VG-Wort Pixel

Twitter So stellt Christian Ulmen einen AfD-Politiker bloß

Der Schuss ging nach hinten los: Ein Anwalt beschwerte sich auf Twitter über eine Berufsanfängerin, die einen Job wegen seiner AfD-Kandidatur ablehnte. Doch die Frau bekam viel Beifall für ihren Schritt - auch von prominenter Seite.

Damit hatte der Rechtsanwalt Markus Roscher wohl nicht gerechnet: Er wollte einer Berufsanfängerin eine Chance geben und sie trotz einer eher durchschnittlichen Note in seiner Kanzlei anstellen. Doch dann sagte die Frau ab - und gab als Grund offenbar dessen AfD-Kandidatur an. Dass es tatsächlich Menschen mit Prinzipien gibt, denen nicht egal ist, mit wem sie zusammenarbeiten - darüber war Roscher so fassungslos, dass er den Vorgang auf Twitter schilderte. 

Wenn er sich davon Zustimmung versprochen hatte, so ging der Schuss wohl nach hinten los. Zwar bekam der Tweet rund 180 Likes. Doch schon die erste Antwort bekam eine deutlich höhere Zustimmung: "Gut so. Respekt für die Frau. Sie findet bestimmt etwas Besseres", schrieb eine Frau. Das gefiel 600 Menschen. (Stand: 17.45 Uhr)

Christian Ulmen mischt sich ein

Endgültig einen anderen Dreh bekam die Geschichte, als Christian Ulmen den Tweet verbreitete und mit den Worten kommentierte: "Respekt für eine junge Rechtsanwaltsanfängerin irgendwo in Paderborn! So geht Hoffnung." Mehr als 3200 Mal wurde dieser Beitrag geliked und 730 Mal geretweetet.

Der TV-Star beteiligte sich auch an der weiteren Diskussion unter dem Tweet - und ließ sich dabei von von Einschüchterungsversuchen des Anwalts nicht irritieren. Auf Ulmens Bemerkung, die Frau werde "künftig sicher nicht mehr auf den Rechtsextremisten-Check" verzichten, antwortete der Anwalt mit drohendem Unterton: "... dünnes Eis!".

Der Rechtsanwalt und Musiker Markus Roscher kann bereits auf eine wechselvolle politische Karriere zurückblicken. In den 80er- und 90er-Jahren war er FDP-Mitglied und verstand sich als Nationalliberaler, Ende der 90er gehörte er dem Bund Freier Bürger an, dessen stellvertretender Bundesvorsitzender er wurde. 2001 trat er in Berlin im Wahlkreis Prenzlauer Berg als Direktkandidat an, diesmal  für die CDU. Als 2002 eine Kandidatur für ein Bundestagsmandat scheiterte, zog sich Roscher zurück. 2012 fand er dann eine neue politische Heimat - bei den Piraten. Inzwischen ist Markus Roscher in seiner fünften Partei angekommen: Bei der Bundestagswahl 2017 kandidiert er im Wahlkreis Paderborn/Gütersloh III als Direktkandidat für die AfD.

Als Rechtsanwalt vertrat Roscher prominente Klienten wie Uschi Glas und Benjamin Tewaag oder den Ex-Boxweltmeister René Weller vor Gericht. Ob es für Markus Roscher künftig leichter wird, geeignete Anwälte zu finden, die für ihn arbeiten, darf nach dem Twitter-Battle mit Christian Ulmen bezweifelt werden.

Alternative für Deutschland: Neun überraschende Fakten

Mehr zum Thema

Newsticker