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Tödlicher Unfall bei Baldwin-Film "Sie haben uns behandelt wie Hundekot": Crew-Mitglieder beklagten Dreh-Bedingungen

Die Bedingungen am Drehort des Baldwin-Westerns "Rust" sorgten schon vor dem tödlichen Unfall für Ärger
Die Bedingungen am Drehort des Baldwin-Westerns "Rust" sorgten schon vor dem tödlichen Unfall für Ärger
© Eddie Moore/ / Picture Alliance
Nur kurz bevor am Set des Westerns "Rust" ein tödlicher Schuss fiel, hatte ein Teil der Kamera-Crew den Drehort verlassen. Sie klagten über die schlechte Behandlung durch die Produzenten. 

Die Tragödie um die durch einen Schuss aus einer Requisiten-Waffe getötete Kamera-Frau Halyna Hutchins beherrscht seit Freitagabend die Schlagzeilen. Ein Teil der Crew hatte den Drehort nur wenige Stunden vor dem tragischen Unfall verlassen. Neben Sicherheitsbedenken hatten sie vor allem die schlechten Bedingungen der Mitarbeiter dazu veranlasst. Nun sind mehr Details zur Situation am Set bekannt geworden.

Den zum Kamera-Team gehörenden Mitarbeitern seien vor allem die langen Arbeitszeiten in Verbindung mit der enorm langen Anfahrt sauer aufgestoßen, berichtet die "Los Angeles Times". Demnach musste die Filmcrew jeden Tag von Albuquerque knapp 80 Kilometer zum abgelegenen Drehort auf der Bonanza Creek Ranch pendeln. Ursprünglich habe es geheißen, man werde im nahegelegenen Santa Fe untergebracht, so der Bericht. Da Drehtage um 6:30 begannen, bedeutete die knapp einstündige Fahrt extrem frühes Aufstehen, um pünktlich zum Drehbeginn zu erscheinen. Nach 12 bis 13 Stunden Dreh mussten die erschöpften Mitarbeiter wieder zurückfahren. 

"Behandelt wie Hundekot"

Einige Mitarbeiter machte das enorm wütend. "Die Produzenten dieses Films behandeln die Crew wie beschissenen Hundekot", klagte der Mitarbeiter Lane Luper schon am Donnerstagabend bei Facebook. "Wir kämpfen gerade darum, dass man uns Hotelzimmer besorgt, weil wir abends zu müde sind, um nach den langen Drehs noch eine Stunde nach Albuquerque zurückzufahren. Sie lehnen entweder ab oder wollen ein abgewracktes Motel buchen, das buchstäblich als Obdachlosenunterkunft genutzt wird", klagt er. "Eine Produzentin beschwerte sich sogar, dass sie für uns zehn Dollar mehr zahlen muss, als es die Obdachlosen tun." Zudem habe es Probleme mit nicht gezahlten Gehältern gegeben, heißt es in einer Reihe von Posts.

Der Ärger des Mitarbeiters dürfte auch deshalb so groß gewesen sein, weil der beim Film auch als Produzent gelistete Alec Baldwin sich gerade sehr positiv zur Filmgewerkschaft IATSE geäußert hatte. Die vertritt das Filmpersonal hinter der Kamera und hatte zuletzt in einem harten Streit um bessere Bedingungen gekämpft und vor einer Einigung am Donnerstag sogar mit Streik gedroht. Baldwin hatte vom Set von "Rust" aus ein zustimmendes Video gepostet und sogar zum Streik ermutigt. Die wütenden Antworten Lupers finden sich unter einem Facebook-Beitrag zu dem Clip.

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Gefährdung der Mitarbeiter?

Luper sah die Situation am Set als Sicherheitsgefahr. Ein Kollege habe eine Nacht in seinem Auto geschlafen, um nicht übermüdet fahren zu müssen. "Niemand an irgendeinem Filmset sollte im Auto auf einem Parkplatz schlafen müssen, um nicht bei der Heimfahrt zu sterben", schimpfte er. Versuche, eine Verbesserung auszuhandeln, seien wenig erfolgreich gewesen. Die Produzenten pochten demnach auf eine Branchenregelung, dass erst nach 14 Stunden Arbeit ein Hotel gestellt werden müsse. Weil aber die einstündige Mittagspausen beim "Rust"-Dreh nicht gezählt würden, müssten die Crew-Mitglieder effektiv 15-Stunden-Tage erreichen, um die Hotelzimmer einfordern zu können.

Als Kompromiss-Angebot seien 13 Stunden Arbeitszeit angeboten worden, was zu Drehtagen mit 12,5 Stunden geführt habe, berichtet Luper. Mit Pausen und Fahrt käme man so immer noch auf nur knapp acht arbeitsfreie Stunden am Tag. "Die meisten Leute hier schlafen nicht mehr als fünf Stunden die Nacht." Letztlich hätten er und seine Leute deshalb das Handtuch geworfen, heißt es in der letzten Nachricht. "Ihr werdet bestimmt davon hören." Wenige Stunden später überschattete der tödliche Unfall die Meldung.

Quelle:Los AngelesTimes, Facebook-Post

mma

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