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"Ausweglose Krankheit": Gunter Sachs begeht Selbstmord

Er war Gentleman-Playboy, Kunstsammler, Fotokünstler und Astrologe: Gunter Sachs hatte vielfältige Talente. Er starb am Samstag im Alter von 78 - durch Suizid. Sachs litt an einer "ausweglosen Krankheit", gab seine Familie bekannt.

Gunter Sachs hat sich wegen einer "ausweglosen Krankheit" das Leben genommen. Das geht aus seinem Abschiedsbrief hervor, den die Familie am Sonntag mit der Bestätigung vom Tod des deutschen Fotografen, Kunstsammlers und legendären Playboys veröffentlichte. Der 78-Jährige war am Samstag in seinem Schweizer Chalet in Gstaad tot aufgefunden worden. "Er war eine einmalige Persönlichkeit, die stets gradlinig und mit Herz für seine Familie und Freunde da gewesen ist", heißt es in der Erklärung. Laut Focus Online soll Sachs am Freitag in Gstaad beigesetzt werden. Die Site des Magazins Focus berichtet auch von Depressionen des früheren Playboys, der sich erschossen haben soll.

Seine Ex-Frau Brigitte Bardot sei über den Tod informiert worden und "zusammengebrochen", teilte ihre Stiftung mit. Sie habe auch nach der Scheidung "eine sehr enge Verbindung mit Gunter Sachs" gepflegt, der sie seit 20 Jahren bei ihrer Tierschutz-Stiftung unterstützte.

Sein Leben

Sachs wird am 14. November 1932 in der Nähe von Würzburg geboren. Sein Vater ist der Großindustrielle Willy Sachs, dem der Sachskonzern (unter anderem der Autozulieferer Fichtel & Sachs) allein gehört, sein Urgroßvater kein Geringerer als Adam Opel. Seine Eltern trennen sich früh, daher wächst Sachs bei seiner Mutter Eleonore von Opel in der Schweiz auf. 1958, im Alter von 26 Jahren, muss er zwei schlimme Nachrichten verkraften: Seine erste Frau Anne-Marie Faure stirbt durch einen Narkosefehler, sein Vater begeht Selbstmord.

In der Folgezeit erwirbt sich Sachs vor allem einen Ruf als internationaler Playboy und wird Deutschlands Aushängeschild im Jetset. Dabei weiß Sachs seinem extravaganten Lebensstil auch immer eine ernsthaftere Seite entgegenzusetzen. So ist er bis Ende der 1970er Jahre Aufsichtsratsmitglied bei Fichtel & Sachs. Seite Mitte der 1960er Jahre baut der Unternehmer zudem eine internationale Kette von Modeboutiquen auf.

Groß sind seine Verdienste für St. Tropez, das in den frühen Sechzigern noch ein unbedeutendes Fischerdorf ist, bis Sachs dort Einzug hält. Später bringt er auch das schweizerische St. Moritz societymäßig nach vorne. 1966 heiratet Sachs Bardot. Die Ehe hält nur drei Jahre. Glücklicher wird Sachs mit dem schwedischen Modell Mirja Larsson, das er 1969 ehelichte. Sie ist bis zuletzt die Frau an seiner Seite. Sachs hatte drei Söhne: Rolf aus erster Ehe, Christian Gunnar und Claus Alexander mit Mirja.

Die vielen Facetten des Gunter Sachs

Sachs macht sich als Kunstsammler genauso einen Namen wie als hochbegabter Fotograf. Er baut sich eine der bedeutendsten Sammlungen zeitgenössischer Kunst in Europa auf. In Hamburg hat er zeitweilig eine eigene Galerie. In München, Lausanne, London und New York unterhält er Fotostudios und veröffentlicht Fotobände. Seine Fotos werden in mehr als 40 Ausstellungen weltweit gezeigt. Auch hier huldigt Sachs der Weiblichkeit. Eine weitere Leidenschaft des Playboys: die Astrologie. Sein Buch "Akte Astrologie" wurde 1997 zum Bestseller.

Seine Interessen sind bis zum Tod vielfältig. Nach der Fußball-WM 2010 macht Sachs kurz mit einer Kampagne für größere Tore auf sich aufmerksam. Er stört sich an den wenigen Toren, die in Südafrika gefallen waren. Später macht er gegen Apple mobil. Sachs hatte sein Passwort vergessen, konnte sich in einem Münchener Laden ohne Auweiskontrolle für seinen Rechner wieder freischalten lassen. Für den Millionär ein "größerer Skandal als Wikileaks". Er setzt seine Anwälte auf den Konzern aus Kalifornien an.

Bis zuletzt soll Sachs mit Frau Mirja zwischen mehreren Villen und Eigentumswohnungen hin- und hergependelt sein. Er ist ein Weltbürger und lebt in der Schweiz, Frankreich, USA, England, Österreich und Oberbayern. Bis zu seinem Tod am Samstag deutet zumindest öffentlich nichts darauf hin, dass Sachs Probleme haben könnte, die ihn bis zum Suizid treiben. Doch durch seinen Abschiedsbrief kommt raus: Er litt an der "ausweglosen Krankheit A." - also an Alzheimer.

ben/swd/AFP/ben / AFP