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Vorentscheid zum Grand-Prix: Stefan Raab startet seine nationale Aufgabe

"Germany, twelve points!" Diesen Ausruf konnten Grand-Prix-Fans in den vergangenen Jahren selten hören. Die deutschen Teilnehmer beim Eurovision Song Contest schnitten schlecht ab.

"Germany, twelve points!" Diesen Ausruf konnten Grand-Prix-Fans in den vergangenen Jahren selten hören. Die deutschen Teilnehmer beim Eurovision Song Contest schnitten schlecht ab: 20. Platz für Alex swings Oscar sings im vergangenen Jahr, 23. und letzter Rang für die No Angels 2008, davor belegten Roger Cicero und Texas Lightning die Ränge 19 und 15, Gracia wurde als 24. im Jahr 2005 wiederum Letzte. Kein Wunder, dass die verantwortliche ARD händeringend nach einem Retter suchte - und ihn fand: ProSieben- Moderator Stefan Raab, der erfolgreichste Grand-Prix-Teilnehmer der vergangenen zwölf Jahre, soll für Deutschland wieder Punkte holen.

Das Ziel für Raab ist klar: Deutschland muss wieder in die Top Ten. "Das ist eine nationale Aufgabe", sagte er kürzlich bei der Vorstellung des Projektes, das am Dienstag mit der ersten von acht Castingshows unter dem Motto "Unser Star für Oslo" startet. Aus 4500 Bewerbungen wurden 20 Kandidaten ausgewählt, die sich den Juroren um Jurypräsident Raab und dem Publikum stellen, das per Telefon und SMS bestimmt, wer nach der Finalshow (12. März, ARD) Deutschland am 29. Mai in Oslo vertritt.

"Das ist die größte Casting-Aktion in der Geschichte der Menschheit", sagte Raab gewohnt großspurig und ironisch dazu. Der größte Grand-Prix-Vorentscheid Deutschlands ist es auf jeden Fall. Bisher hatte die ARD jeweils nur eine Show ausgetragen, im vergangenen Jahr gar ganz auf diese Art der Qualifikation verzichtet und hinter verschlossenen Türen einen Teilnehmer bestimmt.

Doch bei allem Spaß nimmt Raab die Sache durchaus ernst, schon allein weil er einen Ruf zu verlieren hat: Immerhin dreimal hat er es schon in die Eurovisions-Top-Ten geschafft: 1998 verhalf Raab als Vorreiter der Spaßfraktion mit seinem Lied "Guildo hat Euch lieb" Guildo Horn zu Platz 7 und machte aus dem dahinsiechenden Schlagerwettbewerb ein etwas albernes, aber auch wieder unterhaltsames Gesangsspektakel. Zwei Jahre später stand Raab selbst auf der Bühne und sang sich im Glitzeranzug mit dem völlig sinnentleerten "Wadde hadde dudde da" auf Rang 5; im Jahr 2004 schickte er nach einem Casting in seiner ProSieben-Show "TV Total" das Talent Max Mutzke in das Finale - Platz 8 war die Belohnung.

Mittlerweile hat Raab mit Stefanie Heinzmann eine weitere Castingsängerin erfolgreich in die Charts gebracht und den Bundesvision Song Contest als Liederwettbewerb der Bundesländer beim Privatsender ProSieben platziert - und der ARD mächtig Contra gegeben. Sowieso hatten die öffentlich-rechtliche ARD und der Privatsender bisher mehr Trennendes als Gemeinsames, Raab gab gern den Provokateur, doch das scheint vergessen: "Wenn es um eine nationale Aufgabe geht, dann kenne ich keine Konkurrenten mehr, dann kenne ich nur noch Deutschland", sagte ARD-Programmdirektor Volker Herres. Und ProSieben-Geschäftsführer Thilo Proff fügte hinzu: "Dafür brennt Stefan Raab, dafür brennt ProSieben, dafür brennt auch die ARD."

Für die Shows hat Raab bekannte und erfolgreiche Musiker als Mitstreiter gewonnen: In der Eröffnungssendung sitzen Marius Müller- Westernhagen und Yvonne Catterfeld neben ihm in der Jury; in der Woche darauf sind es Peter Maffay und Sarah Connor. Als Moderatoren führen der ProSieben-Mann Matthias Opdenhövel und die 1Live- Radiomoderatorin Sabine Heinrich durch die Liveshows.

Raab hofft dabei auf den großen Wurf: "Ich würde mich freuen, wenn am Ende das ganz große Gefühl rauskommt und die Mehrheit des Landes sagen kann: Ja, den schicken wir."

DPA / DPA