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TV-Tipp 8.7.: Ulrike-Ottinger-Themenabend: Die Frau, die die bewegten Bilder wieder einfror

Dokumentarfilmer wie sie sind selten geworden: Ulrike Ottinger braucht keine hektischen Schnitte, um für ihre Themen zu begeistern. Wie das geht? Schalten Sie heute Abend ein!

Eine Frau (Tabea Blumenschein) beschließt, sich zu Tode zu trinken. Die Kneipen West-Berlins werden zu ihrer Vorhölle.

Eine Frau (Tabea Blumenschein) beschließt, sich zu Tode zu trinken. Die Kneipen West-Berlins werden zu ihrer Vorhölle.

"Bildnis einer Trinkerin", "Ulrike Ottinger - Die Nomadin vom See", "Die koreanische Hochzeitstruhe"
ab 20.15 Uhr, ZDFkultur
THEMENABEBD Mensch vor Bücherregal, von Laiendarstellern nachgestellte Spielszenen, hyperdramatische Musik und eine Erzählerstimme für das Infohäppchen zwischendurch. Wer kennt es nicht, das Schema F des Dokumentarfilms. Form bleibt Form - ganz gleich, ob es um die Machenschaften der Zigarettenmafia geht, den papua-neuguineischen Schnabeligel oder Hitlers Haushälterinnen.

Ganz anders geht Ulrike Ottinger an ihre Filme heran. Die zeitgenössische Künstlerin versucht oft erst gar nicht, die mit der eingefangenen Bilder in das Korsett einer künstlichen Dramaturgie zu zwängen. Eine Weile dauert es, bis sich das schnittgewittergewohnte Auge an den so ganz anderen Stil gewohnt hat, wieder realisiert, dass sich ein Bild, auch ein bewegtes, eine Weile aushalten lässt, bevor der nächste Reiz unsere Netzhaut kitzelt.

Und wer nicht wegschaltet, wird belohnt. In Ottingers experimentellem Drama

"Bildnis einer Trinkerin"

mit der Geschichte einer rauschhaften Nacht, die einer griechischen Tragödie nachempfunden auf ihr unweigerlich Ende hinausläuft. zeigt den Film, der bereits 1979 entstand, um

20.15 Uhr

als Startpunkt einer nächtlichen Verbeugung vor der Künstlerin.

Knappe dreißig Jahre später entstand "Die koreanische Hochzeitstruhe" , vordergründig ein Dokumentarfilm über Hochzeitsrituale in Südkorea. Eigentlich aber geht der Film jener Frage nach, wie sich die Tradition ihren Weg durch die modernisierte Welt bannt, von ihr verändert wird und doch im Kern gleich bleibt.

Bevor dieser Film den Themenabend um

23.05 Uhr

beschließt, hat das um

22.00 Uhr

noch eine Dokumentation über die Künstlerin selbst eingeschoben:

"Ulrike Ottinger - Die Nomadin vom See"

wurde vor zwei Jahren anlässlich ihres 70. Geburtstags gedreht und bietet einen guten Einstieg in Leben und Werk der avangardistischen Künstlerin. Allerdings auch einen deutlich konventioneller gefilmten.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern




Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Stealing Rembrandt –Klauen für Anfänger"
21.55 Uhr, Servus TV

KOMÖDIE Ein Quartett von Drittligagaunern raubt versehentlich einen echten Rembrandt. Was nun? – Dänenspaß mit liebevoll gezeichneten Antihelden und einer tollen Pointe. (bis 0.00)

"Livland"
23.30 Uhr, RBB

DOKUMENTARFILM Livland bezeichnet eine historische Landschaft im Baltikum, die das heutige Estland und Lettland umfasst: zwei wenig bevölkerte Staaten, die ihre Traditionen lebendig halten – diesen Eindruck vermittelt zumindest Volker Koepps entschleunigtes Porträt. (bis 1.00)

Themen in diesem Artikel
Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo