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"The Voice of Germany" Die große Täuschung geht weiter


Keine Frage: Die Castingshow "The Voice of Germany" hat die Branche verändert. Die Zuschauer mögen, dass es hier allein um Musik und Talente gehen soll. Doch das stimmt gar nicht.
Von Carsten Heidböhmer

Wer heute Abend den Fernseher einschaltet und die dritte Staffel von "The Voice of Germany" gesehen hat, konnte dies mit gutem Gewissen tun. Denn die Castingshow gilt als die gute, anständige Alternative in einem ansonsten schmutzigen Genre. Während andere Sendungen ihren Reiz daraus ziehen, minder-talentierte Bewerber mit fiesen Sprüchen runterzuputzen, wie das Dieter Bohlen bei "DSDS" perfekt beherrscht, will "The Voice" ganz anders sein. Hier stehen das Können der Kandidaten im Mittelpunkt. Niemand muss Späße auf seine Kosten befürchten. Kurzum: Hier geht es um Talente und um Musik - so das Selbstbild.

Doch das ist die große Täuschung, die "The Voice" von Anfang an begleitet hat. In Wahrheit spielt Musik in diesem Konzept nur eine untergeordnete Rolle. In der dreistündigen Halbfinalsendung der zweiten Staffel betrug der Musikanteil der Bewerber keine 30 Minuten. Die meiste Zeit ging für Einspielfilme, Bewertungen der Jury und die Ankündigung der Telefonvotings drauf. Im Mittelpunkt stand das Palaver und die Sticheleien der Juroren. Zwar geht es vordergründig darum, eine neue Stimme zu entdecken - doch allzuviel Musik soll bei der Unterhaltungssendung nicht stören.

Weniger Liveshows, noch mehr Macht für die Coaches

Und so ist die spannendste Frage vor dem Start nicht: Wer wird gewinnen? Sondern: Wie schlagen sich die neuen Coaches? Interessant bei der Neubesetzung, dass man jeweils den gleichen Typ gesucht hat. Den Stuhl von Soulsänger Xavier Naidoo wird Soulsänger Max Herre einnehmen. Und für den Iren Reav Garvey kommt Samu Haber, Sänger der finnischen Rockband Sunrise Avenue. Offenbar brauchen die Zuschauer einen Ausländer, der drolliges Deutsch spricht. Von der alten Garde geblieben sind Nena und The BossHoss.

Die Regeln sind an einigen Stellen leicht modifiziert worden. Selbstverständlich muss auch weiterhin niemand Sorge haben, mit zu viel Musik belästigt zu werden. Es wird diesmal weniger Liveshows geben - vier statt vorher sechs. Dafür wird der Wettkampf der Coaches noch wichtiger: In einer neuen Showphase können sie nun Talente aus anderen Teams abwerben.

Immerhin wird das originellste Element dieser Show gestärkt: die "Blind Auditions". Bislang mussten sich die Coaches in der ersten Showphase allein auf ihr Gehör verlassen, während die Zuschauer die Künstler sehen konnten. Jetzt sollen die Teilnehmer gelegentlich hinter einem Vorhang singen, sodass auch die Zuschauer in den Genuss der "Blind Auditions" kommen.

Hören statt sehen - sollte es in dieser Sendung am Ende doch um Musik gehen?

"The Voice of Germany" läuft ab sofort immer donnerstags auf ProSieben und freitags auf Sat.1, jeweils ab 20.15 Uhr.


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