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Antisemitische Pöbeleien: Milde Strafe für John Galliano

Als "dreckiges Judengesicht" hatte er die Gäste eines Restaurants beschimpft. John Galliano ist wegen seiner rassistischen Pöbeleien nur zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Seine Karriere wird trotzdem zu Ende sein.

Der britische Modemacher John Galliano kommt nach seinen judenfeindlichen Ausfällen glimpflich davon: Ein Pariser Gericht verurteilte ihn am Donnerstag zu einer Geldstrafe von 6000 Euro auf Bewährung. Der Brite war bei der Urteilsverkündung in der französischen Hauptstadt nicht anwesend. Ihm hatten bis zu sechs Monate Haft und mehr als 20.000 Euro Strafe gedroht. Doch trotz des milden Urteils: Als Designer wird er nicht zurückkehren können.

Im Februar pöbelte der britische Modeschöpfer in einer Kneipe im Schwulen- und Szeneviertel Marais ein Pärchen an und beschimpfte es nach dessen Aussage unter anderem als "dirty jewish face" ("dreckige Judenfresse"). Als das Paar ihn bei der Polizei anzeigte und der Vorfall bekannt wurde, meldete sich eine Frau, die Galliano bereits im Oktober noch derber beschimpft und beleidigt haben soll. Zeitgleich geriet ein Video in Umlauf, in dem der Designer sagt: "Ich liebe Hitler."

Im April musste sich Galliano deshalb wegen schwerer Beleidigung vor Gericht verantworten. Im Prozess sagte, er habe in den vergangenen Jahren - vor allem nach dem Tod seines Vaters im Jahr 2005 und dem Tod eines sehr engen Freundes zwei Jahre darauf - unter enormem beruflichem Druck gestanden und immer mehr getrunken. Um trotz seiner ständigen Reisen und der vielen Arbeit schlafen zu können, habe er Tabletten eingenommen, an die sein Körper sich mit der Zeit gewöhnt habe. "Bisweilen habe ich sogar tagsüber schon welche genommen", sagte Galliano, der jahrelang gefeierte Designer des französischen Traditionshauses Dior. "Ich habe erst in meiner Entziehungskur begriffen, wie tödlich diese Mischung war."

Der exzentrische Brite ist seit dem Skandal um die Vorwürfe arbeitslos. Das Modehaus Dior, das auch das Label "John Galliano" kontrolliert, setzte ihn Anfang März vor die Tür. Viele Weggefährten glauben unterdessen nicht, dass Galliano wirklich ein Hitler-Verehrer und Judenhasser ist - vor allem weil der Brite als Schwuler selbst zu einer von den Nazis verfolgten Minderheit gehört.

Gallianos Karriere als Modeschöpfer ist zu Ende

Der Einzige, der laut gegen Galliano gewettert hat, ist Karl Lagerfeld. Er sei stinksauer, sagte er der Modefachzeitschrift "Women's Wear Daily". "Die Frage ist nicht mehr, was er gesagt hat oder nicht", meinte Lagerfeld über Galliano. Die Bilder seien um die Welt gegangen und hätten sowohl das Image der Mode als auch das von Galliano zerstört.

Damit wird Lagerfeld wohl Recht behalten. Denn auch wenn die Richter mit ihrem milden Urteil gnädig waren: Das Video, wie Galliano betrunken rumpöbelt, wird die Pariser Schickeria wohl nicht so schnell vergessen. Seine Karriere als Modeschöpfer ist wohl ein für alle mal beendet.

mai/AFP / AFP