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Abgewatscht - der satirische Wochenrückblick: Guildo for President!

Er könnte sogar die Visitenkarten übernehmen: Guildo Horn heißt eigentlich Horst Köhler - und drängt ins Präsidentenamt. Währenddessen spielt Ralph Siegel mal wieder die beleidigte Schlagerwurst.

Von Stefan Mielchen

Was ist eigentlich los mit diesem Land? Nicht mal den ersten Grand-Prix-Sieg seit Menschengedenken können wir gebührend würdigen, ohne dass uns einer einen Strich durch die Partyrechnung macht. Kaum hatte Lena wieder deutschen Boden betreten, stahl ihr der Herr Bundespräsident mit seiner beleidigten Leberwursttirade einfach die Schau - ja wo gibt's denn so was. Dabei hätte doch gerade Horst Köhler wissen müssen, wie sich die Königin von Oslo fühlt - schließlich hat er selbst schon mal am Eurovision Song Contest teilgenommen. Leider nur mit einem siebten Platz und unter seinem Decknamen Guildo Horn, aber immerhin. Denn Guildo heißt im wahren Leben: Horst Köhler! Hätte man das früher geahnt - die Geschichte der Bundesrepublik wäre anders verlaufen.

Der "Meister" brachte sich Anfang der Woche folgerichtig selbst ins Gespräch für die eigene Nachfolge. Und dies mit einem Argument, dass in der größten Wirtschafts- und Finanzkrise seit Erfindung der Dinosaurier nicht von der Hand zu weisen ist: "Ich würde nicht viel kosten, für mich müssten keine neuen Visitenkarten und kein neues Briefpapier gedruckt werden", erklärte Horst Köhler der verdutzten Weltpresse. Er sei für das höchste Staatsamt qualifiziert, denn: "Ich habe unser Land bereits würdig vertreten und ich habe großen Rückhalt in der Bevölkerung." Auch andere Staatschefs müssten sich keinen neuen Namen merken, und als Gastgeschenk würde er Nussecken anbieten, betonte Köhler. Es kam bekanntlich anders. Der Neue soll bereits an einer Ruckrede arbeiten. Motto: "Christian hat Euch lieb!"

Siegel mimt die beleidigte Schlagerschnepfe

Der nach dem Bundespräsidenten zweitwichtigste Mann im Staate konnte in dieser Woche natürlich auch nicht stillhalten. Der selbsternannte "Mr. Grand Prix" Ralph Siegel gratulierte gewohnt unbescheiden und wenig selbstbezogen, indem er erklärte, noch immer der einzige Deutsche zu sein, der den Song Contest gewonnen habe. Schließlich handele es sich dabei um einen Komponistenwettbewerb. Ja, dann tritt doch auch zurück, du missgünstige Schlagerschnepfe! Oder noch besser: Für 2011 könnte Siegel ohne viel Aufwand den österreichischen Beitrag komponieren. Als Interpret brachte sich nämlich bereits kein Geringerer als Weltstar DJ Ötzi ins Gespräch. Da der bekanntlich nur alte Songs mit neuem Bums unters Volk wirft und somit nach den Grand-Prix-Regeln sofort disqualifiziert würde, wäre allen gedient. Ötzi könnte einen alten Siegel-Smash-Hit aufpolieren, mit dem schon Peter Alexander unseren Omis gefühligst die Schuhe auszog: "Und manchmal weinst Du sicher ein paar Tränen".

Aber vielleicht tritt ja auch Heino im nächsten Jahr einmal an. Denn den plagen momentan unangenehme Geldsorgen! Er ist jetzt endgültig auf 3,5 Millionen Euro sitzen geblieben, die er von der Versicherung für eine ausgefallene Tournee kassieren wollte - vergeblich. Man möchte es ja nicht so gerne laut sagen, aber Heino, der deutscheste unter den tümelnden Musikterroristen, hat alle Tugend über Bord geworfen und die Nation belogen! Eine Richterin warf ihm in dieser Woche gar "arglistiges" Vorgehen vor, bezog das aber nicht auf sein musikalisches Wirken sondern darauf, dass Heino tat, was wir alle schon mal gemacht haben. Er wollte die Versicherung beschummeln, was angesichts der Summe allerdings nicht unentdeckt blieb. Der Sänger hatte den Assekuranzlern einen Tinnitus verschwiegen und auch nicht erzählt, dass er binnen zweier Jahre 120 mal beim Arzt war und dort Rezepte für 600 Schlaftabletten abzockte . "Ich war noch nie im Leben krank" behauptete Heino hingegen steif und fest, was wiederum unmöglich erscheint. Kein Mensch kann über Jahrzehnte hinweg Volksmusik verbrechen, ohne selbst dabei Schaden an Leib und Seele zu nehmen.

Assauer sieht, "wo die Kacke liegt"

Nachdem in dieser Woche beschlossen wurde, dass Lena ihren Titel im kommenden Jahr selbst verteidigt, wird leider ein weiteres hoffnungsvolles Talent nicht zum Zuge kommen. Frauenvertrimmer Rudi Assauer hat seine notorische Zigarre für wenige Augenblicke aus dem Mund genommen, ein Plattenstudio betreten und dort Geräusche in ein Mikrofon gepresst. Manche sprechen sogar schon von Gesang. Aber soweit würde wohl selbst ein Supermacho wie Rudi nicht gehen. Gemeinsam mit dem in der amtierenden europäischen Kulturhauptstadt Essen weltberühmten Musikduo "Partybiker" hat die wandelnde kleine Kneipe Assauer einen Song verbrochen, der international bestimmt wie eine Rakete durchgestartet wäre - hätte nicht ein "Satellite" seine Bahnen gekreuzt: "Wenn der Schnee schmilzt, siehste, wo die Kacke liegt" heißt dieses ruhrpöttische Machwerk, das in der Branche fassungsloses Staunen ausgelöst hat. "Ich bin ja nicht der große Sänger vor dem Herrn", hat der Fußballrentner immerhin noch erkannt. Was wiederum keine schlechte Voraussetzung wäre, um im nächsten Jahr international zu reüssieren. Assauer für Aserbaidschan - twelve points!