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"Ein Hells Angel - Unter Brüdern": Arte zeigt die umstrittene Rocker-Doku

Dokumentarfilmer Marcel Wehn begleitete fünf Jahre lang einen führenden Hells Angel. Herausgekommen ist ein Film, der anders ist, als man es erwartet - und deshalb so umstritten ist. Arte zeigt ihn ab 22.15 Uhr.

Von Philipp Weber

"Ein Hells Angel - Unter Brüdern": Arte zeigt die umstrittene Rocker-Doku
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Wenn Hells Angels auf ihre Harleys steigen wird es laut. Und die Bilder sind martialisch. Harte Männer mit harten Muskeln, den Totenkopf prominent auf der Lederkutte. Doch der Dokumentarfilm "Ein Hells Angel - Unter Brüdern" ist anders. Keine schaudernde Reporterstimme, die von Drogenhandel, Prostitution und Rockerkriegen berichtet. Wer Schießereien erwartet, wird enttäuscht. Denn der Film, der nun in einigen Kinos angelaufen ist, widerspricht den bekannten Klischees.

Filmemacher Marcel Wehn begleitete den Präsidenten der Hells Angels in Stuttgart, Lutz Schelhorn. Der Rocker arbeitet selber als Fotograf. Zusammen mit seiner Tochter porträtiert er seinen eigenen Club in einem Fotoband. Für viele sind die Hells Angels eine kriminelle Vereinigung. Regisseur Wehn hinterfragt dieses Vorurteil. Sein Film zeigt einen Männerbund, in dem es um Ehre geht und Loyalität - aber auch täglichen Ärger mit der Polizei.

Regisseur Wehn nahm sich für seinen Film viel Zeit: Fünf Jahre lang begleitete er Rockerpräsident Schelhorn in seinem eher bürgerlichen Alltag. Ein Rocker der überrascht. Seit Jahren führt er Schulklassen zu den Gleisen am Stuttgarter Güterbahnhof, von wo aus deutsche Juden nach Auschwitz deportiert wurden.

Auch Wehn selbst hatte ein vorgefertigtes Bild über die Angels. Nach den Dreharbeiten plädiert der Regisseur dafür, sich die Angels genauer anzusehen. Dafür wurde er von Presse und Polizei angegriffen. Sein Film sei gewaltverherrlichend so der Vorwurf, offenbar gerade weil Gewaltszenen in dem Film gar nicht vorkommen. Tatsächlich, so sagen Kenner der Szene, lebt die Mehrheit der Rocker eher so wie Protagonist Schellhorn.

Wehn glaubt, dass nur wenige Clubs das negative Gesamtbild prägen. Deshalb fragt er in seinem Film gezielt nach und konfrontiert seinen Protagnisten mit einem bekannt gewordenen Vergewaltigungsverbrechen eines Hells Angel aus einem anderen Club.

Der komplette Dokumentarfilm kommt ohne einen Sprechertext aus. Lebt nur von O-Tönen. Und schafft es vielleicht gerade deshalb die Widersprüche und Loyalitätskonflikte innerhalb des Clubs aufzuzeigen. Überlässt es dabei aber dem Zuschauer, sich selbst ein Urteil zu bilden.


Arte sendet "Ein Hells Angel  - Unter Brüdern" am Mittwoch, 13. April, ab 22.15 Uhr.

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