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Kulturelle Aneignung Das sagen Uschi Glas, Sigmar Gabriel und andere zum Winnetou-Eklat

Szenenbild aus "Der junge Häuptling Winnetou"
Szenenbild aus dem Kinofilm "Der junge Häuptling Winnetou"
© Leonine/dpa
Seit der Ravensburger-Verlag sich entschied, einige Winnetou-Bücher aus dem Verkauf zu nehmen, wogen die Wellen in der Gesellschaft hoch. Auch zahlreiche Prominente mischen sich in die Debatte ein. Mit teils sehr unterschiedlichen Haltungen.

Es ist eine Frage, über die sich die Gemüter im Sommerloch enorm erhitzen: Handelt es sich bei Geschichten über den Häuptling Winnetou um eine Form der kulturellen Aneignung? Sind sie gar rassistisch? Diese Debatte führt ganz Deutschland angesichts einer aktuellen Entscheidung des Ravensburger Verlags. Die Lager sind sehr klar gespalten.

Im Mittelpunkt stehen zwei Begleitbücher zum Film "Der junge Häuptling Winnetou". Der Verlag habe "viele negative Rückmeldungen" zu den Büchern erhalten, deshalb nehme man sie nun aus dem Verkauf. Konkret geht es um Vorwürfe, die Bücher würden das Leben der amerikanischen Ureinwohner romantisieren, sie seien deshalb rassistisch. "Auch wenn es sich um einen klassischen Erzählstoff handelt, der viele Menschen begeistert hat: Der Stoff ist weit entfernt von dem, wie es der indigenen Bevölkerung tatsächlich erging", erklärte der Verlag seine Entscheidung.

Winnetou-Debatte: wütende Reaktionen

Die Entscheidung sorgt für aufgeregte Debatten. Uschi Glas, selbst durch den Film "Winnetou und das Halbblut Apanatschi" bekannt geworden, äußerte gegenüber der "Bild" ihr Unverständnis. Sie glaubt, dass die Debatte das Bild der amerikanischen Ureinwohner in den Romanen falsch darstellt. "In den Filmen und den Romanen gibt es Gute und Böse. Sie haben weiße oder rote Haut. Es bildet das echte Leben ab"; erläutert sie. Die Kritik will die 78-Jährige nicht akzeptieren. "Man soll doch aufhören, hier auf Biegen und Brechen einen Anlass zu finden, über etwas zu schimpfen", findet sie.

Auch der ehemalige SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel stellt sich gegen den Schritt. "Als Kind habe ich Karl Mays Bücher geliebt, besonders Winnetou. Als mein Held starb, flossen Tränen. Zum Rassisten hat mich das ebenso wenig gemacht wie Tom Sawyer&Huckelberry Finn", schreibt er bei Twitter. Auch CDU-Politiker Tino Sorge sieht das ähnlich. "Winnetou und Old Shatterhand waren meine Helden und haben zum Träumen angeregt. Wer dies Kindern heute versagt wegen 'kultureller Aneignung', dem ist wirklich nicht mehr zu helfen."

Auch Sportmoderator Frank Buschmann bläst ins selbe Horn. Und geht noch einen Schritt weiter: "Extreme Linke moralisieren die Gesellschaft kaputt und die extremen Rechten sammeln ein", wirft er den Befürwortern des Schritts vor. "Das kann doch niemand wirklich wollen! Also ich wollte immer wie Winnetou sein und nicht wie die blöden und bösen Cowboys! Leute, hört bitte auf mit diesem Wahnsinn."

... auf beiden Seiten

Diese Argumentation will der Chef-Redakteur des Fußball-Magazins "11 Freunde", Philipp Köster, so nicht stehen lassen. "Frank Buschmann, wie er der Welt erzählt, dass wegen ein paar Winnetou-Büchern die Leute rechtsradikal wählen und Ausländer durch die Straßen jagen", schreibt er zu einem Video eines offensichtlich angetrunkenen Mannes, der bei einem Fußball-Spiel auf eine Frau einredet.

Auch Aktivistin Jasmina Kuhnke will die Argumentation nicht stehen lassen. "Rassismusbetroffene, in diesem Fall Indigene, die sich gegen Winnetou äußern, sind halt auch selbst Schuld, wenn Deutsche deshalb zu Faschos werden", antwortet sie an Frank Buschmann gerichtet. Und legt einen Screenshot nach, der zeigt, dass der Moderator sie blockiert hat.

SPD-Politiker Ralf Stegner scheint bereits von der Debatte an sich genervt zu sein – ohne sich positionieren zu wollen. "Kann mal jemand bitte diese schwachsinnige Winnetou-Debatte beenden? Morgens um 9 Uhr kann das doch noch kein Sonnenstich sein, oder", schimpft er bei Twitter. Und bekommt von beiden Seiten Zuspruch und Anfeindungen.

Quelle:Twitter

mma

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