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Vorzeige-Castingshow "The Voice of Germany" geht ins Finale


"The Voice of Germany" gilt als Deutschlands seriöseste Castingshow, Freitag steigt das Finale. Doch das Zuschauerinteresse sinkt. Ist das Format doch zu langweilig für das sensationsgierige Publikum?

Castingshows haben nicht den besten Ruf, aber eigentlich müssten Musikliebhaber diesem Fernsehformat dankbar sein. 30 Musiktalente wurden so in den vergangenen Jahren entdeckt, von denen wohl sonst niemand Notiz genommen hätte. Dank Castingshows wurden sie alle zu Megastars - oder zumindest als solche verkauft.

Am Freitagabend wird Deutschland demnach um einen weiteren großen Künstler reicher. Dann steigt das Finale der zweiten Staffel von "The Voice of Germany". Die ProSieben/Sat.1-Show genießt breite Anerkennung, weil dort mit den Kandidaten besonders respektvoll umgegangen wird. Statt Äußerlichkeiten soll nur die Stimme zählen. Und Pöbeleien eines Dieter Bohlen gibt es auch nicht. Anstatt sich über Leute lustig zu machen, verspricht die Sendung eine seriöse Talentsuche. Das brachte "The Voice of Germany" in diesem Jahr die Goldene Kamera und den Deutschen Fernsehpreis als beste Unterhaltungsshow ein.

Neues Quotentief direkt vor Finale

Das Interesse des Fernsehpublikums bröckelt mittlerweile trotzdem erheblich. Das Halbfinale von "The Voice of Germany" verfolgten vergangene Woche nur 2,96 Millionen Zuschauer. Damit fiel die Quote auf ein neues Staffeltief. 2011 schalteten bei einem Großteil der Sendungen noch zwischen vier und fünf Millionen Menschen ein.

Das Finale 2012 werden Michael Lane, 26, aus Dorfhaus in Bayern (Team Xavier Naidoo), Isabell Schmidt, 23, aus Greifswald (Team Nena), Nick Howard, 30, aus Berlin (Team Rea Garvey) und James Borges, 24, aus Rumelange in Luxemburg (Team BossHoss) bestreiten. Kandidatin Freaky T, 35, war aus gesundheitlichen Gründen freiwillig ausgestiegen. Die Niederländerin leidet an einer leichten Form von Epilepsie und kam mit den Lichtverhältnissen während der Liveshows nicht zurecht. Ihr Coach Xavier Naidoo, der neulich wegen angeblich volksverhetzender Songtexte angezeigt wurde, zollte der Entscheidung Respekt.

"Große Zeit der Castingshows zu Ende"

Für den Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen ist "The Voice of Germany" ein paradoxes Format, weil es die Rückkehr zu gängigen Standards als Neuigkeit verkaufe. "Auf einmal soll es tatsächlich um Leistung gehen, auf einmal gilt es, Kompetenz und Prominenz wieder in eine gesündere Balance zu bringen, auf einmal wird nicht mehr jede "Selbstbildstörung" eines gänzlich ungeeigneten Kandidaten zum Anlass für boshaftes Gelächter und den Spott einer feixenden Masse", sagt Pörksen. Aber am Ende des Tages regiere auch in dieser Show der "Triumph des Gekünstelten", das offensichtlich an Reiz verloren habe. "Ich glaube, dass die große Zeit der Castingshows zu Ende geht", meint der Medienforscher.

"Unsere Zuschauer und wir sind froh, dass Bernhard Pörksen in der Wissenschaft arbeitet und nicht als Programmdirektor", reagiert eine Sprecherin von ProSiebenSat1. Schon die Karriere der ersten "The Voice of Germany"-Siegerin Ivy Quainoo zeige, dass Pörksen irre. Von den sinkenden Quoten zeigt sich der Sender unbeeindruckt. Der Marktanteil der zweiten Staffel von "The Voice of Germany" liege bei sehr starken 23,3 Prozent in der werberelevanten Zielgruppe, betont die Sprecherin. Wird es 2013 also eine dritte Staffel geben? "Natürlich, welche Frage!" Um die Produktion weiterer Superstars muss sich wohl niemand Sorgen machen.

Haiko Prengel, DPA DPA

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