten werden in der Arbeitskleidung für die Küche geputzt, von Personal, das danach wieder Burger wendet. Aber keine Sorge, hier wird kein frisches Fleisch verschmutzt. Es handelt sich auch nicht um das in der Werbung von Burger King beworbene frisch gegrillte Fleisch. Nein, es ist altes und dauererwärmtes Hack oder Hühnchen, welches schon in seinem eigenen Saft schwimmt. Auch die Mitarbeiter haben dazu nur eines zu sagen: "Eklig!" Und das ist hier so einiges.

Generell herrschen in den gezeigten fünf Burger-King-Küchen abenteuerliche Zustände, die laut dem interviewten Gastronomie-Experten wenig mit einem ordnungsgemäßem Umgang mit Lebensmitteln zu tun haben. Der Salat, die Tomaten und der Käse werden zu Beginn des Arbeitstages vorbereitet und ordentlich mit Haltbarkeitsetiketten versehen. Der Salat darf vier Stunden offen gelagert werden. Danach muss ausgetauscht werden. Doch nicht etwa der Salat, wie in der Reportage zu sehen ist. Nein. Bei Burger King werden die Haltbarkeitsetiketten getauscht. Und schwupp ist der Salat wieder frisch für den nächsten Burger oder den Burger in drei Tagen.

Bakterien über Bakterien

Auch an den Arbeitsmaterialien scheint Erol Yildiz, Franchiseunternehmer in den untersuchten Filialen, zu sparen. Kein Geschirrspüler, kein heißes Wasser. Haben sich auf den Lebensmitteln noch keine ungesunden Bakterien gesammelt, dann tummeln sie sich mit Sicherheit auf den nicht richtig gereinigten Küchengeräten. Zum Glück gibt es davon aber nicht viele. So müssen Dosen mit Messern geöffnet werden, heiße Fritteusen ohne Sichherheitshandschuhe gereinigt werden.

Das Fazit der Reportage lautet für den Zuschauer, dass Burger King weder bei den Kunden noch bei den Angestellten auf die Gesundheit achtet. Ob es in allen Burger-King-Filialen so aussieht, wie in der Reportage gezeigt wurde ist nicht bekannt. Auch nicht, ob aufgrund von Sparmaßnahmen generell nur ein Abfallwert von 10 Euro pro Tag erlaubt ist - was einem Wegfall pro Tag von 4 von 1000 Burgern bedeuten würde.

Burger-King hat sich in der Sendung von Wallraff nicht zu den Vorwürfen geäußert, nach der Ausstrahlung jedoch Stellung bezogen. Die Vorwürfe aus dem Beitrag seien sehr beunruhigend und daher, obwohl es sich hierbei um einen Franchise-Nehmer handelt, der "rechtlich und wirtschaftlich" unabhängig handelt, für Burger King von höchster Bedeutung. Für die aufgedeckten Missstände habe man keinerlei Toleranz und Akzeptanz. Der Konzern wolle nun einen Aktionsplan mit dem Franchise-Nehmer erarbeiten, damit künftig die Verpflichtungen in Bezug auf Lebensmittelsicherheit und Produktqualität gewahrt blieben.

Trotz der Reaktion von Burger King bleibt im Kopf, was Wallraff mit seinem Team gefilmt habe. Bilder, die einem den Magen umdrehen und durch Laborwerte in ihrem Ekel bestätigt werden. Reporter "Tobias" hat in Ratingen heimlich elf Proben genommen. Das Resultat ist erschreckend: Vor allem die Schwämme und die Tür zum Kühlhaus sind mit Darmbakterien verkeimt. Lebensmittelkontrolleur Bernd Stumm spricht von einer überwachsenen Probe die den "Trend zu einer Toilette" hat.