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TV-Tipps 28.4.: "Der letzte Bulle": Mein Machotyp für zwischendurch

Heute Abend erfindet sich "Der letzte Bulle" neu - doch das Wichtigste bleibt beim Alten: Mick Brisgau ist noch immer ein Kind der Achtziger - und Macho durch und durch.

"Frau Bratbecker, das verrückte Huhn ist wieder da!" Oder ist es doch nur Polizist Mick Brisgau, undercover?

"Frau Bratbecker, das verrückte Huhn ist wieder da!" Oder ist es doch nur Polizist Mick Brisgau, undercover?

"Der letzte Bulle "
20.15 Uhr, Sat1
KRIMISERIE Ich hatte mich so auf diese Sendung gefreut. "Life on Mars", meine absolute Lieblingsserie aus Großbritannien, sollte für das deutsche Fernsehen adaptiert werden. Vor meinem geistigen Auge sah ich bereits, wie ein BKA-Mann durch die Bundesrepublik der bleiernen Zeit stolperte. Ermittlungen in der Kommune 1! Auf der Jagd nach RAF-Terroristen! Personenschutz für Willy Brandt! Und überall gelbe Telefonzellen!

Doch dann bekam Sat1 kalte Füße: Fürchtete man sich davor, dass die Zuschauer der Handlung nicht folgen konnten? Oder waren die Produktionskosten schlicht zu teuer? Jedenfalls wurde diesmal nicht der Polizist in die Vergangenheit geschleudert, sondern erwachte schlicht nach 20 Jahren aus dem Koma - mit einem Welt- und Frauenbild, das schon in den 1980ern veraltet war. Kolleginnen versetzte er Kläpse auf den Po und fand Frauenfußball genauso unnormal wie Pediküre bei Männern. Aber ansonsten hatte Mick Brisgau (Henning Baum) das Herz natürlich am rechten Fleck - und die Frauenherzen flogen dem letzten 'echten' Kerl nur so zu.

Ich war enttäuscht: Was für eine Verschwendung von Potential! Die ersten Folgen waren mir zu zotig, die Anspielungen auf den Zeitgeist der 80er dünn gesät und viel zu oft viel zu offensichtlich. Aber dann geschah etwas Seltsames: Obwohl die schauspielerischen Leistungen mitunter etwas hölzern rüberkamen, wuchsen mir die Charaktere doch noch ans Herz. Und obwohl die Serie - ganz nach "Tatort"-Vorbild - in jeder Folge eigentlich einen abgeschlossenen Fall erzählte, versuchte sie sich ganz vorsichtig daran, Handlungsstränge einzuweben, die Episode um Episode weiter entwickelt wurden. Als da wären: Micks Verhältnis zu seiner Ex-Frau. Das Rätsel darum, wer vor 20 Jahren Micks Tod in Auftrag gegeben hatte. Die wachsende Freundschaft zu seinem peniblen Kollegen Andreas Kringge (Maximilian Grill).

Offenbar war ich nicht der einzige, der sich von Brisgaus bärbeißigem Charme einwickeln ließ: Für Sat1 entwickelte sich die Serie zu einem unverhofften Renner. Und Staffel um Staffel veränderte man am Rezepte-Mix gerade so viel, dass Ton und Figurenkonstellation frisch blieben, das Publikum aber nicht verschreckt wurde. Gerade deshalb bin ich so gespannt auf den heutigen Abend. Denn mit der fünften Staffel wagt "Der letzte Bulle" ein Experiment: Es gibt keine separaten Fälle mehr, alle acht neuen Episoden erzählen eine fortlaufende, ernstere Geschichte. Eins aber ist sicher: So sehr sich die Erzählweise auch (endlich) den Gepflogenheiten des 21. Jahrhunderts anpasst - Mick Brisgaus Weltbild bleibt in den 80ern. Und das ist auch gut so.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor bei stern.de


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Eine dunkle Begierde"
23.10 Uhr, ZDF
PSYCHODRAMA Die Geburtsstunde der Psychoanalyse aus Sicht von David Cronenberg. Auweia. Der Mann hat schließlich so wilde Sachen wie "eXistenZ" und "Naked Lunch" gedreht. Zur Kinopremiere 2011 gab die "taz" Entwarnung: Das Drama verhalte sich zu Cronenbergs früheren Filmen, "wie die Psychoanalyse zu den Symptomen, die sie bändigt". Das kommt hin. Statt fantasmagorischer Schrecken bietet es eine authentische Ausstattung und solide Gesprächsduelle zwischen C. G. Jung (Michael Fassbender) und Sigmund Freud (Viggo Mortensen). Nur Keira Knightley buhlt in ihren Hysterieszenen zu verkrampft um eine Oscar-Nominierung. Die blieb denn auch aus. (bis 0.40)

"Blue Valentine"
20.15 Uhr, Arte

DRAMA Nach 6 Jahren scheint ihre Ehe am Ende. Dabei hatte es so toll angefangen: Obwohl Cindy (Michelle Williams) vom Ex schwanger ist, heiratet sie Dean (Ryan Gosling). – Die Trennung seiner Eltern inspirierte Indie-Regiestar Derek Cianfrance zu diesem beglückend-tieftraurigen Werk. (bis 22.00)