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TV-Saison geht zu Ende: Viele Flops, zu wenig Highlights

Viel Grund zur Freude haben die Fernsehmacher am Ende der aktuellen TV-Saison nicht. Highlights waren im deutschen TV-Programm der letzten Monaten spärlich gesät. Während "gescriptete" Formate gute Quoten einfuhren, gehören Johannes B. Kerner und Oliver Pocher zu den großen Verlieren der Saison.

Welch Glanz: Vor 15 Jahren holte der Privatsender Sat1 mit Produktionen wie "Der Bergdoktor" oder "Anna Maria - eine Frau geht ihren Weg" sechs, sieben Millionen Zuschauer vor die Bildschirme. Serien mit zwei, drei Millionen Fans wären sofort eingestampft worden. Die Wahrnehmung der Realität hat sich aber geändert. Wenn heute "Der letzte Bulle" oder "Danni Lowinski" montagabends bei Sat1 um die drei Millionen Zuschauer mobilisieren, wertet die leidgeprüfte TV-Branche solche Daten schon als Erfolg. Und so gehören diese beiden Serien, die beim werberelevanten Publikum zwischen 14 und 49 Jahren auf überdurchschnittliche Marktanteile von bis zu 15 Prozent kommen, heute schon zu den Vorzeigeprodukten des Senders - und werden fortgesetzt.

Die zu Ende gegangene Fernsehsaison zwischen August 2009 und Mai 2010 kann auf einige Highlights zurückblicken, wie zum Beispiel auf den neuen Erfolg der totgesagten Fernsehserie oder auch auf die sogenannten "gescripteten" Formate, die hohen Anklang finden. Diese seriell hergestellten Reihen, in denen dem Zuschauer die Wirklichkeit vorgegaukelt wird, aber denen in Wahrheit Drehbücher zu Grunde liegen, sind Teil des Erfolgs von Marktführer RTL. "Mitten im Leben!", "Verdachtsfälle" und "Familien im Brennpunkt" haben dazu beigetragen, dass RTL solide die 18 Prozent Marktanteil hält. Auch die Show-Highlights waren bei RTL gewohnt erfolgreich: Während die Tanzshow "Let's dance" mit fünf Millionen Zuschauern und einem Staffel-Rekord endete, sahen durchschnittlich 6,37 Millionen Zuschauer beim Castingformat "Deutschland sucht den Superstar" zu. Die siebte Staffel ist damit die erfolgreichste nach der ersten Auflage im Jahr 2002.

Auch Sat1 (11,0 Prozent) und ProSieben (knapp zwölf Prozent) dürfen zufrieden sein, aber die Fußball-WM, die auf ARD, ZDF und sonntags bei RTL läuft, steht vor der Tür und wird die Erfolge der Privaten übers Jahr gesehen schmälern.

Doch wiegen die Erfolge längst nicht die Pleiten auf. Der Branchendienst DWDL.de hat jüngst 70 Flops exakt 20 Tops der vergangenen Saison gegenübergestellt. Zu den größten Enttäuschungen in der Liste der Neueinführungen gehört Johannes B. Kerner mit seinem Sat1-Talkmagazin, das nach seinem verunglückten Start am Montag auch auf dem neuen Sendeplatz am Donnerstag unter der Nichtbeachtung des Publikums leidet. Britt Hagedorns "Deutschland wird schwanger" fiel durch, und auch Oliver Pochers Late Night Show bei Sat.1 dümpelt unter dem Senderschnitt - trotz hoher Erwartungen und viel Tamtam um die Sendung. Letztlich musste Geschäftsführer Guido Bolten gehen. Enttäuschungen treffen jeden Sender: Die ARD konnte mit ihrer Bankerstory "Geld.Macht.Liebe" trotz guten Starts nichts ausrichten. Die Vorabendlücke sollte die Arbeitersaga "Eine wie keine" schließen - sie wurde aber zum Flop. Dem ZDF droht das schlechteste Jahr seiner Geschichte, wäre da nicht die WM als Rettungsanker.

Schuld an der ZDF-Krise sind unter anderem fehlendes jüngeres Publikum, das ambitionierte Serien wie "Kriminaldauerdienst" und "Klimawechsel" nicht einschaltet sowie der schlechte Dienstagabend, an dem eine Dokumentation (wie "Windstärke 9") nach der anderen patzt. Selbst Zugpferd "Wetten, dass..?" rutscht regelmäßig unter die Zehn-Millionen-Marke. Bei kleineren Sendern scheiterten US-Serien: Kabel eins kann ein Lied davon singen, denn "Castle", "Die Straßen von Philadelphia", "The Unit" und "Dark Blue" interessierten wenige Menschen. Auch der "Lipstick Jungle", "Harper's Island" und "Hawthorne" (alle ProSieben) verpufften schnell; "Dexter", "Heroes" (RTL II) sowie "One Tree Hill" (Vox) fruchteten ebenso wenig.

Marktführer RTL litt unter anderem unter der Reality-Reihe "The Farm" und unter dem schwächer werdenden Mittwochabend, an dem unter anderem die "Super Nanny" an Kraft einbüßt und "Teenager außer Kontrolle" Einschalt- und Image-Probleme bescherten. Auch die resonanzstarke Reihe "Bauer sucht Frau" brachte Glaubwürdigkeitsprobleme, weil ein Landwirt später damit prahlte, gar nicht ledig zu sein. Ganz zu schweigen vom Rückschlag von Tine Wittlers Auktionsshow "Unterm Hammer", die nach der ersten Folge (drei waren geplant) abgesetzt wurde, weil ein Haus entgegen den Angaben im Abspann der Auftakt-Episode gar nicht verkauft worden war. Die Besitzer beklagten noch Monate später, dass ihr Domizil immer noch keinen Zuschlag erhalten hatte.

Wenn die Großen so viele Probleme vor sich herschieben, fallen die Schwierigkeiten der ganz Kleinen kaum noch auf. Der Fernsehkanal Das Vierte, der vor knapp zwei Jahren vom russischen Investor Dmitri Lesnewski gekauft wurde, schlug sich mit sinkenden Quoten und Einnahmen herum. Die angekündigte Programmoffensive fiel fast völlig aus. Das selbstproduzierte Modemagazin "Look" wurde abgesetzt. Und die eigene Serie "Ein Haus voller Töchter" wartet immer noch auf die Ausstrahlung. Wenn das wirtschaftliche Umfeld besser wird, soll sie auf den Bildschirm. So ruhen alle Hoffnungen auf dem Herbst.

DPA/kmi / DPA