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Im Rolls-Royce durch München: Ihre Fahrt mit Joko kostete sie nur eine Geschichte – aber die muss es in sich haben!

Eine Fahrt im edelsten Auto der Welt bei Joko Winterscheidt? Sehr gern – es gibt nur einen winzigen Haken. Ihr müsst mit eurer besten Geschichte herausrücken. Denn das einzige, was Joko mehr mag als Autos, sind gute Storys. Steigt ein!

Von Joko Winterscheidt

Joko Winterscheidt sitzt mit Phillip auf der Rückbank des Rolls-Royce

Thanks for the ride, Joko! Pro Fahrt mit dem Rolls-Royce bekommt Herr Winterscheidt eine Geschichte auf die Ohren. So ist der Deal.

Als die Redaktion mich anrief und fragte, ob ich kurzfristig im neuen Rolls-Royce Phantom durch die Gegend gefahren werden wollte, sagte ich ihnen freundlich, aber bestimmt, dass sie sich jemand Dümmeres zum Verarschen suchen müssten. Seit Anbeginn dieses Heftes versuche ich nämlich, geile Karren auf seine heiligen Seiten zu bringen. Und seit Anbeginn dieses Heftes sagten mir dessen hochverehrte Redakteure, dass wir, ich zitiere, "kein Automagazin" seien, dass wir "pferdestarke Geschichten bräuchten, keine Pferdestärken". Dass ich gern für die "ADAC Motorwelt" testen könne oder mir einfach meine Lieblingsschlitten kaufen solle, ich sei ja reich. Haha. Lustig.

Ab in die güldene Kutsche. Der Fahrpreis: Eine Geschichte

Als das Angebot mit dem neuen Phantom VIII also kam, glaubte ich nicht, wirklich in diesem Tempel von Limousine zu sitzen, bis ich wahrhaftig mit meinen unwürdigen Fingern die "Emily" streichelte, diese kleine silberne Figur vorn auf dem Kühler eines jeden Rolls-Royce. Und weil ich, entgegen aller Gerüchte, ein guter Mensch bin, geteilte Freude eben doppelte Freude ist (bei Autos noch mehr), wollte ich meine Fans an dieser himmlischen Frühlingsausfahrt teilhaben lassen. Also rief ich über die motoraffinen Münchner auf, sich zu melden und nonchalant zuzusteigen in meine güldene Kutsche. Der Fahrpreis: eine Geschichte. Denn das Einzige, was ich mehr mag als Autos, sind gute Storys.

Willkommen im Geschichtentaxi: Fahrgäste schütten Joko ihr Herz aus
Bitte einsteigen – und her mit euren dunkelsten Geheimnissen!

Bitte einsteigen – und her mit euren dunkelsten Geheimnissen!

 

Ganz ehrlich: Wer wollte denn nicht einmal in so einem krassen Auto fahren, in dem sonst nur Milliardäre und TV-Stars befördert werden? Ein Auto, so krass, wie mir bald auffiel, dass die Leute mich überhaupt nicht sahen, als wir durch die Stadt cruisten. Die Passanten freuten sich lieber über das Auto, statt wie sonst Fotos von dem Fernsehkasper zu machen. Am besten gefallen hat mir der ältere Herr im Maßanzug, der uns vom Bürgersteig beide Daumen nach oben entgegenstreckte. "Ich freue mich, wenn junge Leute solche Autos fahren", rief er ganz begeistert, "dann steigen meine Aktien." Er wusste nicht, wer ich bin. Der Glückliche.

"Wir gehen vertrauensvoll damit um. Wir sind Journalisten, keine Schweine"

Die etwas jüngeren Fahrgäste hingegen schon. Und siehe, kaum waren wir ein paar Meter leise vor uns hin geglitten, schütteten sie mir ihr Herz aus. Verrieten ihre dunkelsten Geheimnisse und irrsten Erlebnisse.

Sie waren so ehrlich, dass ich ihnen mehrfach versichern musste: "Wir gehen vertrauensvoll damit um. Wir sind Journalisten, keine ." Damit hatte ich nicht nur einen neuen Leitspruch für dieses Magazin geprägt. Ich hatte es der Redaktion auch gezeigt: Traumautos und hochqualitativer Journalismus mit dem Ohr an der Zielgruppe – sie passen so perfekt zusammen wie die Kühlerfigur-Emily und ich.  

Ob ich damit für alle Zeiten für andere Autos versaut bin? Ob das hier Schleichwerbung ist, ein ausnahmsweise passender Begriff, weil dieses Auto so leise ist, dass es quasi durch die Stadt schleicht? Ob ich mir jetzt eins kaufe? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich jederzeit wieder mit dem Geschichtentaxi durch die Stadt fahren würde. Willkommen im Phantom der Opfer!

