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TV-Kritik "Schlag den Star" Wallach bezwingt Raabs Hammerwade


Allzu viel Allgemeinwissen schadet Kandidaten in Raabs Spielshow offenbar - und so hatte "Star" Tim Lobinger am Ende von Raabs TV-Show deutlich die Nase vorn. Obwohl der Stabhochspringer zuvor deutliche Bildungslücken offenbarte.
Von Christoph Forsthoff

Was wäre ProSieben ohne Stefan Raab! Nun darf die Allzweckwaffe des Privatsenders helfen, das Sommer(werbe)loch zu überbrücken: Vier Ausgaben des von ihm selbst produzierten "Schlag den Raab"-Ablegers "Schlag den Star" sind bis zum September geplant - und natürlich wetzt der Metzger auch wieder persönlich das verbale Messer. Zum Glück, denn ansonsten wären wir vermutlich mehrfach weggenickt während der Auftaktsendung am Samstagabend: Langweiliger als Steven Gätjen daher dröhnte, lässt sich der TV-Wettkampf nämlich kaum moderieren, bei dem ein Promi "gegen einen Kandidaten aus dem Volk" antritt. Wobei die Definition der Prominenz offenbar mit den nachlassenden Zuschauerzahlen gesunken ist, in dieser Staffel nun schon C-Prominente wie Moderator Daniel Aminati und TV-Koch Steffen Henssler herhalten müssen - oder eben Tim Lobinger.

Als "Deutschlands beliebtesten Leichtathleten" kündigte Gätjen den Stabhochspringer an - nun ja, wenn die Sonne des Sports niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten. Macht(e) aber nichts, der Junge ist ein netter Kerl und ehrlich obendrein, wenn er nach vier Studiorunden im Kettcar völlig fertig schnauft: "Ich lauf mit dem Stab nur 40 Meter - das bringt mich um hier." Und prustet: "Scheiß' Tretauto." Am Ende unterliegt er dankenswerterweise deutlich dem Kandidaten aus dem Volk: Steffen (den Nachnamen hat ProSieben kurzerhand eliminiert, ist ja auch kein Prominenter, und wen interessieren schon die Namen des gemeinen Volkes …), 36-jähriger Meteorologe aus dem rheinischen Hersel und leidenschaftlicher American-Football-Spieler. Pech für ihn, dass der Brutalo-Sport an diesem Abend nicht auf dem Spielplan steht, er sich stattdessen im Basketball gegen Lobinger beweisen muss - und hier in der Verlängerung unterliegt.

(Zu) wenig Körbe vermag nicht nur hier auch Wettkampf-Kommentar Frank Buschmann zu erzielen, der Lobinger "Ostblock"-Schule attestiert - wer vom jungen Zielpublikum des Senders weiß denn noch, was sich hinter dem Ostblock einst verbarg, geschweige denn hinter diesem Begriff?! Als die Kandidaten am Glücksrad bestimmte Rundenzahlen erdrehen müssen, scheint Buschmann fast einzuschlafen, nachdem er sich schon zuvor beim Zielwerfen mit der Frisbeescheibe in abgedroschensten Sportkommentator-Formulierungen ergangen hatte: "Macht er den, setzt er Tim immens unter Druck", "Das ist natürlich vor allem eine Kopfgeschichte jetzt" - offenbar auch bei ihm selbst an diesem Abend.

Raab rettet den Abend

Und wäre da nicht Raab gewesen, die Spielshow wäre bisweilen in dröger Langeweile erstarrt. Eigentlich nur als Edeljoker für den Mann aus dem Volke vorgesehen - seinen Einsatz in der Quiz-Runde gewann der 45-Jährige denn auch souverän, Lobinger sah bei den Fragen aus fünf Wissensgebieten keinen einzigen Stich - holte die Kamera ihn doch immer wieder ins Bild und demonstrierte so, wie ein Moderator mit seinen Kandidaten mitgehen oder -leiden sollte. Ganz abgesehen von seinen süffisanten Anmerkungen, als es etwa in die Tretautos ging: "Lass uns erstmal Wadenvergleich machen", lenkte Raab die Blicke auf Steffens Hammermuskulatur, die der des Leistungssportlers deutlich überlegen war. Und konnte sich beim Unterschenkel-Posing auch einen Kommentar Richtung Gätjen nicht verkneifen: "Steven hat auf jeden Fall die meisten Haare, ist also am nächsten am Primaten dran …"

Dass Raab indes vor der letzten Runde angesichts des nicht ganz einfachen Spiels - auf einer frei hängenden Scheibe mussten Lobinger und Steffen im Wechsel Bauklötze unterschiedlicher Größe drapieren, ohne die Scheibe aus dem Gleichgewicht zu bringen - anmerkte, "Da muss man klug sein, Tim", war schon eine sehr böse Spitze. Hatte sich doch der Stabhochspringer zuvor als nicht gerade stark in puncto Allgemeinbildung erwiesen, im Kopfrechnen keinen Stich gegen seinen Kontrahenten gesehen und die Frage nach der Bezeichnung für ein kastriertes männliches Pferd mit "Hengst" beantwortet. "Deshalb heißt das auch 'Du geiler Hengst'", spottete das Großmaul. Doch mag sich Lobinger hernach auch intellektuell eher wie ein Wallach gefühlt haben, nicht er sondern Steffen brachte schließlich die Bauklötze auf der Scheibe mit seinem zehnten Stein ins Rutschen und bescherte damit dem "Star" den Sieg im Gesamtwettkampf. Womit wieder einmal bewiesen wäre, dass zumindest im Fernsehen nichts zu wissen nichts macht - zumindest, solange man nicht gerade Moderator ist.

Mit einem Marktanteil von 12,4 Prozent in der werberelevanten Zielgruppe erreichte "Schlag den Star" zwar eine solide TV-Quote, konnte aber nicht an die Erfolge der Staffeln in den Jahren 2009 und 2010 anknüpfen. Insgesamt wollten durchschnittlich 1,48 Millionen Menschen zusehen, wie Tim Lobinger sich gegen Kandidat Steffen schlug.


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