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Sexismus-Vorwurf gegen "TV Total" Sie stehen für Toleranz – doch bei Witzen auf die eigenen Kosten werden die Liberalen moralisch

"TV Total" mit Sebastian Pufpaff
Sicher nicht "die schärfste Biene" im deutschen TV: der Moderator Sebastian Pufpaff
© Henning Kaiser / DPA
Bei "TV Total" kürte Sebastian Pufpaff "die schärfste Biene des Bundestags". Ausgerechnet die FDP, sonst Hort von Freiheit und Toleranz, wirft der Sendung Sexismus vor. Dabei hätte man auch ganz anders reagieren können.
Von Christina Klein

Ja, auch 2021 müssen wir noch über Sexismus reden. Aber vielleicht sollten wir langsam auch anfangen über Satire zu sprechen. Der Grad ist manchmal schmal, wo das eine anfängt und das andere aufhört. Ausgelöst hat den aktuellen Medienstreit ein Beitrag von Sebastian Pufpaff, der in der ProSieben-Sendung "TV Total" "die schärfste Biene des Bundestags" kürte. Die FDP-Politikerin und Bundesvorsitzende der Jungen Liberalen, Franziska Brandmann, hat ihm daraufhin öffentlich Sexismus und Demütigung vorgeworfen.

In der vergangenen Woche war der Linken-Politiker Gregor Gysi zu Gast bei "TV Total" und hatte sich tapfer den pikanten Fragen des Moderators gestellt. Auf die Frage, wer denn "die schärfste Biene im Bundestag" sei, verwies Gysi auf die FDP, ohne präziser zu werden: "Sag ich nicht. Selber finden." Pufpaff und sein Team begaben sich die darauffolgende Woche auf die Suche und fanden gleich zwei Damen.

Während der Ausstrahlung der Sendung vom 24. November brach der Server der Homepage der FDP zusammen und die gesamte Seite war, laut Pufpaff, nicht mehr zu erreichen. Auch die Suchanfragen bei Google für "die schärfste Biene der FDP" schnellten in die Höhe. So viele Zugriffe auf einmal hatte die Page der Liberalen scheinbar noch nicht mal zu den Bundestagswahlen verzeichnen können.

Hier benennt Sebastian Pufpaff "die schärfste Biene im Bundestag":

"Und diese Biene, die ich meine, nennt sich..."? Das klärte Sebastian Pufpaff am vergangenen Mittwoch in seiner Show auf - und führte dem Publikum zwei Politikerinnen vor. Daraufhin ließ JuLi-Chefin Franziska Brandmann ihrem Ärger bei Twitter freien Lauf:

Natürlich ist diese optische Bewertung der beiden FDP-Mitgliederinnen nicht zeitgemäß und ganz sicher auch sexistisch. Doch ist es im satirischen Sinne verboten, derartige Witze zu machen? Schließlich - und das ist die Pointe der Nummer - handelt es sich bei der laut Sebastian Pufpaff "schärfsten Biene" um einen Mann: FDP-Chef Christian Lindner.

Man muss das nicht übermäßig lustig finden. Aber von den Liberalen, die auf ihrer Website die Definition "Liberalismus= Freiheit + Verantwortung + Toleranz" niedergeschrieben haben, hätte man vielleicht ein wenig mehr Freiheit und Toleranz erwarten können.

Anstatt selbst mit Humor zu kontern, reagieren die Liberalen mit einem Empörungs-Reflex, den sie sonst den Grünen gerne unterstellen. Es wäre doch viel interessanter geworden, hätte man die sexistische Satire des Moderators mit einem Augenzwinkern gekontert. Etwa so: "Lieber Herr Pufpaff, danke für die optische Anerkennung unserer Abgeordneten, die sexistisch und nicht mehr zeitgemäß ist, aber unserer Partei dennoch Aufmerksamkeit schenkt. Leider können wir Ihnen den Titel für 'die schärfste Biene' im deutschen TV an dieser Stelle nicht verleihen."

Eine Reaktion dieser Art hätte trotzdem betont, dass der Witz von Pufpaff ein wenig aus der Zeit, zurück in den Sexismus, gefallen ist. Jedoch hätte die Partei selbst Humor bewiesen. Satire lebt schließlich davon, auch mal über das Ziel hinauszuschießen. Und in dem Fokus auf das Aussehen steckte ja auch irgendwo ein Kompliment an die beiden Damen.


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