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Weselsky vs. Varoufakis Der große Test: Wer ist die schlimmere Nervbacke?


Der eine legt Deutschland lahm, der andere führt ganz Europa an der Nase herum. Wir lassen Claus Weselsky und Janis Varoufakis im Nervduell gegeneinander antreten: Nur einer kann gewinnen.
Von Carsten Heidböhmer

Sie sind die beiden großen Reizfiguren unserer Zeit. GDL-Chef Claus Weselsky legt im Tarifstreit mit der mächtigen Bahn immer wieder das Land lahm. Dagegen tritt der griechische Finanzminister Janis Varoufakis nach dem Geschmack einiger Amtskollegen auf EU-Gipfeln zu selbstbewusst auf und zeigt sich nicht genügend entgegenkommend, um die Rettungspolitik umzusetzen. Kurzum: Man könnte den Eindruck bekommen, Varoufakis sei Schuld an der anhaltenden EU-Krise. Wir haben die beiden Reizfiguren verglichen, um die größte Nervensäge zu ermitteln.

Verbale Entgleisung

"Wenn sich zwei Kranke miteinander ins Bett legen und ein Kind zeugen, da kommt von Beginn an was Behindertes raus", sagte Weselsky im vergangenen Jahr - und entschuldigte sich kurz darauf.

Varoufakis bezeichnete die Sparpolitik der EU dagegen als "fiskalisches Waterboarding". Nicht so schlimm wie Weselskys Spruch. Dafür hat der griechische Finanzminister im Fernsehen bei "Günther Jauch" behauptet, nie den Stinkefinger gezeigt zu haben. Obwohl er das ganz offensichtlich getan hat. Ein Politiker, der es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt - das ist natürlich ein handfester Skandal.

Deswegen: Anti-Punkt für Varoufakis. 0 - 1

Modische Erscheinung

Claus Weselsky ist zwar immer akkurat gekleidet, wirkt aber in seinen grau-blauen Anzügen zumeist wie ein Sparkassendirektor aus dem Jahr 1980. Ganz anders dagegen Yanis Varoufakis, der seinen Hals grundsätzlich nie mit einem Schlips zuknotet und gerne lässig in seiner Lederjacke posiert.

Klarer Anti-Punkt für Weselsky, 1 - 1

Behaarung

Okay, bei Varoufakis ist da erst einmal nicht viel, über das man sprechen müsste. Claus Weselsky weist dagegen eine üppige Haarpracht auf. Den guten Eindruck macht er jedoch mit seinem peinlichen Oberlippen-Bärtchen wieder wett.

Unentschieden: 1,5 - 1,5

Akuter Nervfaktor

Weil Weselsky es will, stehen tausende Züge still. Auch wenn die meisten Deutschen gelassen auf den Streik reagieren: Es nervt!

Was dagegen Varoufakis in Griechenland treibt - keine Ahnung. Mag sein, dass er Wolfgang Schäuble und anderen Finanzministern auf den Zeiger geht. Aber die werden dafür ja bestens bezahlt, sich mit solchen Querulanten rumzuschlagen.

Anti-Punkt für Weselsky, 2,5 - 1,5

Misserfolgs-Faktor

Beiden kann man einen starken Narzissmus nicht absprechen, sie sehen sich gerne in den Medien. Doch wie erfolgreich sind sie mit ihren Manövern? Während Varoufakis bei seiner Amtsübernahme mächtig Wellen geschlagen und den Eindruck erweckt hat, hier komme ein neuer Politikertypus, der mit frischen Konzepten die alten Probleme löst, beschleicht einen mittlerweile das Gefühl: Mehr als heiße Luft ist bislang nicht rumgekommen. Ganz anders Weselsky: Der GDL-Chef ist zwar für seine markigen Sprüche bekannt - doch seinen Ankündigungen lässt er Taten folgen. Auch wenn noch nicht absehbar ist, wie der Arbeitskampf ausgeht: Weselskys Manöver zeigen Wirkung.

Viele Sprüche, wenig dahinter: Diesen Anti-Punkt bekommt Varoufakis. 2,5 - 2,5

Üble Nachrede - das sagt die Ex

"Er veränderte sich, ließ nur noch seine Meinung gelten, wurde lauter, bekam Zornesfalten", sagt Weselskys langjährige Lebensgefährtin Sigrid Michael über den Bahner. Und legt nach: "Er entwickelte sich zum Diktator, betrachtete alle von oben herab." Ihr Fazit: "Claus Weselsky streikt schon lange nicht mehr für seine Lokführer. Er streikt nur noch für sich selbst, missbraucht das Streikrecht aus purem Egoismus."

Dagegen äußert sich Margarite Poulos äußert herzlich über ihren Ex-Mann. Janis Varoufakis rufe sie und ihre Tochter fast täglich an, sagt die in Australien lebende Griechin, die keinen Zweifel daran lässt, dass er der Richtige für sein Amt ist.

Die Runde geht an Weselsky. 3,5 - 2,5

Abgehobenheits-Faktor

Der kleine Lokführer, der zu Geld kommt und seine Wurzeln vergisst: In der Erzählung von Weselskys früherer Lebensgefährtin klingt das so: "Plötzlich durfte ich auch keinen Wein mehr unter 25 Euro kaufen. Das gehöre sich nicht in seinen Kreisen, sagte er arrogant."

Und Varoufakis? Der Finanzminister der Syriza-Partei (was auf deutsch Koalition der Radikalen Linken bedeutet), ließ sich mit seiner Frau für ein französisches Magazin im gemeinsamen Luxus-Penthouse ablichten. Später bedauerte er die Fotos zwar, doch das Bild eines abgehobenen Linken war in der Welt.

Luxus-Penthouse schlägt 25-Euro-Wein: Anti-Punkt für Varoufakis. 3,5 - 3,5.

Glamour-Faktor

Claus Weselsky ist ein Bahner durch und durch. Er wurde bei der Deutschen Reichsbahn in der DDR zum Lokführer ausgebildet, seit 1990 engagiert er sich in der Lokführergewerkschaft GDL, als deren Bundesvorsitzender er seit 2008 fungiert. Zudem ist er - mega-uncool! - CDU-Mitglied.

Ganz anders Janis Varoufakis. Er gilt als der Rockstar unter den Finanzministern, manchmal kommt er sogar mit dem Motorrad zur Arbeit.

Fazit:

Dieser Anti-Punkt geht an Weselsky, der das Nervbacken-Duell mit 4,5 zu 3,5 knapp für sich entscheidet.


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