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Scheidung inklusive: In diesem Luxushotel kann man sich richtig angenehm scheiden lassen

Ein Wochenende im Luxushotel. Zu zweit. Na ja, und mit Anwälten, Notaren und dem Ende einer Ehe. Entspannend!

Von Nele Justus

Das Ende ihrer Ehe besiegeln Kathrine und Jonathan mehr als angemessen – in einem romantischen Hotel, mit Champagner und einem Trinkspruch: auf die guten Zeiten, auf ihre vier Kinder und auf ein neues, getrenntes Leben. Nach 21 Jahren haben sie gerade ihre Scheidungspapiere unterschrieben. Haus, Rentenpläne, Sorgerecht, Unterhalt: All die Dinge, über die andere monatelang, manchmal auch jahrelang streiten, haben sie in nur 48 Stunden aus­ einanderdividiert.

Freitag verheiratet einchecken und am Sonntag single wieder aus­checken: Das ist die Idee von Divorce Hotel. Das Unternehmen arbeitet mit bestehenden Boutiquehotels in den Niederlanden, Großbritannien und den USA zusammen und bietet das schnelle Ehe­-Aus zu einem Fixpreis an.

10.000 Dollar für eine Scheidung? Schnäppchen!

10.000 Dollar haben Kathrine und Jonathan bezahlt. Ihre zwei Einzelzimmer, eine Besprechungssuite, die Mediatorin, ein Notar, zwei Anwälte, Dinner und Goodie Packs waren im Preis inklusive. Klingt erst mal verdammt teuer. War es aber nicht. "Eine einvernehmliche Scheidung kostet in Amerika schnell mal zwischen 20.000 und 30.000 Dol­lar", sagt Kathrine. Dagegen war ihr Wochenende schon fast ein Schnäppchen.

Vom Divorce Hotel haben sie übers Radio ge­hört. "Uns gefiel der Gedanke, alles so schnell wie möglich über die Bühne zu bringen, und das in einer neutralen Umgebung, ohne Familie und Freunde, die einem ständig reinreden." Sie wollten nicht als eines dieser Paare enden, die sich vor Gericht zerfleischen und nur noch über Anwälte kommunizieren. Stattdessen haben sie an diesem Wochenende so viel Zeit miteinander verbracht, wie schon seit Jahren nicht mehr. "Absurd, oder?", sagt Kathrine. "Um den Kopf freizukriegen waren wir zusammen biken. Und abends sind wir sogar noch in so ein niedliches Restaurant gegangen. Es ist traurig genug, eine Ehe zu beenden. Aber wir haben das Beste draus gemacht."

Die Kurz-und-schmerzlos-Variante

Der Kopf hinter dem Ganzen ist der niederländi­sche Marketingfachmann Jim Halfens. Er hat vor acht Jahren das Divorce Hotel gegründet, ausgerechnet am Valentinstag. "Scheidungen sind schmerzhaft, ineffizient, teuer und dauern oft viel zu lang. Das ist überall auf der Welt dasselbe", sagt der 39­Jährige. Deswegen hat er sich seine Marktlücke gesucht: die Kurz-­und­-schmerzlos­-Variante. "Eine Scheidung muss man sich wie eine Zeitbombe vorstellen. Mit jedem Tag, den man wartet, steigt das Risiko, dass einem alles um die Ohren iegt."

Cover der ersten Ausgabe von JWD.

Die erste Ausgabe von JWD gibt es ab jetzt am Kiosk zu kaufen – oder hier.

Wie viele Paare sich mittlerweile über Divorce Hotel haben scheiden lassen, kann und will er nicht genau sagen. "Bei hundert habe ich aufgehört zu zählen." Fakt ist aber: Jedes Mal nach den Feiertagen und den großen Sommerferien boomt das Geschäft. Die Wochenend­-Scheidung ist allerdings nicht jeder­manns Sache. Etwa eines von drei Paaren sei nicht geeignet. Wer passt und wer nicht, ermittelt sein Team in Vorgesprächen und durch einen langen Fragen­katalog. "Dabei geht es mehr um das Mindset – dass beide Partner an einer Einigung interessiert sind – als darum, ob sie vier Häuser, drei Autos, zwei Kinder und eine Firma aufteilen müssen." Für jedes Paar wird eine individuelle Agenda fürs Wochenende erarbeitet und die nötigen Experten gebucht. "Und dann ist es ein bisschen wie ein Arbeitswochenende", sagt Halfens. Denn auch wenn Divorce Hotel wie Scheidung light um die Ecke kommt, bleiben die zu lösenden Probleme doch die gleichen, nur das Zeit­fenster ist eben deutlich knapper bemessen.

Das Ganze hat jetzt aber doch noch einen gravierenden Haken: Die All­inclusive-­Scheidung wird es vorerst nicht bei uns geben. "Ich denke, die Deutschen sind jetzt noch nicht bereit für Divorce Hotel. Sie sind generell etwas konser­vativer." Aber er lässt sich nur zu gern vom Gegenteil überzeugen. Also Leute, legt los.

Diese Geschichte stammt aus der aktuellen Ausgabe von JWD – Joko Winterscheidts Druckerzeugnis. Zu finden auch hier.

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