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Podcast "Der Fünfte Satz" "War am Tag meiner Insolvenz ein vermögender Mann": Boris Becker über sein Verfahren

Boris Becker im Gespräch mit Johannes B. Kerner
Boris Becker spricht zusammen mit Johannes B. Kerner in dem neuen Amazon-Podcast "Der Fünfte Satz" über sein Leben.
© Amazon Music
Eigentlich sollte es in der letzten Folge des Podcasts "Der Fünfte Satz" um seine Zukunft gehen. Doch zuvor muss Boris Becker sein Insolvenzverfahren abschließen. Und er hat schon Pläne für die Zeit danach.

"Ich mache mir um meine Zukunft überhaupt keine Sorgen", sagt Boris Becker zu Beginn der fünften und letzten Folge seines Podcasts "Der Fünfte Satz". Und klingt dabei gar nicht wie jemand, der komplett ruiniert ist und vor den Trümmern seines Lebens steht - wie es in manchen Berichten der Boulevardpresse zu lesen ist. 

Doch bevor er die Zukunft in Angriff nehmen kann, muss Becker noch das Insolvenzverfahren abschließen, das gegen ihn in Großbritannien läuft und das auch hierzulande für viel Verwirrung gesorgt hat. Moderator Johannes B. Kerner spricht dann auch direkt an, was wohl den meisten durch den Kopf geht: "Wo ist das ganze Geld geblieben?"

Das ermöglicht nun Boris Becker, ein wenig auszuholen und die Hintergründe des Verfahrens zu erläutern. "Ich wurde insolvent erklärt für eine Summe von 3,2 Millionen Euro plus 3 Prozent Zinsen", sagt der dreifache Wimbledon-Sieger. "In dieser Zeit hatte ich ein Millionenvermögen im zweistelligen Bereich."

Boris Becker über das Insolvenzverfahren

Er habe das Vierfache der geschuldeten Summe schon zurückgezahlt und sei guter Dinge, das Insolvenzverfahren bald beenden zu können, so Becker, der betont: "Ich war am Tage meiner Insolvenz ein sehr vermögender Mann."

Vieles, was für deutsche Ohren unverständlich klingt, liegt offenbar im britischen Insolvenzrecht begründet. Becker berichtet, er habe ein Individual Voluntary Arrangement abgeschlossen, eine freiwillige Vereinbarung, und müsse deshalb die Hälfte seines Einkommens abgeben.

Gleichzeitig läuft aber noch ein zweites Verfahren gegen den Leimener, ein Strafverfahren, weil ihm Fehler im Insolvenzverfahren vorgeworfen werden. Hier könnte es im September zum Prozess kommen, sollte Becker die Vorwürfe im Vorfeld nicht ausräumen können. Ihm ist es aber wichtig, beides auseinanderzuhalten: "Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun." 

"Die Schulterklopfer gibt es nicht mehr"

Aufgrund all dieser Affären habe er seinen Freundeskreis stark reduziert, sagt Becker: "Die ganzen Schulterklopfer, die in meinem Umfeld noch vor vier, fünf Jahren waren, die gibt es nicht mehr." Aufgrund dieser Veränderungen sehe er sehr rosig in die Zukunft, erzählt der frühere Sportler, der dennoch immer wieder in die Vergangenheit zurückkehrt.

So kommt er auf den 30. Juni 1999 zu sprechen, den Tag, an dem er sein letztes Match in Wimbledon schlug und seine Karriere beendete. Der Tag sorgte später auch aufgrund eines außersportlichen Ereignisses für Schlagzeilen: der sogenannten "Besenkammer-Affäre". Boris Becker handelt die Geschehnisse ab, wie er früher seine Aufschlagspiele durchgebracht hat: Er macht kurzen Prozess. Über seine Begegnung mit Angela Ermakova sagt er schlicht: "Wir haben uns geliebt. Und das Ergebnis war meine erste Tochter." Bumm-Bumm-Boris ganz in seinem Element.

Nachdem er die Vergangenheit auf diese Weise abgehandelt hat, kann sich Becker im Gespräch endlich der Zukunft zuwenden. Tatsächlich hat der vierfache Vater mit seiner Familienplanung noch nicht ganz abgeschlossen. "Meine beste Form zu leben ist verheiratet zu sein und auch noch mal Vater zu werden, und das schließe ich absolut nicht aus für die Zukunft", sagt er. Insgesamt blicke er sehr rosig in die Zukunft.

Die Deutschen ehren ihre Idole nicht

So erleben wir in den gut fünf Stunden des Podcasts einen aufgeräumten Boris Becker, der mit sich und der Welt eigentlich komplett im Reinen ist. Wäre da nicht die eine Sache, die ihn quält: das schlechte Ansehen, das er ausgerechnet in seiner deutschen Heimat genießt und das Becker vor allem auf die mediale Berichterstattung zurückführt. 

Die mediale Hetzjagd gehe ihm ans Herz. "Es muss doch stimmen, was man sagt", klagt Becker - und klingt ein wenig verzweifelt. "Das erlebe ich, was mich angeht, im deutschsprachigen Raum nicht."

Dass er trotz all seiner Verdienste noch immer nicht den gebührenden Respekt bekommt, ist traurig. Für Boris Becker - aber auch für die Deutschen, die offenbar mehr Freude verspüren, ihre wenigen Idole zu zerstören als sie zu würdigen. 

Den Podcast "Boris Becker - Der Fünfte Satz" ist bei Amazon Music abrufbar.

Lesen Sie auch:

Folge 1: Boris Becker rechnet mit den Medien ab
Folge 2:  Die Wahrheit über Anna Ermakova
Folge 3: Beim Thema Rassismus wird Boris emotional
Folge 4: Darum war der Wimbledon-Sieg 1985 gar keine Sensation

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