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Podcast "Der Fünfte Satz" "Das hat mit Pressefreiheit nichts zu tun": Boris Beckers bittere Abrechnung mit den Medien

Boris Becker im Gespräch mit Johannes B. Kerner
Boris Becker spricht zusammen mit Johannes B. Kerner in dem neuen Amazon-Podcast "Der Fünfte Satz" über sein Leben.
© Amazon Music
In dem Podcast "Der Fünfte Satz" möchte Johannes B. Kerner den Menschen Boris Becker kennen und verstehen lernen. Das entspannte Gespräch gerät zu einer gnadenlosen Abrechnung mit den Medien.

Im vergangenen Monat ist Boris Becker 53 Jahre alt geworden. Höchste Zeit für eine Halbzeitbilanz. Die soll der Amazon Podcast "Boris Becker. Der Fünfte Satz" liefern. In fünf etwa einstündigen Folgen spricht der Moderator Johannes B. Kerner mit dem früheren Tennisprofi über sein Leben und will den Menschen hinter den Schlagzeilen zeigen. Die erste Folge widmete sich der Frage "Wer bin ich?", auf die Becker eine spontane Erwiderung gab: "Ich dachte eigentlich, ihr kennt mich alle."

Doch schon in dieser zunächst humorvoll erscheinenden Antwort steckt ein Stück Verbitterung: Boris Becker ist seit seinem ersten Wimbledonsieg eine öffentliche Person, und jeder glaubt ihn zu kennen. Der 53-Jährige bezeichnet jenen 7. Juli 1985 auch als seinen zweiten Geburtstag. Seither steht er in der Öffentlichkeit - und ist nie wieder daraus verschwunden. "Ich dachte, das hört irgendwann mal auf", sagt der vierfache Vater. Doch es ging immer so weiter.

Wie sehr dies an dem früheren Sportler zehrt, zeigt die Reaktion auf Kerners Feststellung: "Jeder kennt dich." Da bricht ein lautes Lachen aus Becker heraus. Es ist kein herzliches, freudiges Lachen, sondern eines voller Schmerz. Denn das ist das Grundproblem seines Lebens: Alle glauben zu wissen, wer er ist.

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Boris Becker ist vorsichtig geworden

Ob es jemanden gibt, der alles von ihm weiß? Diese Frage Kerners verneint Boris, er schütze seine Privatsphäre. Eine trauriges Eingeständnis für einen Menschen, der zwei Mal verheiratet war und vier Kinder hat. Es gebe nur Menschen, die Momentaufnahmen kennen, nicht die ganze Geschichte. Er sei vorsichtig geworden, mit wem er Privates teile.

Daran gibt vor allem den Medien die Schuld. Er rede häufig mit Chefredakteuren großer Zeitungen, die ihm zwar Respekt für Lebensleistung zollten, aber in ihm vor allem ein Geschäftsmodell sähen. Mit negativen Geschichten über seine Familie und sein Leben machten die Angebote sieben Mal mehr Klicks, berichtet Becker von den Gesprächen. Ein früherer Chef der "Bild"-Zeitung haben ihm gesagt, Auflage machten vor allem diese drei Themen: Adolf Hitler, die Wiedervereinigung, Boris Becker.

Deshalb würde über ihn ständig berichtet, ob wahr oder falsch. "Was sie mit mir teilweise machen, hat mit Pressefreiheit nichts zu tun", so Becker, der Rufmord und Beschädigung seines Namens beklagt. "Ich bin mittlerweile wie eine Kunstfigur. Wie Coca Cola", klagt der dreifache Wimbledon-Gewinner. 

"Eine Hochzeit im Fernsehen würde ich nie wieder machen!"

Zwar erwirkt er mithilfe seines Medienanwaltes regelmäßig Unterlassungserklärungen der Verlage, doch die Strafen seien mit 2000 Euro viel zu niedrig, somit gebe es für ihn keinen Schutz. Er sei Freiwild.

Johannes B. Kerner fragt seinen Gesprächspartner nun, ob er denn nicht selbst auch Fehler gemacht habe, immerhin habe er sich lange den Medien gegenüber sehr offen und kooperativ gezeigt. Da stimmt ihm Boris Becker sofort zu: "Ich war zu viel zu blauäugig, viel zu offen, viel zu nett." Er habe erst spät kapiert, dass die Medien nicht seine Freunde seien. Daraus hat er gelernt: "Eine Hochzeit im Fernsehen würde ich nie wieder machen!"

Boris Becker hat allerdings die Hoffnung nicht ganz aufgegeben, dass aus der öffentlichen Person irgendwann mal eine nicht-öffentliche wird. Er kündigt im Gespräch mit Kerner an, eines Tages den Stecker zu ziehen. Das werde irgendwann passieren. "Ich schwöre es."

"Es ist nicht leicht, Boris Becker zu sein."

Ein anderes Problem, das dem früheren Tennis-Champ zusetzt, ist die ständige Vereinnahmung von den Menschen. Ständig werde er geduzt, in Deutschland glaubten viele Menschen, er gehöre ihnen. "Du bist nicht unser Boris?", will der Moderator nun wissen.

Becker nutzt die Frage, um einmal grundsätzlich aufzuklären: "Das war ich noch nie!", ruft er. Und erklärt die Besonderheit von Tennis: Das sei ein Einzelsport. "Der 17-jährige Leimener hat erstmal für sich gewonnen, und nicht für das Land", so Becker, der unter dem Missverständnis bis heute leidet: "Ich komme aus dieser Umarmung bis heute nicht raus. Die gibt mir keine Luft."

So zieht das einstige Sportidol nach der ersten von fünf Podcast-Folgen ein trauriges Fazit: "Es ist nicht leicht, Boris Becker zu sein."

Verwendete Quelle:Amazon Music

che

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