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TV-Tipp 1.8.: "Robocop": Die Polizei, dein Freund und Killer

Beißende Satire verpackt in ein blutiges Action-Spektakel. Paul Verhoevens "Robocop" ist viel schlauer und lustiger als man erwarten würde. Zu recht ein Klassiker - und unser TV-Tipp des Tages.

Wann ist der Mann noch Mann? Als Polizist Alex J. Murphy (Peter Weller) tödlich verwundet wird, lässt ein skrupelloser Manager des Konzerns OCP das Gehirn des Polizisten in einen Roboter einpflanzen.

Wann ist der Mann noch Mann? Als Polizist Alex J. Murphy (Peter Weller) tödlich verwundet wird, lässt ein skrupelloser Manager des Konzerns OCP das Gehirn des Polizisten in einen Roboter einpflanzen.

"RoboCop"
1.15 Uhr, ARD
ACTIONGROTESKE Das erste Mal bin ich "RoboCop" im Vormittagsprogramm von RTLplus begegnet. Keine Ahnung, welcher Verrückte auf die Idee kam, aus diesem Film eine Zeichentrickserie für Kinder zu machen. Schließlich ist das Original von 1987 so zynisch, gewalttätig und brutal, dass der ungeschnittene "RoboCop" in Deutschland bis 2014 (!) auf dem Index stand. Und das nicht ohne Grund. Wenn der junge Polizeibeamte Alex J. Murphy (Peter Weller) von einer Gang sadistischer Krimineller mit Pumpguns niedergeschossen wird und dabei Blut und Extremitäten in alle Richtungen spritzen, als seien Itchy und Scratchy persönlich für die Spezialeffekte zuständig gewesen, rollen sich selbst einem alten Jack-Bauer-Fan die Fußnägel hoch.

Das Original habe ich tatsächlich erst vor kurzem gesehen - und war positiv überrascht. Mit "Robocop" hat Paul Verhoeven ein wahrlich seltsames Ding geschaffen. Eine beißende Satire im Gewand eines ultrabrutalen Actionfilms. Eine düstere, gesellschaftskritische Dystopie, die einerseits viel Tragik in sich birgt, in der die Bösewichte sich aber trotzdem so herrlich überdreht evil benehmen, dass einem vom Schnurrbart zwirbeln ganz schwindelig beim Zugucken wird.

Außerdem kann "RoboCop" mit dem wohl unfreiwillig putzigsten Kampfroboter der Filmgeschichte aufwarten: ED-209 ist eine laufende Killermaschine, die der Mega-Konzern OCP gerne auf den Straßen Detroits zur Verbrechensbekämpfung einsetzen möchte, die aber schon ihre Probleme damit hat, Treppenstufen zu bewältigen. Weil der Roboter zudem per Stop-Motion bewegt wird - also mit jener Technik, die schon dem 1933er King Kong das Laufen beibrachte - erscheint es dem Zuschauer von heute, als sei ED-209 direkt aus einem Daumenkino ins futuristische Detroit gebeamt worden.

PS: Bessere Effekte, dafür aber weniger anarchischen Charme bietet das 2014er-Remake von Regisseur José Padilha. Aber vorher das Original gucken!

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Cop Land"
20.15 Uhr, ZDFneo


THRILLER Von Cracks wie Robert De Niro, Harvey Keitel und Ray Liotta war nur Gutes zu erwarten. Dann wankte Sylvester Stallone als langsam aus der Lethargie erwachender Cop durch diesen Film und sorgte für die Überraschung des Kinojahres 1997. Immer wieder gut. (bis 21.50)

"Keine Zeit für Träume"
18.30 Uhr, Eins Festival


DRAMA Schülerin Merle hat das Aufmerksamkeits- Defizit-Syndrom. Sie ist ständig abgelenkt, geht als Träumerin durch die Welt. Konzentriert zeigt der Film hingegen die Belastung für eine Familie (u. a. Anneke Kim Sarnau), die beschließt, einen Träumer unter sich zuzulassen. (bis 20.00)

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