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TV-Komödie "Willkommen im Krieg": "Das ist nicht ihr Krieg"

Privatsender ProSieben liefert mit "Willkommen im Krieg" eine Komödie über Auslandseinsätze. Produzent Ivo Alexander Beck sagt im Gespräch mit stern.de, warum man über die Bundeswehr in Afghanistan auch lachen darf.

Warum so ein Film, und warum jetzt?
Seit etwa einem halben, Dreiviertel-Jahr dreht sich das Engagement der Bundeswehr in Afghanistan unübersehbar im Kreis. Es wird zunehmend klar, dass man so eine Art von Krieg nicht gewinnen kann. Aber selbst für einen Privatsender ist es total ungewöhnlich, so ein kontroverses Thema aufzugreifen. Es war schwierig, grünes Licht für das Projekt zu bekommen.

Wie schwierig?
Das Thema wurde im Hause ProSieben heftig diskutiert. Es gab auch Leute, die meinten, so einen Film könnten wir nicht machen. Man dürfe keine Komödie über den Krieg drehen, hieß es. Andere, wie Joachim Kosack haben sich sehr dafür eingesetzt.

Kriegskomödien wie "Mash" gehören lange zum Filmkanon.
Das ist das Interessante. Meine Generation ist mit Filmen wie "Mash" oder "Good Morning, Vietnam" aufgewachsen. Eine ganze Generation junger Leute kennt diese Filme aber gar nicht mehr. Für die ist das Omas Kintop! Unseren ganzen Darstellern war "Mash" kein Begriff. Die kennen Computerspiele wie "Call of Duty" und "Battlefield" eins bis drei. Das ist deren Art, sich mit dem Krieg auseinanderzusetzen. Auch mit der Antikriegsbewegung haben die überhaupt nichts zu tun. Das ist zum Teil eigenartig zu sehen. Als uns das alles klar wurde, haben wir gesagt: Wir wollen den Krieg an die Zielgruppe heranbringen. Die 20-Jährigen hocken am Kundus, nicht die 40-Jährigen. Das war die Idee. Der Film wird schon im Vorfeld wahnsinnig kontrovers diskutiert - von jungen Leuten und auch von Bundeswehrangehörigen. Die kennen den Film gar nicht, fühlen sich aber provoziert. Man merkt, dass da was schwelt. Da sind ganz viele Emotionen unterwegs.

Hat die Bundeswehr den Film unterstützt? Mit Gerätschaften oder als Ratgeber?
Wir haben einen Versuch unternommen und sind komplett auf Granit gestoßen. Bei der Kombination von Komödie und Bundeswehr gingen bei denen die Schotten runter. Ich finde, es ist ein Fehler, dass wir dort keine zentrale Stelle haben, an die sich Produzenten oder Filmschaffende wenden könnten, die prüft, ob die Bundeswehr etwas unterstützen will. Ich weiß, dass es in den Kommandeursebenen anders aussieht. Da gibt es durchaus den Willen, Filme zu unterstützen, weil die Bundeswehr als Freiwilligenarmee einfach werben muss, um geeignetes Personal zu finden. Das wird kommen.

Aber Sie haben sich beraten lassen?
Wir hatten einen sehr kompetenten Berater, der uns unter anderem bei der Handhabung von Militärtechnik beraten hat.

Gab es auch jemanden, der den Einsatz in Afghanistan erlebt hat?
Ja, der Kollege war auch in Afghanistan.

Und was sagt der über den Film?
Er findet ihn gut und richtig. Aber er weist natürlich auch darauf hin, dass, "Willkommen im Krieg" eine überspitzte Version eines Auslandseinsatzes erzählt. Das stimmt. Wir müssen in der Komödie überspitzt erzählen. Aber er hat uns Recht gegeben, dass die Bundeswehrsoldaten im Auslandseinsatz oft Langeweile und Trübsinn erleben. Aber auch außergewöhnliche Kameradschaft. Diese Begriffe sind wichtig. Und viele Soldaten gehen hin - wie wir es im Film sagen - weil es gutes Geld gibt. Auch das ist eine Wahrheit.

Hatte der Guttenberg-Skandal Einfluss auf den Film?
Nein. Aber der Ministerauftritt ist letztlich ein Synonym für Politik, die diesen Konflikt auch für PR-Zwecke benutzt.

Hat der Film Ihre persönliche Sicht auf Bundeswehreinsätze verändert?
Ich glaube nicht mehr, dass wir unsere Freiheit am Hindukusch verteidigen müssen. In den Kriegen, die bis jetzt geführt werden, werden die Befreier wahnsinnig schnell zu Besatzern. Weder die Amerikaner noch wir haben das bisher geändert. Wenn wir Deutschen und die Amerikaner draußen sind, wird sich gar nichts geändert haben. Das ist meine Befürchtung.

Und wie sehen das die Darsteller?
Ich habe Ihnen vor dem Dreh einen "Spiegel"-Artikel über den Afghanistankrieg zu lesen gegeben. Diese Gruppe von Jugendlichen hat kein ausgeprägtes Verhältnis zu dem Konflikt. Die Armee ist überhaupt kein Thema, denn da waren die meisten von ihnen nicht. Und das geht ganz vielen jungen Leuten in Deutschland so. Das ist nicht ihr Krieg. Durch die Dreharbeiten und die Vorbereitung haben sie natürlich mitbekommen, was es bedeutet, wenn man als Soldat vor Ort ist. Die haben sich dieser Problematik dadurch geöffnet. Hoffentlich tun das die jungen Zuschauer, die den Film sehen, auch.

"Willkommen im Krieg", Ostermontag, 20:15 Uhr, ProSieben

Sophie Albers