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Angela Merkel in Bayreuth: Altes Kleid, neue Botschaft

Angela Merkel lässt sich einen Besuch der Richard-Wagner-Festspiele nicht nehmen. Auch in diesem Jahr war sie dort - in einem alten Kleid. Mich spricht sie damit an. Und zwar ziemlich konkret.

Von Ulrike Klode

Angela Merkel ist eine treue Seele. Jahr für Jahr besucht sie die Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth. Und natürlich wird - Jahr für Jahr - geschaut, was die Kanzlerin denn trägt, zu diesem gesellschaftlichen Ereignis, abseits vom politischen Tagesgeschäft in Berlin. Was für eine Überraschung: Sie trägt 2014 das Kleid von 2013 auf, genau wie sie 2012 das Kleid von 2008 trug. 2012 wurde ausgiebig darüber diskutiert, spekuliert, ihr unterstellt, dass sie damit ein Signal des Sparens aussenden wollte - mitten in der Eurokrise. Vielleicht weit hergeholt, damals.

Ich jedenfalls finde, dass es sie sympathisch macht, dass sie hin und wieder zum bewährten Fummel greift. Man könnte aus diesem Kleid nämlich wieder eine Botschaft rauslesen: "Liebe hart arbeitenden Frauen! Steht zu den Klamotten, die in Eurem Schrank schlummern. Stresst Euch nicht für die nächste Hochzeitseinladung, weil Ihr ein Kleid braucht, das Ihr nicht schon neulich bei einer Hochzeit getragen habt. Hetzt nicht noch nach der Arbeit kurz vor Ladenschluss durch die Geschäfte. Setzt Euch stattdessen lieber auf den Balkon, genießt einen Weißwein. Und macht es so wie ich: Zieht einfach das alte Kleid an. Das, das Euch so gut steht und in dem Ihr Euch so wohlfühlt."