Phillip – Das Stockholm-Syndrom

Es begann schon im Flugzeug. Weil der Alkohol in Schweden bekanntlich teurer und schwerer zu bekommen ist, hatten wir uns im Duty Free ordentlich eingedeckt mit Wodka und anderem Zeug. Und weil so ein Flug von Deutschland nach lang werden kann, haben wir schon langsam angefangen, uns in nordische Stimmung zu trinken. Über den Wolken bringt es bekanntlich mehr. In Stockholm angekommen, waren von uns halbem Dutzend Jungs mindestens zwei schon deutlich angeschlagen. Einer so stark, dass wir ihm, als wir die geile Airbnb-Wohnung wieder gen Stadt verlassen wollten, die Schuhe anziehen mussten. Nach dem Motto: Keiner wird zurückgelassen!

Es ging immer lustig weiter, sodass wir bald einen Kumpan heimbringen mussten, der just das Treppenhaus renovierte (aka vollkotzte), während der andere, dem wir in die Schuhe geholfen hatten, im Stehen einschlief. Wir legten die dreisten zwei ins Bett (Stichwort stabile Seitenlage!), gingen wieder aus, kamen entgegen aller Wahrscheinlichkeit wieder heim – da wachte der eine auf und beschwerte sich, wann wir denn jetzt endlich losgingen. Dass er den ganzen Spaß verpennt hatte, wollte er nicht glauben. Na ja, Stockholm ist eine schöne Stadt! Thanks for the ride, !

Johannes* – Eine Pille, sie EWIG zu binden, ins Dunkel zu treiben

Diese Geschichte muss unbedingt anonym erscheinen, also bitte macht mich auf den Fotos unkenntlich (haben wir thematisch passend natürlich gern gemacht, Anmerkung der Redaktion). Nun, vor vielen Jahren, ich war noch jung, ging ich mit einer Frau aus. Ich wollte sie verführen, in dieser Nacht. Ich war nervös. Denn sie gefiel mir wirklich sehr gut, also, Hand aufs Herz: Ich war schon ein bisschen verknallt. Ob das mit uns heute Nacht klappen würde? Ob es für sie auch etwas Ernstes war? Wie würden wir unser erstes Kind nennen? Um auf Nummer sicher zu gehen, nahm ich, als wir endlich bei ihr waren und alle Zeichen auf Angriff standen, eine dieser kleinen blauen Pillen, die Standfestigkeit garantieren. Ich wusste allerdings nicht, wie heftig die Nebenwirkungen sein können. Ich bekam, neben einer stattlichen Erektion, heftige Kopfschmerzen. Noch schlimmer aber: Die Teufelspille wirkte abführend. Und zwar subito. Ich merkte, dass ich auf die Toilette musste. Jetzt. Sofort. Ernsthaft.  Und sie, na ja, bemerkte das auch. "Ist was mit dir?", fragte sie. Es war was, aber was, konnte ich ihr nicht sagen. Ich entschuldigte mich und fuhr so schnell ich konnte nach Hause. Aber es war zu spät. Ich konnte nichts mehr, vor allem nichts mehr zurückhalten. Und so schiss ich mir, statt die Frau meiner Träume endlich nackt zu sehen, in meinem tiefergelegten Lupo in die Hose. Fast niemand weiß bis heute von dieser maximalen Peinlichkeit. Auch nicht die Frau. Wir waren tatsächlich danach zwei Jahre zusammen, erzählt habe ich es ihr nie. Bitte, bitte geht damit vertrauensvoll um. 

Alexander* – Ferris macht blau

Alex hat uns diese Geschichte nie erzählt, weswegen wir auch seinen Namen ändern, wobei er uns ja nie etwas erzählt hat, aber man weiß ja nie. Denn Alex war an diesem schönen Tag in München gar nicht da, offiziell. Sein Arbeitgeber jedenfalls dachte, er muss einen wichtigen Termin bei einem Kunden wahrnehmen. In Wirklichkeit aber wollte er nur mit einem Kollegen zum Champions-League-Halbfinale Bayern gegen Real. Das Spiel des Jahres in der Allianz-Arena. Und um dafür freizubekommen, hatten sie unter Einweihung einer weiteren Kollegin einfach blaugemacht, ein bisschen geflunkert, ihr kennt das ja. Nun spazierten die zwei seelenruhig durch die bayerische Sonne, voller Vorfreude auf die Königsklasse. Das alles erzählte uns Alex natürlich nicht im Fond dieser Limousine, als wir nicht mit ihm um den Englischen Garten kreisten. Insofern ist es auch nicht schade, dass Bayern am Abend mit 1:2 verlor, denn Alex, der gar nicht so hieß, war ja nicht da. So langsam bin ich auch verwirrt. Egal. 

*Namen von der Redaktion geändert

Diese Geschichte stammt aus der dritten Ausgabe von JWD – Joko Winterscheidts Druckerzeugnis. Zu finden auch hier.


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