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Depardieu lässt Anhörungstermin platzen: Rundflug über Montenegro statt Gerichtssaal

Depardieu und kein Ende: Der Filmstar hat sich einen Strafprozess eingefangen. Er schwänzte einen Anhörungstermin in Paris und reiste stattdessen nach Montenegro.

Gérard Depardieu blüht nach seinem Roller-Unfall mit 1,8 Promille ein Strafprozess, weil er in Paris einen Justiztermin verpasst hat. Der 64-Jährige, der zuletzt mit seinem neuen russischen Pass viel Wirbel machte, erschien am Dienstag nicht wie vereinbart zu einer Anhörung für ein vereinfachtes Verfahren. Nun werde es innerhalb einiger Monate einen Termin vor einem Strafgericht geben, sagte Depardieus Anwalt Eric de Caumont.

Das Fehlen des Schauspielers begründete der Anwalt mit beruflichen Verpflichtungen im Ausland. Wegen eines neuen Filmprojekts, das in der zweiten Januarhälfte in New York starten solle, habe Depardieu am Dienstag "unbedingt" an einem Treffen mit den Produzenten "in einem Balkanland" teilnehmen müssen.

Tatsächlich wurde Depardieu in Montenegro gesichtet. In Begleitung von Kultusminister Branislav Micunovic habe er die alte Hauptstadt Cetinje besichtigt und sei dann per Hubschrauber in die Urlauberhochburg Budva gebracht worden, berichteten die örtlichen Medien. Montenegros Regierung hatte Depardieu nach Medienberichten noch vor Russland einen Pass angeboten.

Staatsanwaltschaft lehnte Vertagung ab

Depardieu stellte klar, dass er nicht vor der französischen Justiz auf der Flucht sei. "Ich bin nicht vor dem Gericht geflüchtet und auch nicht vor der Justiz", sagte Depardieu am Dienstag nach einem Gespräch mit dem montenegrinischen Regierungschef Milo Djukanovic in Podgorica. Die Reise nach Montenegro sei vorab geplant gewesen, und er habe das Gericht in Paris darüber informiert. Er sei bereit, vor Gericht zu erscheinen, "wenn ich dort bin und mich verteidigen kann".

Depardieu hatte beantragt, den Termin am Dienstag erneut zu verschieben. Doch bereits im Dezember war eine Anhörung nicht zustande gekommen, weil der Schauspieler eine Verschiebung beantragt hatte. Diesmal hatte die Staatsanwaltschaft die Vertagung abgelehnt.

Vereinfachtes Verfahren ist gescheitert

Bei dem damit gescheiterten vereinfachten Verfahren hätte die Staatsanwaltschaft eine mildere Strafe anbieten können, wenn der Star seine Schuld eingestanden hätte. Da Depardieu nicht erschienen ist, kommt es nun zu einem normalen Gerichtsverfahren.

Depardieu war Ende November mit 1,8 Promille in Paris mit seinem Roller gestürzt. In Frankreich sind maximal 0,5 Promille Alkohol im Blut erlaubt. Nach dem Unfall war Depardieu auch vorübergehend in Polizeigewahrsam. Der Filmstar blieb unverletzt, Dritte waren nicht beteiligt. Fahren unter Alkoholeinfluss kann in Frankreich mit Haft bis zu zwei Jahren und einer Geldstrafe von bis zu 4500 Euro geahndet werden. Schon 1998 war Depardieu nach einer Alkoholfahrt zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden.

kave/DPA/AFP / DPA