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ZDF-Satire "Lerchenberg": "Das könnte auch die AOK sein"

Selbstironie zum 50. Geburtstag: Mit der neuen Sitcom "Lerchenberg" macht sich das ZDF über sich selbst lustig und Sascha Hehn lästert über Sascha Hehn. Eine Mediensatire, der es etwas an Biss fehlt.

Mit dem Zweiten sieht man besser." Das ZDF hat schon so seine Besonderheiten: Von einer grünen Wiese etwas außerhalb von Mainz aus wird das Weltgeschehen beobachtet. Dort sollen Ideen entstehen für Fernseh-Glanz und Glamour. Dass diese Arbeit durchaus komische Seiten hat, zeigt das ZDF mit seiner neuen Sitcom "Lerchenberg". Der Sender will sich zu seinem 50. Geburtstag darin selbst auf die Schippe nehmen - und Schauspieler Sascha Hehn gleich dazu. An diesem Donnerstag (28. März, 22.45 Uhr) startet die Serie bei ZDFneo, im April ist sie auch im ZDF-Hauptprogramm zu sehen.

Und darum geht es: Die ZDF-Redakteurin Billie (Eva Löbau) soll Sascha Hehn zu einem Comeback verhelfen. Dafür muss Hehn etwa mit seinem deutlich jüngeren Kollegen Wayne Carpendale um eine Rolle in "Ein Fall für Zwei" buhlen. Der Schauspieler allerdings macht es der engagierten Redakteurin nicht sonderlich leicht. Schließlich hält Hehn sich für nicht weniger als den wohl bedeutendsten Schauspieler der Bundesrepublik. Außerdem hat er einen ziemlich schlechten Stand beim ZDF, weil er zu "Schwarzwaldklinik"-Zeiten mit der Freundin und der Mutter eines heutigen Redaktionsleiters im Bett war. Darum kam er - mit Leuten wie Thomas Gottschalk, Christoph Maria Herbst und sogar Heinz Erhardt - auf die "Giftliste" des Senders. "Wer einmal drauf ist, kommt so schnell nicht wieder runter", so der Kommentar.

Das wahre ZDF zeigen

Hehn spielt sich zwar selbst, allerdings eher nur dem Namen nach. Privat sei er längst nicht so unsympathisch, betont er. "Du spielst einen Sascha Hehn, der du eigentlich nicht bist und es wird schwer, nachher alle zu überzeugen, dass es nicht so war." Für den Frauenschwarm von früher ist "Lerchenberg" der erste Schritt zurück in die große Fernseh-Öffentlichkeit. Nach Dauerpräsenz in "Schwarzwaldklinik" und "Traumschiff" war er in der jüngsten Vergangenheit eher selten zu Gast auf den Fernsehbildschirmen. Vielleicht eine Fernseh-Romanze im Jahr reichten dem Schauspieler, der heute zurückgezogen in Bayern auf dem Land lebt. Jetzt kommt er zurück. Erst mit "Lerchenberg" - und dann als "Traumschiff"-Kapitän.

Doch nicht nur Hehn spielt sich selbst, das ZDF auch. Schauplatz und Drehort ist die Senderzentrale auf dem Lerchenberg in Mainz. Das Ziel: Eine satirische Auseinandersetzung mit dem Geschehen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. "Wir fanden, dass das dem ZDF unter selbstironischen Gesichtspunkten gut zu Gesicht stehen würde", heißt es aus der zuständigen Redaktion des Kleinen Fernsehspiels. "Wie fühlt man sich als Redakteurin in einem Hochhaus, das auf der grünen Wiese steht und in dem 3000 Leute arbeiten - mitten in der Provinz? Das ZDF hat schon Besonderheiten", sagt Produzent Florian Schneider.

"Mich stört es immer, wenn irgendwo ein fiktiver deutscher Fernsehsender vorkommt, der aussieht, wie eine amerikanische Werbeagentur. Wir wollten tatsächlich das ZDF zeigen, wie es aussieht", sagt Regisseur Felix Binder. In der Serie gibt es den Golf spielenden Redaktionsleiter und die hübsche, blonde Volontärin, die sich an die männlichen Kollegen ranschmeißt und weiblichen gnadenlos ausbootet.

Fernsehen für Fernsehmacher?

Hehn sagt in der Serie Sätze wie "Es ist eben nicht leicht, wenn man in Mainz anspruchsvoll sein will" und empfiehlt Redakteurin Billie Bestechung. Ohne werde sie es beim ZDF nicht weit bringen. Der Sender betonte bei der Präsentation der Serie, in der Realität gebe es natürlich keine Promi-Giftliste beim ZDF. "Es ist alles fiktional und erfunden."

"Ich habe gedacht, die wollen mich verarschen", sagt Hehn über den Moment, als ihm die Rolle angeboten wurde. Dann aber habe ihn die Idee überzeugt. "Wenn man mutig genug ist, sich selbst zu verarschen, dann ist das eine große Herausforderung." Und davon gebe es im Fernsehen heute schließlich nicht mehr viele. "Wo kriegt man so etwas überhaupt angeboten?"

Als Mediensatire ist die ZDF-Serie angelegt - und streckenweise ist das, was die Macher da über den Sender erzählen, auch wirklich amüsant, wenn auch nicht übermäßig bissig. Jeder, der irgendwann einmal einen Fuß in das Bürogebäude auf dem Lerchenberg gesetzt hat, dürfte schnell Parallelen zur Realität entdecken. Ob auch Nicht-Medienmacher einen Zugang dazu finden, daran hatte Regisseur Binder zunächst Zweifel. "Funktioniert Fernsehen über Fernsehen?", habe er sich gefragt. Er ist aber zuversichtlich. "Leute, die sich mit Fernsehen nicht so auskennen, werden sich vielleicht wundern, wie es dort, wo Fernsehen gemacht wird, wirklich aussieht. Das ist ja ein Bürogebäude. Das könnte auch die AOK sein."

Britta Schultejans, DPA / DPA