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TV-Tipp 22.10.: "Cinema Jenin": Ein Kino im Westjordanland

Nach dem "Herz von Jenin" hat der Dokumentarfilmer Marcus Vetter das Kino von Jenin entdeckt, dessen Wiederaufbau Leidenschaft, Wut und Tod mit sich bringt.

Von Sophie Albers Ben Chamo

Jenin feiert 2010 die Wiedereröffnung des Kinos, das seit der ersten Intifada 1987 zur Ruine geworden war.

Jenin feiert 2010 die Wiedereröffnung des Kinos, das seit der ersten Intifada 1987 zur Ruine geworden war.

"Cinema Jenin" 23.30 Uhr, SWR
DOKU Kommt ein deutscher Dokumentarfilmer in die Flüchtlingsstadt Jenin im Westjordanland und will ein seit einem Vierteljahrhundert verfallenes Kino wiedereröffnen... Das Großartige an "Cinema Jenin" ist der Clash zwischen idealistischer Naivität (ohne die niemand so ein Projekt je in Angriff nehmen würde) und der tragischen politischen Realität einer Gesellschaft, deren Menschen zwischen Korruption, falschem Ehrgefühl und permanentem Kriegszustand zerrieben werden.

"Cinema Jenin" setzt die mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnete Dokumentation "Das Herz von Jenin" fort, in der Marcus Vetter 2008 die unglaubliche Geschichte von Ismail Khatib erzählte, einem Palästinenser, dessen elfjähriger Sohn von israelischen Soldaten erschossen wurde. Anstatt Rache zu schwören, gab Khatib die Organe seines Kindes zur Spende in Israel frei. Khatib wollte alles daran setzen, dass anderen Kindern das Schicksal seines Sohnes erspart bliebe. Deshalb auch wollte er Vetter beim Wiederaufbau des Kinos helfen. Um einen Ort der Bildung und Kultur zu schaffen.

So sieht man ewig rauchende Männer beim Versuch, "einfach nur ein gutes Kino" wiederzueröffnen, fast den Verstand verlieren. Weil in diesem Land jede noch so kleine Handlung politisch ist. Und weil das Geld, das vor allem die deutsche Regierung für das Projekt zur Verfügung stellte, schlafende Hunde weckt. Eine beeindruckende Persönlichkeit des Films ist der israelisch-arabische Theatermann Juliano Mer-Khamis, der Vetters Projekt unterstützt und dem Deutschen zu erklären versucht, was er in dieser Gesellschaft alles beachten muss. Am Ende des Films ist Mer-Khamis tot, ermordet vor dem von ihm geleiteten Theater des Friedens, ebenfalls in Jenin.

Das Kino gibt es heute noch. Unter anderem lief dort im Sommer das Endspiel Deutschland-Brasilien.

Ein TV-Tipp von Sophie Albers Ben Chamo, Redakteurin beim stern


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Die Flüchtigen"
20.15 Uhr, Arte
DRAMA Im Sommer 1940 flüchtet Lehrerin Odile (Emmanuelle Béart) vor der Wehrmacht aufs Land. Ihr Treck wird von Stukas bombardiert. Da taucht ein junger Mann auf, der sie samt Sohn und Tochter in ein sicheres Versteck führt. In den nächsten Tagen wächst Yvan (Gaspard Ulliel) immer mehr in seine Beschützerrolle hinein. . Die Verfilmung des in Frankreich viel beachteten Buchs "Le garçon aux yeux gris" feierte 2003 in Cannes Premiere. Trotz hervorragender Kritiken kam André Téchinés 15. Film - wie mittlerweile viele seines OEuvres - nicht in die deutschen Kinos. Ein Jammer. In einer ebenso zart wie zupackenden Erzählweise beweist er Gespür für feinste psychologische Verschiebungen. (bis 21.45)

"Getrennt zusammen"
22.40 Uhr, Arte

ROMANZE Chinesen treffen Entscheidungen gern bei ausgedehnten Mahlzeiten und ein, zwei Schnäpsen. So auch in diesem von Wang Quan’an inszenierten Duell um die Liebe einer Frau. Jenseits des Küchentischs warten Bilder eines im Umbruch befindlichen Schanghai. (bis 0.15)